Einfluss einer polizyklischen Chemotherapie mit 4-6 Zyklen Adriamycin/Cyclophosphamid auf die Knochendichte und Knochenstruktur von praemenopausalen Patientinnen mit primaerem Mammakarzinom.

Das Mammakarzinom und die Osteoporose gehören zu den häufigsten Erkrankungen der Frau und haben einen entscheidenden Einfluss auf die Lebensqualität und die Lebenserwartung. Von der multifaktoriellen Erkrankung Osteoporose sind zur Zeit ca. 5-6 Millionen Menschen betroffen, wobei trotz eines erweite...

Ausführliche Beschreibung

Gespeichert in:
Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Maskow, Carolin
Beteiligte: Hadji, P. (Prof. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2007
Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
Tags: Tag hinzufügen
Keine Tags, Fügen Sie den ersten Tag hinzu!
Beschreibung
Zusammenfassung:Das Mammakarzinom und die Osteoporose gehören zu den häufigsten Erkrankungen der Frau und haben einen entscheidenden Einfluss auf die Lebensqualität und die Lebenserwartung. Von der multifaktoriellen Erkrankung Osteoporose sind zur Zeit ca. 5-6 Millionen Menschen betroffen, wobei trotz eines erweiterten Spektrums diagnostischer und therapeutischer Möglichkeiten eine deutliche Zunahme der Inzidenz zu verzeichnen ist. Neben den Wirkungen auf das Brustdrüsengewebe haben Östrogene einen entscheidenden Einfluss auf die Regulation des Knochenstoffwechsels. Hierbei stehen direkte Wirkungen auf Osteoblasten und Osteoklasten sowie indirekte Wirkungen über die Produktion von Zytokinen und Mediatoren im Vordergrund. Durch eine adjuvante Chemotherapie kommt es in ca. 63%-96% der Fälle durch Schädigung der ovariellen Strukturen zu einem bleibenden Östrogenmangel, was in Abhängigkeit vom Ausgangsbefund zu einer nachhaltigen negativen Beeinflussung des Knochenstoffwechsels führt. Daneben wurden auch direkte, toxische Effekte einiger Zytostatika auf die Zellen des knochenaufbauenden Systems beobachtet. In verschiedenen Studien konnte, untersucht mittels der DXA-Methode, einheitlich ein negativer Effekt der zytostatischen Therapie auf die Messergebnisse an der LWS und dem Schenkelhals nachgewiesen werden. Bezüglich einer Untersuchung dieses Zusammenhangs mit Hilfe der kostengünstigen und strahlenfreien Quantitativen Ultrasonometrie des Knochens, liegen keine Ergebnisse vor. Im Rahmen unserer Untersuchung zum Einfluss einer polyzyklischen Chemotherapie auf die QUS- und DXA-Messwerte sowie die laborchemischen Marker des Knochenstoffwechsels wurden insgesamt 53 prämenopausale Mammakarzinom- patientinnen rekrutiert, welche eine chemotherapie-induzierte sekundäre Amenorrhoe entwickelten. Die Beobachtung erfolgte prospektiv über den Zeitraum eines Jahres, mit Kontrollmessungen nach 6 und 12 Monaten. Analysiert wurden im Anschluss anamnestische Basisdaten sowie die mittels des Achilles plus Ultrasonometers von GE/Lunar am Os calcaneus erfassten Parameter. Desweiteren erfolgte die QUS-Messung an den Phalangen mittels des Bone-Profilers der Firma Igea sowie BMD-Messungen mit Hilfe des DPXL von GE/Lunar an der LWS und dem Schenkelhals. Zur Vervollständigung der Daten wurden knochenspezifische Laborparameter bestimmt. Es erfolgte eine vergleichende matched-pair Analyse nach Alter, Größe, Gewicht und BMI. Im Vergleich zur Kontrollgruppe konnte für die Mammakarzinompatientinnen innerhalb eines Jahres ein statistisch signifikanter Abfall der QUS-Ergebnisse an der Ferse mit BUA (p=0,068), SOS (p=0,006), SI agerel. (p≤ 0,001) und SI y (p≤ 0,001) und den Phalangen (AD-SoS, T-Score, Z-Score und tf mit p≤ 0,001) nachgewiesen werden. Genauso zeigte sich in der DXA-Messung ein statistisch signifikanter Wertverlust im Bereich der LWS und dem Schenkelhals (alle p≤ 0,001, außer BMD Femoral Neck, p=0,019). Bezüglich der laborchemischen Parameter lagen die Abbaumarker ICTP (p=0,002) und Cross Laps (p=0,001) schon zur Baselinemessung signifikant über den Werten der Kontrollgruppe. Die Aufbaumarker PINP (p=0,004) und BAP (p≤ 0,001) zeigten bei konstanten Werten in der Kontrollgruppe einen signifikanten Anstieg nach 12 Monaten. Diese Untersuchungsergebnisse zeigen erstmalig, dass eine adjuvante polyzyklische Chemotherapie einen signifikanten Einfluss auf die Messergebnisse der Quantitativen Ultrasonometrie an der Ferse und den Phalangen bei prämenopausalen Mammakarzinompatientinnen hat. Der bereits bekannte negative Einfluss auf die DXA-Messergebnisse konnte nochmals nachvollzogen werden. Hinsichtlich der knochenspezifischen Laborparameter beobachteten wir eine deutliche Aktivierung der Osteoklasten und Osteoblasten. Eine erhöhte Aktivität der Osteoklasten vor Beginn der zytostatischen Therapie, mit signifikant erhöhten Knochenabbaumarkern in der Gruppe der Fälle, konnte in unserer Untersuchung bestätigt werden. Insgesamt scheint die adjuvante zytostatische Therapie große Auswirkungen auf den Knochenstoffwechsel, die Knochendichte und das Frakturrisiko der praemenopausalen Patientin zu haben, die im Verlauf eine sekundäre Amenorrhoe entwickelt. Bezüglich der Folgen einer Chemotherapie auf den Knochenstoffwechsel und die Knochendichte prämenopausaler Mammakarzinom- patientinnen sollte vor Beginn der Therapie eine Knochendichtemessung zur Evaluation des individuellen Status durchgeführt und in Abhängigkeit vom Ausgangsbefund eine präventive Therapie mit Ca/Vitamin D und/oder Bisphosphonaten eingeleitet werden.