Eine prospektive Studie zur Effektivität von Kollagenen und Alginaten in der komplementären Adipositastherapie

Übergewicht und Adipositas stellen eine immer größer werdende Herausforderung für die heutigen Gesellschaften dar. Dabei ist nicht nur die Bedrohung der individuellen Gesundheit durch Folge- und Begleiterkrankungen, sondern auch die daraus resultierenden wirtschaftlichen Auswirkungen zu sehen. N...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Rau, Dominique
Beteiligte: Tebbe, Johannes (Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2008
Innere Medizin
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Übergewicht und Adipositas stellen eine immer größer werdende Herausforderung für die heutigen Gesellschaften dar. Dabei ist nicht nur die Bedrohung der individuellen Gesundheit durch Folge- und Begleiterkrankungen, sondern auch die daraus resultierenden wirtschaftlichen Auswirkungen zu sehen. Neben den etablierten Therapieverfahren hat sich ein regelrechter Schlankheitsmittelmarkt entwickelt. Diätmittel stellen den schnellen und mühelosen Gewichtsverlust in Aussicht, wobei diese Versprechen in den meisten Fällen nicht durch wissenschaftliche Studien belegt werden können, so auch die Medizinprodukte Matricur® und CM3-Alginat® der Hersteller Dr. Suwelack Skin & Health Care AG und A + G Lifescience GmbH, die seit 1999 rezeptfrei in Apotheken erhältlich sind. In der vorliegenden Arbeit wurde eine erste Pilotstudie zu diesen Sättigungskomprimaten geplant und durchgeführt, um einen möglichen Effekt in der Sättigungswahrnehmung zu dokumentieren und den möglichen Wirkmechanismus zu entschlüsseln. Untersucht wurden 20 gesunde Probanden an jeweils drei Versuchstagen, wobei der erste Tag als Kontrolltag diente. An den beiden anderen Tagen wurden jeweils drei Sättigungskomprimate vor der Testmahlzeit eingenommen. Gemessen wurden das Sättigungsgefühl mittels einer visuellen Analogskala und die Magenentleerungskinetik mittels eines 13C-Oktanonsäure-Atemtests. Dabei wurden als Parameter die Halbwertszeit (HWZ), die lag-Periode und der Magenentleerungskoeffizient (GEC) bestimmt. Ein möglicher Wirkmechanismus über die „gut-brain“-Achse wurde durch die Messung von den Peptiden glukagon-like peptide (GLP-1) und Cholezystokinin (CCK) im Serum untersucht. In der Studie konnte nachgewiesen werden, dass sich durch Einnahme der Komprimate die Sättigung nach Ingestion der Testmahlzeit steigern lässt. Dieser Effekt stellte sich von der 45. bis zur 210. Versuchminute ein. Eine vom Hersteller beschriebene Vorsättigung und eine höhere Sättigung während der Nahrungsaufnahme zeigten sich hingegen nicht. Zudem ließ sich eine signifikante Verlangsamung der Magenentleerungskinetik feststellen. Die Halbwertszeit der Magenentleerung verlängerte sich signifikant von 123 ± 4,98 min am Kontrolltag auf 152 ± 5,10 min nach Einnahme von Matricur® bzw. auf 155 ± 6,46 min nach CM3-Alginat®. Der gastric emptying coefficient (GEC) und die lag-Periode hingegen veränderten sich nicht signifikant. Auch bei der Untersuchung der Peptide GLP-1 und CCK stellten sich keine signifikanten Unterschiede zum Kontrolltag ein. Als Wirkmechanismus der Komprimate wird ein Kombinationseffekt aus einem rein mechanischen Prinzip der Magendehnung und einer Einflussnahme der Komprimate im Sinne von löslichen Ballaststoffen angenommen. Für einen Wirkmechanismus im Sinne der „gut-brain“-Achse geben die vorliegenden Daten keinen Hinweis. Ob Matricur® und CM3-Alginat® in der Adipositastherapie einen positiven Beitrag leisten, bleibt fraglich. Anwendungsstudien auf Basis der erhobenen Daten müssten klären, ob sich durch die Komprimate eine Reduktion der Nahrungsaufnahme einstellt und Betroffene langfristig an Gewicht abnehmen.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2008.0544