Geschlechterunterschiede bei Kindern und Jugendlichen mit schizophrener Erkrankung

Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um eine prospektive Untersuchung mit retrospektiven Elementen. Die an Schizophrenie erkrankten Kinder und Jugendlichen wurden nach der stationären Aufnahme prospektiv nach einem vorher festgelegten Regime regelmäßig untersucht. Anhand des „instrument for t...

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: el Hafid, Zoubida
Beteiligte: Basler, Heinz-Dieter (Prof. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2007
Medizin
Schlagworte:
IQ
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um eine prospektive Untersuchung mit retrospektiven Elementen. Die an Schizophrenie erkrankten Kinder und Jugendlichen wurden nach der stationären Aufnahme prospektiv nach einem vorher festgelegten Regime regelmäßig untersucht. Anhand des „instrument for the retrospective assessment of the onset of schizophrenia“ („IRAOS“) wurde retrospektiv der Beginn der schizophrenen Erkrankung festgelegt. Ziel der Studie war die Untersuchung von an Schizophrenie erkrankten Kindern und Jugendlichen auf Geschlechterunterschiede hinsichtlich zahlenmäßiger Unterschiede, Erkrankungsalter, Krankheitsverlauf, Symptombelastung und kognitiver Leistungsfähigkeit. Untersucht wurden alle Patienten, die vom 01.05.1991 bis zum 30.11.1999 in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Marburg mit der Diagnose Schizophrenie stationär aufgenommen wurden und bei denen ein Drogenkonsum und eine organische Ursache für die Symptomatik ausgeschlossen werden konnte. Bei Aufnahme wurde durch einen erfahrenen Kinder- und Jugendpsychiater eine ausführliche Anamnese mit den Erziehungsberechtigten durchgeführt, die Kranken-geschichte durch Informationen aus Arztbriefen, soweit eine vorhergehende Kontaktaufnahme mit einer medizinischen oder psychologischen Einrichtung statt gefunden hat, ergänzt und nach Stabilisierung des klinischen Zustands mit den Patienten die persönliche Anamnese erhoben. Sobald der an Schizophrenie Erkrankte als hierfür belastbar eingestuft wurde, erfolgte die Testung des Intelligenzquotienten nach HAWIK. In wöchentlichen Interviews wurde die Psychopathologie anhand der „Brief psychiatric rating scale“ (BPRS) im Verlauf untersucht. Wo es nötig war, wurde die Diagnose im Verlauf revidiert und der Patient aus der Studie ausgeschlossen. Die Fragestellungen und Hypothesen der vorgestellten Studie lassen sich auf der Grundlage der Diskussion, in der die entsprechende Literatur zitiert wurde, die unsere Resultate untermauert, zusammengefasst wie folgt beantworten: (1) Bei Erstmanifestation der Schizophrenie vor dem vollendeten 14. Lebensjahr erkranken Jungen häufiger als Mädchen. Liegt der Beginn der schizophrenen Erkrankung jenseits davon, gibt es keine Bevorzugung eines Geschlechts. (2) Es gibt keinen Geschlechterunterschied bezüglich des Alters bei Beginn der Schizophrenie, weder bei der Very-early-onset-Form noch bei Erkrankung ab dem Alter von 14 Jahren. (3) Unter den schizophren Erkrankten mit kontinuierlichem Verlauf nehmen männliche Betroffene einen Anteil von 58% ein. In der Very-early-onset-Gruppe nimmt die Schizophrenie mit 64% häufiger einen kontinuierlichen Verlauf als in der Gruppe, die jenseits des 14. Lebensjahres erkrankt, hier beläuft sich der Anteil an kontinuierlich Erkrankten 37% (erste Anzeichen für eine psychische Störung). (4) Es gibt keinen Geschlechterunterschied in der Symptombelastung bei Erkrankungsbeginn. (5) Auch bezüglich des Intelligenzquotienten als Hinweis für die kognitive Leistungsfähigkeit finden sich zwischen den Geschlechtern keine Differenzen. An Schizophrenie erkrankte Kinder und Jugendliche weisen einen niedrigeren IQ auf als die Durchschnittsbevölkerung. Kinder mit Very-early-Onset der Schizophrenie verfügen über einen niedrigeren Intelligenzquotienten als Jugendliche, die später erkranken. Insgesamt lassen sich unsere Ergebnisse gut mit dem bisher zu diesem Thema Ver-öffentlichten in Einklang bringen. Zu den Geschlechterunterschieden bezüglich der Symptombelastung und Unterschieden in der kognitiven Leistungsfähigkeit zwischen der Very-early- und der Early-onset-Gruppe haben wir keine Literaturangaben gefunden. Da die übrigen Resultate aufgrund der guten Übereinstimmung mit den Literaturangaben als relativ repräsentativ gelten können, gehen wir davon aus, dass unsere Ergebnisse bezüglich der zwei weiter oben genannten Punkte ebenfalls als repräsentativ gelten können. Eine Überprüfung durch weitere Studien ist allerdings unabdingbar, zumal die Arbeit - wie fast alle, die sich mit kindlicher Schizophrenie beschäftigen - gewissen Einschränkungen unterliegt.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2007.0822