Korrelation klinischer und immunserologischer Daten bei Patienten mit bullösem Pemphigoid mittels der Entwicklung eines Krankheitsaktivitätsscores und unter Verwendung von ELISA-Daten

Beim bullösen Pemphigoid (BP) handelt es sich um die häufigste erworbene blasenbildende Autoimmunerkrankung des Erwachsenenalters, die organspezifisch die Haut befällt. Der Verlauf ist chronisch entzündlich und geht klassischerweise mit zirkulierenden und gewebsgebundenen Autoantikörpern gegen die h...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Genthner, Katharina Maria Luise Karoline
Beteiligte: Hertl, Michael (Prof. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2009
Hautkrankheiten
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Beim bullösen Pemphigoid (BP) handelt es sich um die häufigste erworbene blasenbildende Autoimmunerkrankung des Erwachsenenalters, die organspezifisch die Haut befällt. Der Verlauf ist chronisch entzündlich und geht klassischerweise mit zirkulierenden und gewebsgebundenen Autoantikörpern gegen die hemidesmosomalen Strukturproteine BP180 und BP230, die Bestandteil der Basalmembranzone der Haut sind, einher. Die Folge ist ein Adhäsionsverlust von Epidermis und Dermis, der sich klinisch in Form von prallen subepidermalen Blasen äußert. Ziel der vorliegenden Arbeit war es, die Korrelation klinischer und immunserologischer Daten bei Patienten mit BP zu analysieren. Den Untersuchungen lag ein Kollektiv von 50 Patienten zugrunde, deren Daten retrospektiv erhoben wurden. Voraussetzung für die Durchführung entsprechender Korrelationsanalysen war die Entwicklung eines Krankheitsaktivitätsscores, anhand dessen die in den Patientenakten dokumentierten Beschreibungen der Effloreszenzen quantifiziert werden konnten. Unter der Berücksichtigung der Vor- und Nachteile etablierter BP- und Pemphigus- Scores bezüglich der Anwendbarkeit auf eine retrospektive Datenerhebung wurde ein neuer Score entwickelt mit dem Ziel, die Krankheitsaktivität so differenziert wie retrospektiv möglich und gleichzeitig sinnvoll zu erfassen. Die Berechnung dieses Scores beruhte auf einer Einteilung der Körperoberfläche in 10 Areale. Jedem Areal wurde in Abhängigkeit von der Qualität und der Quantität der beschriebenen Effloreszenzen mittels verschiedener Gewichtungen ein Punktwert von 0 bis 1 zugeordnet. Bei 10 Arealen spiegelte sich die Krankheitsaktivität somit insgesamt auf einer Messleiste von 0 bis 10 Punkten wider. Die IgG-Antikörperreaktivität gegen fünf verschiedene Konstrukte der Zielantigene BP180 bzw. BP230 war mittels ELISA erfasst und in den Akten dokumentiert worden. Die Analyse der Daten vor Therapiebeginn ergab Folgendes: Während fast ausnahmslos das gesamte Patientenkollektiv eine Antikörperreaktivität gegen mindestens eines der BP180-Konstrukte präsentierte, ließen sich nur in 66% der getesteten Seren entsprechende Reaktivitäten gegen BP230 detektieren. Es konnte gezeigt werden, dass die IgG-Antikörperreaktivitäten gegen die Konstrukte BP180-ex und BP180-N1 mit der Höhe des Krankheitsaktivitätsscores positiv statistisch signifikant korrelierten. Für das Konstrukt BP230-C1 konnte eine derartige Assoziation klinischer und serologischer Daten statistisch ausgeschlossen werden, wohingegen sie bezüglich der Konstrukte BP180-C1 und BP230-N fraglich blieb. Insgesamt fanden diese Ergebnisse sowohl anhand der Antikörperprofile als auch im Rahmen der Analyse einer Gruppe von sechs Patienten im langfristigen Therapieverlauf Bestätigung. BP180 scheint somit gegenüber BP230 eine übergeordnete Rolle hinsichtlich der Krankheitsaktivität zu spielen. Dies ist vereinbar mit der Theorie des „Epitope spreading“, die postuliert, dass die Immunantwort im Krankheitsverlauf nicht auf ein einziges immundominantes Epitop beschränkt bleibt, sondern sich auf andere Epitope innerhalb desselben oder eines anderen Proteins ausbreitet. Auf das BP angewandt heißt das, dass es sich bei dem Transmembranprotein BP180 vermutlich um das primäre Autoantigen handelt, dessen gegen die extrazellulären Epitope gerichteten Antikörper entscheidend für die Primärreaktion sind und folglich eine enge Assoziation zur Krankheitsaktivität zeigen. Dem gegenüber werden intrazelluläre Epitope des BP180 sowie das intrazellulär gelegene BP230 erst sekundär im Rahmen von Demaskierungsprozessen involviert, wodurch sie Bedeutung für die Krankheitsaktivität gewinnen. Der NC16A-Region, die den größten nicht-kollagenösen Bereich der extrazellulären Domäne (ECD) des BP180 darstellt, wurde im Rahmen dieser Theorie von zahlreichen Autoren besondere Bedeutung als immundominantes Epitop beigemessen. Die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit zeigten allerdings nicht nur für die Antikörperreaktivität gegen das Konstrukt BP180-N1, welches die NC16A-Domäne umfasst, sondern auch für die BP180-ex-Antikörperreaktivität, die die gesamte ECD abdeckt, eine enge Korrelation zur Krankheitsaktivität. Dies lässt darauf schließen, dass zusätzliche Epitope auf der ECD des BP180 liegen, die ebenfalls für die Pathogenese und das Ausmaß der Krankheitsaktivität von entscheidender Bedeutung sind. Abschließend stellt sich die Frage, welche Rückschlüsse die genannten Ergebnisse auf die Validität des Scores zulassen. Bezüglich der Korrelation klinischer und serologischer Daten zeigte sich eine breite, statistisch basierte Übereinstimmung zu den Ergebnissen vorausgegangener Studien, bei denen die Evaluation der Krankheitsaktivität größtenteils erheblich weniger umfassend, teilweise aber auch sehr detailliert im prospektiven Versuchsaufbau erfolgt war. Daher ist anzunehmen, dass die relevanten Parameter der Quantifizierung der Krankheitsaktivität in den Score eingingen.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2009.0424