Technische Humankapitalbildung in der Yokosuka-Schiffswerft zu Beginn der Industrialisierung Japans

Durch den Kontakt mit holländischen Händlern hatte Japan frühzeitig Zugang zu westlichem Wissen. In der Edo-Zeit (1603-1868) wurden insgesamt mehr als 10.000 Bücher über Medizin und Technologie aus Holland eingeführt. Die Anzahl der Japaner, die sich über die holländische Sprache westliches Wissen a...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Nishiyama, Takahiro
Beteiligte: Pauer, Erich (Prof. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2009
Japanologie
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Durch den Kontakt mit holländischen Händlern hatte Japan frühzeitig Zugang zu westlichem Wissen. In der Edo-Zeit (1603-1868) wurden insgesamt mehr als 10.000 Bücher über Medizin und Technologie aus Holland eingeführt. Die Anzahl der Japaner, die sich über die holländische Sprache westliches Wissen aneigneten, betrug bis Ende der Edo-Zeit über 3.000. Sie verbreiteten das technische, medizinische und kulturelle Wissen aus dem Westen über ihre Lehrtätigkeit in den ‚Schulen der westlichen Wissenschaften (yōgaku-juku)‘, die in der Edo-Zeit die Rezeptions- und Diffusionsstellen westlichen Wissens waren. Dieses akkumulierte Vorwissen über die westliche Technologie und Medizin wurde seit Mitte des 19. Jahrhunderts zunehmend umgesetzt und zur Weiterentwicklung eigener Techniken angewendet. Die japanische Industrialisierung ging somit mit einem langfristigen Wissens- und Technologietransfer aus dem Westen einher und kann deshalb nicht als spontane, von der neuen Meiji-Regierung inspirierte Handlung bezeichnet werden. Die Industrialisierung Japans muss vielmehr in ihrer historischen Kontinuität und den historischen Kontexten untersucht werden. In der sogenannten ‚industriellen Lehrzeit‘ (1850-1870) wurden zahlreiche frühe Industrien eingerichtet. Dort erfolgte eine Ausbildung von technischen Fachkräften weitgehend selbstständig, aber auch, wie zum Beispiel in der Nagasaki-Schiffswerft, durch ausländische Fachkräfte und Meister. Auch die Humankapitalbildung in der Yokosuka-Schiffswerft begann in der Zeit der ‚industriellen Lehrzeit Japans‘ und komplettierte ihr Ausbildungsprogramm in der Ära des industriellen Aufschwungs. Zwischen dem Anfang der Ausbildung des technischen Personals in der Schiffswerft 1865 und 1907 wurden dort fast 300 Ingenieure und Vorarbeiter ausgebildet. Die Absolventen erhielten direkt nach ihrer Ausbildung eine höhere Stelle als Ingenieur oder Lehrkräfte in weiteren Schiffswerften und Ausbildungsstätten, wie zum Beispiel an der 1873 gegründeten Kōbu dai-gakkō (College of Engineering). Hier wird deutlich, dass die in der Yokosuka-Schiffswerft ausgebildeten Ingenieure zur Diffusion des technischen Wissens in Japan beitrugen und somit die Industrialisierung Japans in großem Ausmaß unterstützten. Vor diesem Hintergrund steht im Zentrum des Interesses der vorliegenden Arbeit die Ausbildung von hoch qualifiziertem technischen Personal von der ‚industriellen Lehrzeit Japans‘ bis zum industriellen Aufschwung in der ersten modernen Fabrik Japans, der Yokosuka-Schiffswerft. Wie diese Ausbildungsprozesse möglich wurden, und welche Bedeutung dieser Humankapitalbildung in der Yokosuka-Schiffswerft für die Industrialisierung Japans beigemessen werden kann, sind Fragen, welche die Darlegungen leiten werden.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2009.0459