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Titel:Psychologie körperlicher Aktivität bei Patienten mit Rückenschmerzen
Autor:Leonhardt, Corinna
Weitere Beteiligte: Rief, Winfried (Prof. Dr.)
Veröffentlicht:2008
URI:https://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2008/0135
DOI: https://doi.org/10.17192/z2008.0135
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2008-01350
DDC: Psychologie
Titel(trans.):Psychology of physical activity in low back pain patients
Publikationsdatum (Online):2008-05-20

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Schlagwörter:
Physical activity, Low back pain, Rückenschmerz, Health psychology, Gesundheitspsychologie, Sportpsychologie

Zusammenfassung:
Die vorliegende Arbeit setzt sich mit den psychologischen Determinanten und Fördermöglichkeiten von körperlicher Aktivität bei Rückenschmerzpatienten auseinander, wobei Daten einer multizentrischen cluster-randomisierten Studie (N= 1378) genutzt werden. Der theoretische Hintergrund aller Originalarbeiten gibt einen Überblick zu neuen Erkenntnissen zum Rückenschmerz und zur Aktivitätsförderung in der Gesundheitspsychologie und erläutert kurz zugrunde liegende Modelle. In der ersten Originalarbeit zeigt sich mithilfe einer Mehrebenen-Kovarianzanalyse, dass eine motivierende Beratung durch Arzthelferinnen die selbstberichtete körperliche Aktivität nicht stärker verändert als allein eine wiederholte Messung. In der zweiten Originalarbeit wird an der Kohortenstichprobe belegt, dass theoretisch abgeleitete Einflussvariablen wie Depressivität und Fear-Avoidance Beliefs (Angst-Vermeidungs-Überzeugungen) das Ausmaß an Bereitschaft zur Aktivität oder Aktivitätsänderungen innerhalb eines Jahres in dieser Stichprobe überwiegend akuter Rückenschmerzpatienten nicht vorhersagen können. Selbstwirksamkeit bezüglich körperlicher Aktivität erweist sich als ein bedeutsamerer Prädiktor in den Regressionsgleichungen. In der dritten Originalarbeit zeigt sich mithilfe eines Strukturgleichungsmodells in einem Cross-lagged Panel Design an einer Teilstichprobe der Rückenschmerzpatienten mit vollständigen Daten (n= 787), dass der Aktivitätsumfang nach einem Jahr nicht mit der Ausprägung vorangegangenen Fear-Avoidance Beliefs assoziiert ist. Einschränkungen bestehen in der zwar differenziert, aber nur im Selbstbericht erhobenen körperlichen Aktivität sowie in einem angenommenen Attrition-Bias. Es wird der Schluss gezogen, dass körperliche Aktivitätseinschränkungen und damit ein „Rekonditionierungsbedarf“ nicht in dem Maße bei Rückenschmerzpatienten bestehen, wie dies lange angenommen wurde. Der Wirkmechanismus bewegungstherapeutischer Therapieverfahren bedarf weiterer Erforschung. Gesundheitspsychologische individuumszentrierte Aktivitätsförderung sollte über rein kognitive Konstrukte verstärkt auch emotionale State- und Trait-Variablen im Prozess der Verhaltensänderung berücksichtigen.

Summary:
This paper deals with psychological determinants of activity and with activity promotion in a sample of mostly acute low back pain patients in primary care setting. A cluster-randomised trial in two study regions served to collect the data. Using multilevel mixed-effects modelling, the first study showed that a motivational-counselling approach to enhance physical activity by practice nurses was not more effective than repeated measurements alone. In the second study constructs grounded in theory like depressive mood and fear-avoidance beliefs could not explain the readiness for behaviour change or changes in the amount of energy expenditure in the course of one year. Regression analysis demonstrated that self-efficacy was a more important predictor. In the third study structural equation modelling in a cross-lagged panel design did not support the “deconditioning–paradigm” inherent in the fear-avoidance beliefs model. Contrary to our expectation, the total amount of physical activity was high, and initial fear avoidance beliefs did not predict final physical activity. Limitations of the study are reliance on self-report instruments, and attrition bias cannot be excluded. The studies support the assumption that LBP patients in general have not to be “reconditioned”. Obviously there are other reasons that better explain the positive outcome of exercise therapies apart from an increase in physical fitness. In future studies, the underlying mechanisms of the beneficial effects of functional restoration and reconditioning will have to be studied in more detail. In health psychology, theories will have to integrate emotional state and trait-variables in order to explain the process of behavioural change.


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