Das grenzüberschreitende Geschäft in der See- und Transportversicherung von Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1990er Jahre: ein internationaler Gewerbezweig auf dem Weg hin zu „globalisierten“ Verhältnissen?

See- und Transportversicherungsmärkte sind im Zusammenhang mit der nunmehr seit Jahrzehnten verstärkt geführten Debatte um die „Internationalisierung“ und „Globalisierung“ der Versicherungswirtschaft als selbständiger Untersuchungsgegenstand bislang mehr oder weniger vernachlässigt worden. Dies erk...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Umbach, Kai
Beteiligte: Borscheid, Peter (Prof. Dr. ) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2008
Sozial- und Wirtschaftsgeschichte
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:See- und Transportversicherungsmärkte sind im Zusammenhang mit der nunmehr seit Jahrzehnten verstärkt geführten Debatte um die „Internationalisierung“ und „Globalisierung“ der Versicherungswirtschaft als selbständiger Untersuchungsgegenstand bislang mehr oder weniger vernachlässigt worden. Dies erklärt sich scheinbar leicht aus dem Umstand heraus, dass das aufs engste mit dem nationale Grenzen überschreitenden Seewarenverkehr verbundene Geschäft mit Seeversicherungen quasi „von selbst“ stets als ein „internationales“ zu sehen war und ist. Ein differenzierter Blick auf aktuelle wie vergangene Verhältnisse der Branche offenbart jedoch auch marktspezifische Eigenheiten, die mit einer solchermaßen pauschalen Sichtweise teilweise nur bedingt in Einklang stehen. Die inhärent internationalen Angebots- und Nachfragestrukturen in der Seeversicherung wurden in Zusammenhang mit einer beschleunigten Internationalisierung der Weltwirtschaft seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts in beträchtlichem Maße von unterschiedlichen landestypischen Ausprägungen des Wirtschaftszweiges überlagert. Unglücklicherweise existiert kein Land, in dem amtliche Schätzungen oder zuverlässige statistische Informationen das grenzüberschreitend gehandelte Seeversicherungsvolumen auch nur annähernd vollständig erfassen. Entsprechend schwierig gestaltet sich die Suche nach brauchbaren Werkzeugen, mit deren Hilfe der Umfang internationaler Transaktionen in diesem Gewerbezweig gemessen werden kann. Folgerichtig bemüht sich die vorliegende Arbeit um eine detaillierte Aufarbeitung der wenigen erhältlichen statistischen Quellen, aus denen eine historische Entwicklung des länderübergreifenden Seeversicherungsgeschäfts rekonstruierbar ist. Neben einer ausführlichen Beschreibung des Wandels der rechtlichen Ausgestaltung des Seeversicherungsvertrags und der technischen Voraussetzungen im Seeverkehrswesen seit dem späten 19. Jahrhundert fokussiert die Arbeit auf zahlreiche Einzelstudien, in denen die Verflechtung nationaler Märkte in das internationale Geschäft in historischem Kontext beleuchtet wird. Besondere Aufmerksamkeit wird den Auswirkungen des Seevericherungshandels auf die Zahlungsbilanz der einzelnen Länder gewidmet. Zur Beantwortung der Frage, ob das internationale Seeversicherungsgeschäft in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts parallel dazu als ein „international business in global transition“ bezeichnet werden kann, sind schließlich die steigende Bedeutung der internationalen Rückversicherung, der Bedeutungszuwachs englischer Versicherungsbedingungen und Klauseln und die Marktintegration auf der Nachfrageseite als Indikatoren einer neuen Qualität des Versicherungsbetriebs und einer Veränderung der dahinterstehenden Organisationsformen des Wirtschaftszweiges hervorzuheben. Die Absorption des Schadenpotenzials industrieller Großrisiken durch kommerzielle Anbieter im Bereich Seetransport, unterlag insbesondere seit den 1950er Jahren einem beschleunigten strukturellen Transformationsprozess hin zu mehr „globalisierten“ Verhältnissen.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2010.0638