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Titel:Kants Kritik der Urteilskraft und das Opus postumum. Probleme der Deduktion und ihre Folgen.
Autor:Tanaka, Mikiko
Weitere Beteiligte: Brandt, Reinhard (Prof. Dr.)
Veröffentlicht:2004
URI:https://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2007/0699
DOI: https://doi.org/10.17192/z2007.0699
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2007-06994
DDC: Philosophie
Titel(trans.):Kant's Critique of Judgment and the Opus postumum. Problems of the deduction and their consequences.
Publikationsdatum:2007-11-29
Lizenz:https://rightsstatements.org/vocab/InC-NC/1.0/

Dokument

Schlagwörter:
Teleologie, Kant, Immanuel / Opus postumum, Deduktion, Gottesbegriff, Transition, Philosophy of Nature, Teleology, Materie, Transcendental Philosophy, Zweckmäßigkeit, Übergang, Naturphilosophie, Transzendentalphilosophie, Kant, Immanuel / Kritik der Urteilskraft, God

Zusammenfassung:
In der vorliegenden Arbeit wird der Versuch unternommen, das Problem des Verhältnisses des so genannten Opus postumum (im folgenden OP genannt) zur Kritik der Urteilskraft (im folgenden KU) ansatzweise zu klären. Die Arbeit gliedert sich in zwei Teile: Im ersten Teil werden die KU aus dem Jahr 1790 und die so genannte Erste Einleitung (erst 1794 veröffentlicht) untersucht, im zweiten Teil wird das OP, Kants Notizen und Fragmente aus dem Nachlass, analysiert. Im ersten Teil wird der Aufbau der Kritik der reinen Vernunft, der Kritik der praktischen Vernunft und der KU analysiert, indem die Zweiteilung Analytik/Dialektik und die Rolle der Exposition und der Deduktion erläutert werden. Sodann wird festgestellt, dass der Zusammenhang der beiden Teile der KU, Ästhetik und Teleologie, durch die Einführung der Begriffe "Zweckmäßigkeit der Natur" und "reflektierende Urteilskraft" ermöglicht wird. Obwohl die Ästhetik und die Teleologie parallel konzipiert werden, hat die Kritik der teleologischen Urteilskraft keine Deduktion. Meine These lautet, dass Kant - ohne den Terminus "Deduktion" zu benutzen - im Haupttext der KU doch versucht hat, die Allgemeinheit und die Notwendigkeit des teleologischen Urteils zu beweisen. Ich mache auf die fehlende "Deduktion" der teleologischen Urteilskraft aufmerksam und versuche anschließend, ihre Spur in §§ 66-68 zu lokalisieren und Kants Argumentation sichtbar zu machen. Unter der Deduktion des teleologischen Urteils versteht Kant die Aufsuchung und Feststellung der Quellen und der notwendigen Bedingungen des Urteils, aber nicht die Prüfung der Legitimität desselben. Diese Bedeutung der Deduktion ist spezifisch für die Kritik der teleologischen Urteilskraft. Mit der Fertigstellung der KU von 1790 führt Kants Neukonzeption der Transzendentalphilosophie zur Umgestaltung seines Systems der "Kritik der reinen Vernunft", die alle drei Kritiken betrifft. Die neu strukturierte Kritik - man kann sie die vierte Kritik nennen - soll als Idee dem System der Transzendentalphilosophie vorangestellt werden. Jedoch ist Kants System noch nicht vollkommen, weil eine Lücke zwischen der regulativen Betrachtungsweise der Naturprodukte und dem konstitutiven allgemeinen Verstandesbegriff entsteht. Deswegen müssen der Organismusbegriff und die Materietheorie im OP revidiert werden. Im zweiten Teil meiner Dissertation wird das Problem diskutiert, wie und warum Kant diese Revision im OP vorgenommen hat. Dazu werden die Definition des Organismus und die Theorie der bewegenden Kräfte der Materie in "Übergang 1-14", in den Konvoluten VII, X und XI erläutert. Zum Schluss wird das Verhältnis von Ich, Welt und Gott reflektiert. Der Mensch als ein organisches Wesen muss Kant zufolge über seine Verbindung zur Welt und Gott nachdenken und beide in sich verknüpfen. Gott ist weder Welturheber noch Weltseele, sondern eine Person, die nur Recht, aber keine Pflicht hat. Kant sagt, Gott sei in uns, d. h. wir betrachten Gott als in unserer Persönlichkeit befindlich, die so heilig ist wie seine. Das selbstbewusste Ich als Subjekt muss der Verknüpfung von Welt und Gott, von Natur und Freiheit zugrunde gelegt werden. Dies ist der höchste Standpunkt der Transzendentalphilosophie, der im I. Konvolut geschildert wird, das Kant an seinem Lebensende 1800 bis 1803 niederschrieb.

Summary:
In my dissertation I try to explicate the problem of the relation between the so-called Opus postumum (henceforth abbreviated as OP) and the Critique of Judgment (henceforth abbreviated as CJ). The thesis has two parts: in the first part I focus on the CJ (1790) and the so-called First Introduction which was published in 1794, in the second part I consider the OP, Kant's notes and fragments which were not published during his lifetime. I start with, in the first part, analysing the structure of the Critique of Pure Reason, the Critique of Practical Reason and the CJ - by focusing on the "analytic/dialectic" division and the role of the exposition and the deduction. In this way it becomes clear that the combination of the two parts of the CJ, aesthetics and teleology, is possible by the concept of the purposiveness of nature and the reflective judgment. Although aesthetics and teleology are constructed in a parallel manner the second part of the CJ, the Critique of the Teleological Judgment, has no deduction. I claim that Kant tried to prove the universality and the necessity of the teleological judgment without using the term "deduction" in the main part of the CJ. After pointing out the lack of the deduction of the teleological judgment I try to clarify Kant's argument by finding the trace of the "deduction" in §§ 66-68. He understands the "deduction" of the teleological judgment as the finding and determining of the origin of the judgement and the necessary conditions for it, but not as an examination of its validity. This meaning of the deduction is characteristic for the teleological judgement. With the completion of the CJ in 1790 Kant gained a new concept of the transcendental philosophy and achieved a restructuring of his system of the "Critique of Pure Reason", which should include the three critiques. The restructured critique as an idea - it could be called the fourth critique - is meant to precede the transcendental philosophy. But Kant's system is not completed because a chasm appears between the regulative observation of natural things and the universal concept of understanding. Therefore the concept of organism and the theory of materials must be reassessed in the OP. In the second part of my thesis I discuss the question why and how this reassessment is made in the OP by clarifying how organism and the theory of the moving force of the material are defined in "Transition 1-14", in the Fascicle VII, X and XI. In the end I come to show the relation between I, the world, and God. According to Kant, the human being as an organised subject must think about his connection with the world and with God, and he should unite these in himself. God is neither the originator of the world nor the world-soul, but a person, a being who has rights but not any duty. Kant says that God is within us, i.e. we conceive God as a being in our person which is as holy as he is. I as a subject must be the basis of the connection of the world and God, of nature and freedom. This is the highest and final elaboration of the transcendental philosophy which Kant worked on in the Fascicle I, notes he wrote towards the end of his life between 1800 and 1803.


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