Kants Kritik der Urteilskraft und das Opus postumum. Probleme der Deduktion und ihre Folgen.

In der vorliegenden Arbeit wird der Versuch unternommen, das Problem des Verhältnisses des so genannten Opus postumum (im folgenden OP genannt) zur Kritik der Urteilskraft (im folgenden KU) ansatzweise zu klären. Die Arbeit gliedert sich in zwei Teile: Im ersten Teil werden die KU aus dem Jahr 1790...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Tanaka, Mikiko
Beteiligte: Brandt, Reinhard (Prof. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2004
Philosophie
Schlagworte:
God
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:In der vorliegenden Arbeit wird der Versuch unternommen, das Problem des Verhältnisses des so genannten Opus postumum (im folgenden OP genannt) zur Kritik der Urteilskraft (im folgenden KU) ansatzweise zu klären. Die Arbeit gliedert sich in zwei Teile: Im ersten Teil werden die KU aus dem Jahr 1790 und die so genannte Erste Einleitung (erst 1794 veröffentlicht) untersucht, im zweiten Teil wird das OP, Kants Notizen und Fragmente aus dem Nachlass, analysiert. Im ersten Teil wird der Aufbau der Kritik der reinen Vernunft, der Kritik der praktischen Vernunft und der KU analysiert, indem die Zweiteilung Analytik/Dialektik und die Rolle der Exposition und der Deduktion erläutert werden. Sodann wird festgestellt, dass der Zusammenhang der beiden Teile der KU, Ästhetik und Teleologie, durch die Einführung der Begriffe "Zweckmäßigkeit der Natur" und "reflektierende Urteilskraft" ermöglicht wird. Obwohl die Ästhetik und die Teleologie parallel konzipiert werden, hat die Kritik der teleologischen Urteilskraft keine Deduktion. Meine These lautet, dass Kant - ohne den Terminus "Deduktion" zu benutzen - im Haupttext der KU doch versucht hat, die Allgemeinheit und die Notwendigkeit des teleologischen Urteils zu beweisen. Ich mache auf die fehlende "Deduktion" der teleologischen Urteilskraft aufmerksam und versuche anschließend, ihre Spur in §§ 66-68 zu lokalisieren und Kants Argumentation sichtbar zu machen. Unter der Deduktion des teleologischen Urteils versteht Kant die Aufsuchung und Feststellung der Quellen und der notwendigen Bedingungen des Urteils, aber nicht die Prüfung der Legitimität desselben. Diese Bedeutung der Deduktion ist spezifisch für die Kritik der teleologischen Urteilskraft. Mit der Fertigstellung der KU von 1790 führt Kants Neukonzeption der Transzendentalphilosophie zur Umgestaltung seines Systems der "Kritik der reinen Vernunft", die alle drei Kritiken betrifft. Die neu strukturierte Kritik - man kann sie die vierte Kritik nennen - soll als Idee dem System der Transzendentalphilosophie vorangestellt werden. Jedoch ist Kants System noch nicht vollkommen, weil eine Lücke zwischen der regulativen Betrachtungsweise der Naturprodukte und dem konstitutiven allgemeinen Verstandesbegriff entsteht. Deswegen müssen der Organismusbegriff und die Materietheorie im OP revidiert werden. Im zweiten Teil meiner Dissertation wird das Problem diskutiert, wie und warum Kant diese Revision im OP vorgenommen hat. Dazu werden die Definition des Organismus und die Theorie der bewegenden Kräfte der Materie in "Übergang 1-14", in den Konvoluten VII, X und XI erläutert. Zum Schluss wird das Verhältnis von Ich, Welt und Gott reflektiert. Der Mensch als ein organisches Wesen muss Kant zufolge über seine Verbindung zur Welt und Gott nachdenken und beide in sich verknüpfen. Gott ist weder Welturheber noch Weltseele, sondern eine Person, die nur Recht, aber keine Pflicht hat. Kant sagt, Gott sei in uns, d. h. wir betrachten Gott als in unserer Persönlichkeit befindlich, die so heilig ist wie seine. Das selbstbewusste Ich als Subjekt muss der Verknüpfung von Welt und Gott, von Natur und Freiheit zugrunde gelegt werden. Dies ist der höchste Standpunkt der Transzendentalphilosophie, der im I. Konvolut geschildert wird, das Kant an seinem Lebensende 1800 bis 1803 niederschrieb.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2007.0699