Die Jagd im PARZIVAL Wolframs von Eschenbach. Stellenkommentar und Untersuchungen.

Bei einer aufmerksamen Lektüre des PARZIVAL wird schnell deutlich, daß Wolfram von Eschenbach immer wieder Jagdszenen beschreibt und seine Bilder und Metaphern aus dem Bereich der Jagd und hier v.a. der Beizjagd entnimmt. Dabei kann er das Wissen seines Publikums um Vorgänge, Techniken und Fachtermi...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Heinig, Dorothea
Beteiligte: Heinzle, Joachim (Prof. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2009
Deutsche Philologie des Mittelalters
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Bei einer aufmerksamen Lektüre des PARZIVAL wird schnell deutlich, daß Wolfram von Eschenbach immer wieder Jagdszenen beschreibt und seine Bilder und Metaphern aus dem Bereich der Jagd und hier v.a. der Beizjagd entnimmt. Dabei kann er das Wissen seines Publikums um Vorgänge, Techniken und Fachtermini und die Wertschätzung für und Freude an diesem adligen Zeitvertreib voraussetzen. Dem heutigen Leser ist diese Welt eher fremd – daher die Notwendigkeit dieses Kommentars, der übrigens nicht durch den zu kommentierenden Textabschnitt, sondern die Thematik begrenzt ist. Eingeleitet wird die Arbeit durch einen historischen Überblick, der den Zeitraum von der Herrschaft der ersten Merowinger bis etwa zum Jahr 1200 umfaßt und die Entwicklung des Jagdrechtes und seine Durchsetzung und Bewahrung durch Kaiser und Könige und die adligen Jäger aufzeigt. In einem fortlaufenden Kommentar werden jagdliche Szenen, Bilder und Anspielungen erläutert. Nicht kommentierte Textpassagen werden in geraffter Form nacherzählt, um die kommentierten Passagen nicht aus dem Textzusammenhang zu reißen, sondern sie einzuordnen und das Textverständnis zu erleichtern. In drei anschließenden Untersuchungen zu den Themenbereichen ‚Herrschaft und Herrscherkritik’, ‚höfische Erziehung’ und ‚höfische Liebe’ (diesen Bereichen sind die meisten Jagdszenen in Wolframs Werk zuzuordnen) wird gezeigt, wie Wolfram mit diesen Zusammenhängen umgeht. So wird z.B. die mangelnde herrscherliche Durchsetzungsfähigkeit König Vergulahts mit seinen defizitären jagdlichen Fähigkeiten als Falkner in Verbindung gesetzt und dadurch kritisiert. Parzivals unhöfische und unstandesgemäße Erziehung zeigt sich in seiner primitiven Art der Hirschjad, die das genaue Gegenteil darstellt zur verfeinerten französischen Methode der Jagd, die der junge Tristan bei seiner Ankunft in Cornwall vor dem staunenden Hof König Markes vorführt. Der Sperber hingegen ist das Attribut des Minneritters Gramoflanz, der trotz der Liebe zu seiner Dame Itonje fest entschlossen ist, deren Bruder Gawan zu töten. Diese Untersuchungen ergänzen den Kommentar und weiten ihn aus, zeitgenössische Vorstellungen vom idealen Herrscher (die auch das Lob und die Kritik der Jagd mit einschließen), höfischer Erziehung und höfischer Liebe treten hinzu. Auch die Ausführungen der Autoren der Zeit (z.B. Johannes von Salisbury, Kaiser Friedrich II., Gaston III., Graf von Foix) über die Vorzüge und Nachteile der Jagd bieten zusätzliche Informationen und weiteres Hintergrundwissen. Ein Abbildungsteil veranschaulicht das im Kommentar Erläuterte, ein Register erschließt ihn.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2010.0646