Vergleich zweier unterschiedlicher Erhebungsverfahren zur Bestimmung von Lebensqualität bei Brustkrebspatientinnen. Ist die Einschätzung von Lebensqualität, die im Verlauf einer Brustkrebserkrankung erhoben wird, gleichzusetzen mit derjenigen, die rückblickend erinnert wird?

Ziel dieser Arbeit war zu prüfen, ob ein Zusammenhang zwischen den im Verlauf erhobenen und rückblickend erinnerten Lebensqualitätsangaben bei Brustkrebspatientinnen besteht. Leitfrage war, ob die Erinnerung an die Lebensqualität, die während einer Brustkrebserkrankung empfunden wurde, den damalig e...

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Hammerle, Carolin
Beteiligte: Koller, Michael (Prof. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2007
Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Ziel dieser Arbeit war zu prüfen, ob ein Zusammenhang zwischen den im Verlauf erhobenen und rückblickend erinnerten Lebensqualitätsangaben bei Brustkrebspatientinnen besteht. Leitfrage war, ob die Erinnerung an die Lebensqualität, die während einer Brustkrebserkrankung empfunden wurde, den damalig erhobenen Lebensqualitätsdaten entspricht? Insgesamt wurden aus der „Feldstudie zur regionalen Versorgung von Tumorpatienten mit Mamma- und Rektumkarzinom unter besonderer Berücksichtigung der Lebensqualität“ an der n=389 Brustkrebspatientinnen in einem Zeitraum von 5 Jahren teilnahmen, eine Untergruppe von 30 Brustkrebspatientinnen interviewt. Sie wurden gebeten, anhand der Cantril-Leiter ihre Lebensqualität „zum heutigen Zeitpunkt“ anzugeben und von dieser Angabe rückblickend die Lebensqualität zum Zeitpunkt „vor der Diagnose“, „Diagnosestellung“, „Operation“, „Entlassung“, „1. Nachsorgetermin“, „2. Nachsorgetermin“ und „4. Nachsorgetermin“ einzuschätzen. Beim EORTC-Fragebogen, der jeweils im Rahmen des Nachsorgeprogramms ausgefüllt wurde, dient die Frage 29 und 30 der globalen Lebensqualitätsbestimmung. Durch lineare Transformation sind die Angaben auf der Cantril-Leiter vergleichbar mit den prospektiven EORTC-Angaben. Die gebildeten Mittelwerte der EORTC- und Cantril-Befragungen zeigen, dass prospektiv (=EORTC) eine relativ konstante Lebensqualität über den gesamten Zeitraum angegeben wird (Entlassung = 5,9; 1. Nachsorge = 5,9; 2. Nachsorge = 6,4; 4. Nachsorge = 6,1; Befragung = 6,0). Dazu liegen diese Werte immer oberhalb des Durchschnitts „5“ bei verwendeter 10er Skala. Die Cantril-Mittelwerte, die der erinnerten Lebensqualität entsprechen, liegen bis auf den Zeitpunkt der Befragung immer unterhalb der EORTC-Werte, denen sie sich im Zeitachsenverlauf linear annähern (Entlassung = 3,2; 1.Nachsorge = 4,1; 2.Nachsorge = 5,2; 4.Nachsorge = 5,8; Befragung = 6,1). Basierend auf der Vermutung, dass Menschen sich im Grunde mit sich selbst so glücklich fühlen wollen wie möglich, sind Personen dazu geneigt, entsprechend des psychologischen Prozesses der Anspruchsniveauadjustierung ihre globale Lebensqualität stets etwas besser als der Durchschnitt einzuschätzen. So erklären sich die konstanten Werte über dem Skalendurchschnitt „5“ bei der prospektiven Erhebung (EORTC) als auch bei der Cantril-Messung zum Zeitpunkt der Befragung. Bei der erinnerten Lebensqualität kommen so genannte Ankereffekte zum Tragen: „Wenn es mir heute „gut“ (6.1) geht, muss es mir aus heutiger Sicht, bei Entlassung aus dem Krankenhaus schlechter gegangen sein (3.2)“. Hinzukommend, verwischen Erinnerungen an nicht emotionsintensive Serienereignisse (= Nachsorgetermine). So sind deren Angaben, beispielsweise durch die Interviewsituation, leichter beeinflussbar. Als klinische Konsequenz bleibt die Feststellung, dass bei der Beurteilung von Lebensqualitätsangaben das Erhebungsverfahren (retrospektiv oder prospektiv) ganz wesentlich berücksichtigt werden muss.