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Titel:Psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen in ambulanter kinder- und jugendpsychiatrischer Versorgung - Vergleichende Analyse zur Diagnosenverteilung im Klientel kinder- und jugendpsychiatrischer Praxen in Deutschland
Autor:Kowalewski, Christoph
Weitere Beteiligte: Mattejat, Fritz (Prof. Dr.)
Veröffentlicht:2009
URI:https://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2009/0605
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2009-06051
DOI: https://doi.org/10.17192/z2009.0605
DDC: Medizin
Titel(trans.):Psychiatric Disorders in Children and Adolescents in outpatient mental health care
Publikationsdatum:2009-10-09
Lizenz:https://rightsstatements.org/vocab/InC-NC/1.0/

Dokument

Schlagwörter:
Sozialpsychiatrische Praxen, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Child and adolescent, Psychiatrie, Epidemiologie, Versorgungsforschung, Outpatient, Prävalenz, Ambulante Behandlung, Mental health care, Psychische Störung, Sozialpsychiatrievereinbarung, Inanspruchnahme

Zusammenfassung:
Fragestellung: In der vorliegenden Arbeit wird die Frage untersucht, ob die Alters-, Geschlechts- und Diagnosenverteilung in kinder- und jugendpsychiatrischen Praxen in Deutschland dem tatsächlichen Vorkommen kinder- und jugendpsychiatrischer Störungen in der Bevölkerung entspricht. Eine genauere Klärung dieser Frage soll Hinweise darüber liefern, welche Alter- und Geschlechtsgruppen und welche Störungsbilder im ambulanten Bereich vergleichsweise gut versorgt werden und welche dagegen schlechter repräsentiert sind. Hieraus wiederum können Anhaltspunkte für besondere Schwerpunktsetzungen bei der weiteren Planung der ambulanten kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung gewonnen werden. Methode: Zur Untersuchung dieser Fragestellung wurde das Klientel von neun nach der Sozialpsychiatrieverordnung arbeitenden Praxen untersucht und mit vorhandenen Daten aus epidemiologischen Untersuchungen und Versorgungsstudien verglichen. Darüber hinaus wurden die Alters- Geschlechts- und Diagnosenverteilungen in den untersuchten Praxen miteinander verglichen, um Aufschlüsse darüber zu gewinnen, wie homogen bzw. wie unterschiedlich das Klientel in den verschiedenen Praxen ist. Insgesamt wurde hierzu eine Stichprobe von N=718 Patienten im Hinblick auf Alter, Geschlecht und Diagnosen nach ICD-10 und MAS ausgewertet. Die verwendeten Daten wurden der kinder- und jugendpsychiatrischen Basisdokumentation der Praxen (Psy-BaDo-KJ) entnommen; darüberhinaus wurden Daten verwendet, die im Rahmen des an der Universität Marburg angesiedelten kjp-Qualitätsprojektes gewonnen wurden. Die erhobenen Daten wurden in systematischer Weise mit bereits publizierten epidemiologischen und versorgungsepidemiologischen Daten verglichen und teststatistich auf Unterschiede geprüft. Ergebnisse: Es konnte gezeigt werden, dass einige Störungsbilder, v. a. hyperkinetische Störungen, in der untersuchten Stichprobe im Vergleich zur erwarteten Verteilung signifikant gehäuft auftraten, während andere Störungen seltener auftraten als zu erwarten war. Weiterhin wurden erhebliche Unterschiede in der Diagnosenverteilung zwischen den Praxen deutlich; die Unterschiede im Hinblick auf Alter und Geschlecht waren weniger stark ausgeprägt. Diskussion: Die vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass die Versorgung durch die untersuchten Praxen einigen Störungsbildern besonders zugute kommt, während andere Störungsbilder gegenüber dem Vorkommen in der Bevölkerung unterrepräsentiert sind. Als Ursache hierfür kann ein störungsspezifisch unterschiedliches Inanspruchnahmeverhalten diskutiert werden. Die Unterschiede zwischen den Praxen können am ehesten durch eine bewusste Schwerpunktsetzung und Spezialisierung der einzelnen Praxen erklärt werden. Einflussfaktoren wie die regionale Infrastruktur kinder- und jugendpsychiatrischer Versorgung sind wahrscheinlich auch anzunehmen, können aufgrund der Daten aber nicht eindeutig belegt werden. Mögliche weiterführende Forschungsfragen und Konsequenzen für die praktische Versorgung werden diskutiert.

Summary:
The aim of the study is to examine the utilisation of outpatient mental health care to gain better knowledge about who is searching for help and why. Therefore, the data of N=718 patients was collected at 9 practices of mental health therapists all over Germany. Those were statistically compared to (1) common epidemiological surveys and (2) one each other e. g. by age, gender and psychiatric disorders to point out what factors are leading to an increased utilisation of specialised care. Furthermore, the findings should show, what patients are reached best by ambulatory therapy-settings. The results indicate that, while the boys-girls ratio was almost the same as in epidemiological surveys, age and type of disorder are important factors in utilisation of mental health care. We could show that Hyperkinetic Disorders were overrepresented in all age- and gender-defined subgroups while for example conduct disorders showed significantly less than expected. The comparison between the single therapists showed great differences in the composition of the patient-collectives regarding mainly the diagnoses, while age-groups and gender-ratio were close. Conclusions: While there are differences between the single practitioners, younger children with hyperkinetic disorders seem to be reached best by outpatient treatment. In contrast, children in teen-ages and patients with conduct disorders were relatively rare in the sample, suggesting they are hard to reach by ambulatory treatment. Finding out more on the motivation of patients with different psychiatric disorders to search contact to health care facilities should be an aim for further investigation.


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