Untersuchung zur Notwendigkeit der Miktionszysturethrographie in der Nachsorge nach Antirefluxplastik

Harnwegsinfekte sind sowohl bei Mädchen als auch Jungen häufige Erkrankungen. Bei 15-50% aller Harnwegsinfektionen liegt ein VUR, das heißt ein Zurückfließen von Urin aus der Harnblase in den Harnleiter oder das Hohlraumsystem der Niere, vor. Bei 30-63% aller Kinder mit einem primären VUR sind bere...

Ausführliche Beschreibung

Gespeichert in:
Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Schwickardi, Armin
Beteiligte: Hofmann, Rainer (Prof. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2010
Operative Medizin
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
Tags: Tag hinzufügen
Keine Tags, Fügen Sie den ersten Tag hinzu!
Beschreibung
Zusammenfassung:Harnwegsinfekte sind sowohl bei Mädchen als auch Jungen häufige Erkrankungen. Bei 15-50% aller Harnwegsinfektionen liegt ein VUR, das heißt ein Zurückfließen von Urin aus der Harnblase in den Harnleiter oder das Hohlraumsystem der Niere, vor. Bei 30-63% aller Kinder mit einem primären VUR sind bereits zum Zeitpunkt der Erstdiagnose Parenchymnarben nachweisbar. Diese Narben schreiten, in Abhängigkeit vom Refluxgrad, weiter voran. Unterschieden wird in einen primären bzw. sekundären VUR. Der primäre VUR ist durch einen unzureichenden Verschlussmechanismus der vesicoureteralen Verbindungsstelle bedingt. Der sekundäre Reflux kann vielschichtige Ursachen haben. Oft liegt eine subvesikale Obstruktion vor, die den Abfluss des Urins aus der Blase behindert. Nach Heikel und Parkkulainen wird der VUR in fünf Schweregrade eingeteilt, wobei Grad V den höchstgradigen Befund darstellt. Als allgemein akzeptierte Indikationen für eine operative Sanierung des Refluxes gelten Durchbruchsinfekte trotz Antibiotikaprophylaxe bei konservativer Therapie, fehlende Compliance, hochgradige Refluxe, neue Narben oder unzureichendes Nierenwachstum, Verschlechterung der Nierenfunktion, Refluxpersistenz beim Mädchen oder assoziierte Fehlbildungen (zum Beispiel Mündungsdivertikel). Es gibt eine Reihe verschiedener extra- und intravesikaler Operationsmethoden. Das zugrunde liegende gemeinsame Prinzip ist die Schaffung eines ausreichend langen submukösen Tunnels um den Harnleiter. Die Erfolgsraten der Operationen beim primären VUR liegen zwischen 90% und 99%. In der postoperativen Kontrolle der in der Klinik für Urologie der Philipps-Universität Marburg operierten Kinder wurde bislang der Therapieerfolg routinemäßig mit 2 MCU jeweils 3 und 12 Monate nach dem Eingriff überprüft. Ein MCU ist eine invasive Untersuchung mit einer nicht unerheblichen Strahlenbelastung. Angesichts der hohen primären Erfolgsquote der Therapie stellte sich die Frage, ob eine derart aufwändige Nachsorge notwendig ist, oder ob einfache Indikatoren identifiziert werden können, die auf einen unzureichenden Therapieerfolg hinweisen. In der vorliegenden Arbeit wurden dazu die Daten von 184 in den Jahren 1989 bis 1999 operierten Kindern retrospektiv analysiert. Es handelte sich um 123 Mädchen und 61 Jungen, die insgesamt 243 Harnleiteroperationen unterzogen wurden. Untersucht und von den weiterbehandelnden Ärzten erfragt wurden neben dem erneuten Auftreten eines VUR unter anderem das Auftreten von fieberhaften bzw. nicht-fieberhaften Harnwegsinfekten, Veränderungen in den Kreatinin-, Harnstoff-, und Blutdruckwerten sowie das Auftreten einer Enuresis. Die Patienten wurden über einen durchschnittlichen Zeitraum von 36,5 Monaten nachbeobachtet, wobei die Zeitspanne von 4 bis 108 Monate reichte. Ein statistisch sicherbarer Zusammenhang zu einem klinisch relevanten Rezidivreflux stellte sich dabei – für an einem primären Reflux operierte Kinder- nur für das Auftreten fieberhafter Harnwegsinfekte dar: Bei 9 kam es im Nachsorgeverlauf zu fieberhaften Harnwegsinfekten. Hierbei fand sich bei 4 Kindern ein persistierender Reflux als Ursache. Bei weiteren 5 Kindern fand sich ein bis dahin nicht bekannter Reflux der Gegenseite, diese wurden auch an diesem neu diagnostizierten Reflux operiert. Das bedeutet, dass entgegen der bisherigen Praxis bei Kindern mit primärem VUR in der Nachbeobachtung auf die routinemäßige Durchführung von MCU verzichtet werden kann. Für die Gruppe der Kinder, die an einem sekundären VUR operiert worden waren, war kein so eindeutiger Indikator zu identifizieren. Diese Gruppe muss daher weiterhin aufwändiger nachuntersucht werden.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2010.0050