Krieger und Waffen im frühen Mesopotamien. Organisation und Bewaffnung des Militärs in frühdynastischer und sargonischer Zeit

Um 2500 v. Chr. setz die fortlaufende Überlieferung von Herrscherinschriften ein, die die wichtigsten Quellen zur Rekonstruktion der historischen Entwicklung darstellen. Sie charakterisieren die Frühdynastisch IIIb- oder präsargonische Zeit als eine vom Partikularismus rivalisierender Stadt- und Kle...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Schrakamp, Ingo
Beteiligte: Sommerfeld, Walter (Prof. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2010
Orientalistik und Sprachwissenschaft
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Um 2500 v. Chr. setz die fortlaufende Überlieferung von Herrscherinschriften ein, die die wichtigsten Quellen zur Rekonstruktion der historischen Entwicklung darstellen. Sie charakterisieren die Frühdynastisch IIIb- oder präsargonische Zeit als eine vom Partikularismus rivalisierender Stadt- und Kleinstaaten geprägte Periode, deren Spannungen sich immer wieder in lokalen Konflikten entluden. Der Aufstieg Sargons von Akkade, dessen Thronbesteigung konventionell auf das Jahr 2334 v. Chr. datiert wird, markiert einen Wendepunkt in der mesopotamischen Geschichte: Sargon und seine Nachfolger führten Kriegszüge von bisher ungekannter Ausdehnung in einem Gebiet vom Mittelmeer über Anatolien und den heutigen Iran bis zum Persischen Golf und beherrschten dies für mehr als ein Jahrhundert. Manche Gelehrte sehen den Aufstieg Akkades als logische Konsequenz der historisch-politischen Entwicklung Mesopotamiens, die meisten vermuten jedoch, daß der Erfolg Akkades auf eine militärische Überlegenheit der Akkader zurückgeht, die durch die Einführung des ersten stehenden Heeres oder wehrtechnische Innovationen wie dem verbreiteten Einsatz des Kompositbogens bedingt war. Diese Folgerung basieren jedoch lediglich auf kunsthistorischen Untersuchungen der zeitgenössischen Kriegsszenen der Bildkunst oder archäologischen Einzeluntersuchungen bestimmter Waffen; keilschriftliche Quellen blieben bislang unberücksichtigt. Die vorliegende Dissertation erschließt erstmals das keilschriftliche Quellenmaterial zum Kriegswesen der frühdynastischen und sargonischen Zeit. Anhand von Verwaltungstexten aus frühdynastischen Tempelarchiven Südbabyloniens lassen sich die sumerischen Heere der frühdynastischen Zeit als Wehrpflichtigenarmeen charakterisieren, die in erster Linie Lanzenkämpfer aus dem Bestand der abhängigen Arbeitskräfte der großen Tempelwirtschaften rekrutierten, die auf dem Schlachtfeld von kleineren Abteilungen aus Bogenschützen, Schleuderern und Kampfwagen unterstützt wurden. Nach den meist klassisch-sargonischen Texten aus der Zeit von Sargons Enkel Naramsuen von Akkade und seinem Nachfolger Scharkalischarri setzte auch das sargonische Militär in erster Linie Wehrpflichtigenkontingente als Nahkampftruppen sowie Bogenschützen und Schleuderer ein, die aber wohl eine größere taktische Bedeutung als zuvor besaßen. Die These, Akkade verdanke seinen Erfolg der Einführung des Kompositbogens, ist sicherlich zu verwerfen, denn diese Waffe war bereits in frühdynastischer Zeit ein etabliertes Kriegsgerät. Denkbar ist aber eine innovative Kampfesweise, bei der Fernwaffen eine größere taktische Bedeutung besaßen. Allerdings liegen die frühdynastischen Texte und die wichtigsten Quellen zum Militär der Dynastie von Akkad, die aus der Zeit der Nachfolger Sargons stammmen, zeitlich soweit auseinander, daß sich ein direkter Vergleich verbietet. Vieles deutet darauf hin, daß Akkade ein stehendes Heer unterhielt, doch ist seine Existenz anhand der Texte, die hauptsächlich aus Provinzarchiven Südbabyloniens stammen, nicht zu beweisen, denn die wichtigsten Quellen zum sargonischen Militär, die Palastarchive der Hauptstadt, sind bislang noch unentdeckt. Die Organisation von Sargons muß bis zur Entdeckung dieser Text unbekannt bleiben.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2010.0486