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Titel: Altersdiskriminierung, Formen - Ursachen - Alternativen - Perspektiven.
Autor: Nowakowski, Günter
Weitere Beteiligte: Schiller, Theo (Prof. Dr.)
Erscheinungsjahr: 2011
URI: https://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2011/0082
DOI: https://doi.org/10.17192/z2011.0082
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2011-00828
DDC: Politik
Titel(trans.): Age Discrimination, Forms - Causes - Alternitives -Perspectives

Dokument

Schlagwörter:
Alter, Altenbild, Age, Lebensalter, Image of Old People, Geriatric Care, Altenpflege, Seniorenverband, Senior Association

Zusammenfassung:
Altersdiskriminierung, Formen – Ursachen – Alternativen – Perspektiven Die höhere Lebenserwartung der Menschen in Verbindung mit der zurückge-henden Geburtenrate hat unterschiedliche Auswirkungen in der Bevölkerung. Der Anteil der Alten nimmt zu, die Belegschaften werden im Durchschnitt älter, jüngere Arbeitnehmer(innen) werden bevorzugt und der Betreuungsbedarf der älteren Bevölkerung steigt. Diese demografische Entwicklung glaubt man durch die Anwerbung von ausländischen (Fach-)Kräften entschärfen zu können. Doch diese Personalressource ist nicht unerschöpflich, da auch in den Herkunftslän-dern ähnliche demografische Veränderungen eintreten. Diese Situation führt zu einem permanenten Kampf um die Arbeitsplätze sowie um Transferleistungen zwischen Jung und Alt, der auch als Generationenkon-flikt, Krieg der Generationen, Ausbeutung der Jungen durch die Alten u.ä. bzw. in sozialdarwinistischer Terminologie diffamierend als Rentnerschwemme, Ge-rontokratie oder als Sozialparasitentum bezeichnet wird. Solche Auseinandersetzungen belegen nicht nur die Knappheit an Arbeitsplatz-angeboten und finanziellen Ressourcen, sondern gehören zu den Ursachen der Gefahr, dass alte Menschen ähnlich ausgegrenzt werden wie Behinderte und Angehörige von der Mehrheitsgesellschaft nicht akzeptierter Ethnien , Religi-onsgemeinschaften uam. Diese aus Benachteiligung, Herabwürdigung und Ächtung von Menschen, die nicht der gesellschaftlichen Norm entsprechen, hervorgehende Verhaltensweise wird in dieser Arbeit unter dem Oberbegriff Diskriminierung zusammengefasst. Das Problemfeld wird vom Autor sowohl anhand von Einzelthemen als auch durch die Auswertung von Überblickdarstellungen, populärwissenschaftlichen Publikationen und statistischem Material behandelt. Ausgehend von den demografisch bedingten Konstellationen und den gesell-schaftlichen Rahmenbedingungen (z. B.: sinkende, stagnierende oder expandie-rende Bevölkerung) zeigt der Verfasser die möglichen Alternativen und deren bevölkerungspolitischen Auswirkungen auf. Eine besondere Bedeutung erhält das auf den vier EU-Richtlinien basierende Allgemeine Gleichbehandlungsge-setz (AGG). Ausführlich stellt der Autor Vorkommnisse aus mehreren Diskriminierungsfel-dern vor, wobei der Schwerpunkt aus der Arbeitswelt sich mit der personalin-tensiven Betreuungstätigkeit in den Alten- und Pflegeheimen befasst. Wie sich zeigt, liegen die zu beklagenden Vorkommnisse, bis zu den strafbaren Handlun-gen, sowohl in den finanziellen Ressourcen (kein ausreichendes Fachpersonal) als auch in den menschlichen Unzulänglichkeiten begründet. Ein nicht zu ver-nachlässigendes Faktum ist hierbei das Ansehen der Alten in der Gesellschaft, dessen Korrektur auch nur durch die Gesellschaft selbst vorgenommen werden kann. Als eine weitere Informationsquelle standen dem Autor die Ergebnisse der ers-ten und bisher einzigen bundesweiten telefonischen Beschwerdeaktion aus dem Jahre 2001 zur Verfügung, die Defizite wiedergibt. Seine Teilnahme an der ersten Arbeitstagung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) ermöglichte dem Verfasser einen Einblick in diese Tätigkeit die-ser Institution nach §25 AGG. Als eine futurologische Fallstudie wird eine Erhebung über die Gemeinde Bad Sassendorf herangezogen. Diese befindet sich lt. Statistik schon im Jahr 2030 und stellt sich heute bereits den demografischen Herausforderungen. Die Er-kenntnisse über das Leben alter Menschen in dieser Gemeinde gipfeln in der Überzeugung, dass die Zahl der Geburten pro Frau nicht der einzige Indikator für die soziale Sicherheit eines Landes ist. Hinzu kommen andere Bedingungen, z. B. auf dem Arbeitsmarkt. In den Gesprächen mit den Alten wurde deutlich, dass neben der finanziellen Ausstattung auch das gesellschaftliche Ansehen und der Umgang mit ihnen, die wichtigsten Faktoren (z. B.: Kreditfähigkeit, al-tersgerechte med. Versorgung, Respekt und Beachtung uam.) für eine Verbesse-rung ihrer Lebensqualität sind. Im Schlussteil dieser Ausarbeitung stellt der Verfasser auch solche für die Zu-kunft konzipierten Versorgungsmodelle und Projekte zur Aufrechterhaltung bzw. Verbesserung der Situation der Alten vor, die unter den gegenwärtigen Be-dingungen als noch nicht realisierbar angesehen werden müssen. Eine Steigerung der Produktivität, die für viele gesellschaftliche Bereiche als erfolgreiche Problemlösung angesehen wird, schafft in diesem personalintensi-ven Arbeitsbereich keine grundsätzliche Abhilfe. Was in der Erzeugung mate-rieller Güter deutliche Erfolge erbringt, scheidet in der Pflege und Betreuung von Älteren aus, bzw. ist allgemein nur in Teilbereichen (z. B.: bei Hol- und Bringeleistungen) denkbar.

Summary:
Age Discrimination, Forms – Causes – Alternatives – Perspectives The rising expectancy of life in combination with the falling birth rate has varying effects in population. The share of old persons increases, the average age of personnel is getting higher, younger employees (male and female) are favored while the need of care for the elderly population grows. One believes that this demographic development can be alleviated by recruiting foreign (qualified) employees. However these personnel resources are not inexhaustible, since also in the countries of origin similar demographic changes occur. This situation leads to a permanent fight for jobs as well as to current transfers between the young and old, also being called generation gap, war of generations, exploitation of the young by old people etc. or even more diffamating in a sort of social Darwinism terminology called glut of pensioners, gerontocracy or social parasitism. Such discussions prove not only the shortage of job opportunities and financial resources but are causally connected to the danger that older persons are being similarly ostracized like handicapped people or members of ethnic, religious or other groups being refused by the majority of the society. This behavior pattern resulting from discrimination, degradation and ostracism against persons who do not conform to the social norm is summarized in this dissertation under the generic term discrimination. The set of problems is covered by the author by individual studies as well as interpretation of overall views, popular-science publications and statistical material. Beginning with demographical constellations and the general social conditions (i.e. dwindling, stagnant or expanding population) the author shows possible alternatives and their demographic consequences. A special importance has the “General Act of Equal Treatment” (AGG) basing on the four EU directives. The author represents in detail events out of several discrimination fields focusing on the world of employment mainly the labor-intensive geriatric care in the old people´s and care retirement homes. As pointed out, many of the deplorable occurrences or even criminal offences are rooted in financial resources (lack of qualified personnel) as well as human inadequacy. A fact which should not be ignored here is the respect for old people in the society which can only be corrected by the society itself. Further information sources for the author were the results of the first and up to now sole nationwide telephone complaint survey in 2001 describing deficits. By attending the first workshop of the Federal Anti-Discrimination Agency (ADS) the author was permitted an insight into the work of this institution according to §25 AGG (General Act of Equal Treatment). A futurological case study showing a survey on the town council Bad Sassendorf has been quoted. Stating the year 2030 according to the statistics it meets already today the demographic challenges. The insights about the life of old people in this town result in the conviction that the number of births per woman is not the only indicator for the social security of a country. Further conditions should be added, i.e. the job market. In conversations with old persons it was clear that beside financial resources the social respect and the way they are treated are the most important factors (i.e. credit rating, age-specific medical care, respect and attention etc.) for an increase of their life quality. In the end of this dissertation the author also presents examples of future care models and projects for the maintenance or improvement of the situations of old people being, however, not yet practicable under present circumstances. An increase of the productivity - being seen in many social areas as a successful way of solving the problem – won´t provide fundamental remedy in this labor-intensive field of work. Whatever is clearly successful in the production of material goods cannot be considered in the medical and social care of old people, or perhaps only in parts (i.e. in “get and bring” services).


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