Wertigkeit der geplanten Neck dissection nach primärer Radiochemotherapie oro- und hypopharyngealer Karzinome im Stadium IV

Aufgrund äquivalenter onkologischer Ergebnisse findet die primäre Radiochemothe-rapie bei der Behandlung ausgedehnter oropharyngealer und hypopharyngealer Kar-zinome eine im Vergleich zum chirurgischen Behandlungsansatz weltweit höhere Verbreitung. Trotz guter Ansprechraten im Bereich des Primärtumo...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Bremke, Martin
Beteiligte: Werner, J. A. (Prof. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2007
Hals- Nasen- und Ohrenheilkunde
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Aufgrund äquivalenter onkologischer Ergebnisse findet die primäre Radiochemothe-rapie bei der Behandlung ausgedehnter oropharyngealer und hypopharyngealer Kar-zinome eine im Vergleich zum chirurgischen Behandlungsansatz weltweit höhere Verbreitung. Trotz guter Ansprechraten im Bereich des Primärtumors besteht eine Unklarheit darüber, wie das Ansprechen primärer Lymphknotenmetastasen postthe-rapeutisch mit größter Sicherheit verifiziert werden kann und bei welchen Patienten eine Neck dissection unter der Zielsetzung eines definierten Stagings mit gleichzei-tiger kurativer Therapie vorgenommen werden muss. Vor genanntem Hintergrund wurde in der vorliegenden Dissertationsschrift ein Pati-entengut prospektiv analysiert, das innerhalb eines multizentrischen, deutschland-weiten Studienprotokolls (HART-Protokoll, Studienzentrale: Prof. Dr. V. Budach, Charité, Berlin) behandelt wird. Die prospektive Analyse der 29 in das standardisierte Studienprotokoll eingeschleus-ten Patienten mit oro- und hypopharyngealen Karzinomen im Stadium IV der Mar-burger Universitäts-Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde erfolgte unter der Zielsetzung, innerhalb eines standardisierten Auswertungsprotokolls erste Daten zu posttherapeutisch verbliebenen, vitalen Tumorzellverbänden zu erheben. Hierzu er-folgte eine intensive histopathologische Untersuchung der Neck dissection Präparate nach einer zuvor validierten Klassifikation von Barth, Marburg. Die vorgenannte Klassifikation unterscheidet erstmals fünf verschiedene Stadien von nach einer primären Radiochemotherapie erhobenen histomorphologischen Befun-den zervikaler Lymphknoten. Die Stadien II bis IV beinhalten hierbei vitale Tumor-zellen, während die Stadien 0 und I als tumorfreie Lymphknoten ohne und mit Ge-webeveränderungen gewertet werden. Bei sieben von vierzehn Patienten mit Oropharynxkarzinom fanden sich vitale Tu-morzellen im Neck-dissection-Präparat entsprechend einem Stadium II-IV nach Barth. Vitale Tumorzellen in Halslymphknoten zeigten zudem sechs der fünfzehn Patienten mit Hypopharynxkarzinom entsprechend einem Stadium II-IV nach Barth. Eine Analyse der sieben Patienten mit Oropharynxkarzinom und vitalen Tumorzel-len im Neck dissection Präparat zeigte, dass insgesamt ein Patient von sieben dieser Patienten prätherapeutisch einen N0-, fünf von sieben Patienten prätherapeutisch ei-nen N2- und ein Patient von sieben dieser Patienten einen N3-Hals aufwiesen. Post-therapeutisch zeigte ein Patient einen yN1-Hals. Bei diesem Patienten fand sich in der histologischen Begutachtung jedoch ein Stadium I nach Barth. Keiner der sieben Patienten mit histologischen Residualmetastasen wies posttherapeutisch einen yN+ –Befund auf. Die entsprechende Analyse der sechs Patienten mit Hypopharynxkarzinom und vita-len Tumorzellen im Neck dissection Präparat zeigte, dass insgesamt zwei von sechs dieser Patienten prätherapeutisch einen N1-, drei von sechs Patienten prätherapeu-tisch einen N2- und einer von sechs dieser Patienten einen N3-Hals aufwiesen. Post-therapeutisch zeigten zwei der Patienten mit Hypopharynxkarzinom einen yN1-Hals, jedoch mit einem postoperativen Stadium 0 nach Barth. Ein Patient der sechs Patien-ten mit vitalen Tumorzellen wies einen yN2a-Hals auf. Vitale Tumorzellverbände fanden sich bei fünf Patienten, bei denen posttherapeutisch ein yN0-Hals vorlag und bei lediglich bei einem Patienten mit yN+-Hals. Zusammenfassend ließen sich bei insgesamt bei 7/7 Patienten mit Karzinomen des Oropharynx mit yN0-Hals und bei 5/6 Patienten mit Karzinomen des Hypopharynx mit yN0-Hals vitale Tumorzellen nachweisen. Diese Ergebnisse unterstreichen, dass bei Patienten nach primärer Radiochemothe-rapie auch bei nicht persistierenden Raumforderungen im Sinne eines yN0-Hals eine geplante Neck dissection nach wie vor begründet ist. Grundsätzlich sind jedoch die eigene und die publizierte Datenlage noch zu viel inhomogen und vor allem hin-sichtlich des optimalen Zeitpunktes der operativen Intervention zu unklar, um all-gemeingültige Empfehlungen zum Vorgehen beim posttherapeutischen yN0-Hals zu geben. Vor dem Hintergrund der diversen und extrem komplexen Fragestellungen in Bezug auf das optimale Behandlungsregime in multimodalen Studienprotokollen behandel-ter Patienten liefert die vorliegende Dissertationsschrift eine weitere Datenbasis als Ausgangspunkt künftiger multizentrischer Studien. Festzuhalten bleibt, dass es er-heblicher interdisziplinärer Anstrengungen bedürfen wird, um den mit dieser The-matik verbundenen Fragenkatalog fundiert zu beantworten.