Verlaufsbeobachtung von Schlaganfallpatienten - Prospektive Studie zur Erfassung der Lebensqualität in Abhängigkeit vom Neurologischen Defizit über einen sechsmonatigen Beobachtungszeitraum

Die vorliegende Arbeit liefert eine prospektive sechsmonatige Verlaufsbeobachtung von 183 Schlaganfallpatienten in der Akutphase im Krankenhaus, sowie drei und sechs Monate nach aufgetretenem Ereignis. Die gemessenen Parameter umfassten außer der funktionellen Beeinträchtigung und des neurologischen...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Capito, Margarete Johanna
Beteiligte: Prof. Dr. med Tobias Back (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2004
Nervenheilkunde
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Die vorliegende Arbeit liefert eine prospektive sechsmonatige Verlaufsbeobachtung von 183 Schlaganfallpatienten in der Akutphase im Krankenhaus, sowie drei und sechs Monate nach aufgetretenem Ereignis. Die gemessenen Parameter umfassten außer der funktionellen Beeinträchtigung und des neurologischen Defizits auch die Beurteilung der Lebensqualität und der psychischen Situation mittels verschiedener standardisierter Skalen sowie den Einfluss von verschiedenen Prädiktoren. 1. Der größte Anteil der in diese Untersuchung aufgenommenen Patienten war bezüglich ihrer funktionellen Beeinträchtigung und dem neurologischen Defizit bei Aufnahme ins Krankenhaus nur leicht oder mäßig beeinträchtigt. Während des stationären Aufenthaltes verringerten sich diese Einbußen bis zur Entlassung weiterhin. Nach drei und sechs Monaten waren über 90 % der untersuchten Patienten ohne oder mit nur mäßigem neurologischen Defizit behaftet. Drei Viertel der Gesamtpopulation waren in den gemessenen Parametern nicht hilfsbedürftig. 2. Mittels der vielfältig erfassten Daten konnte eine Korrelation zwischen dem Outcome der Patienten, d.h. ihrem im Verlauf gemessenen neurologischen und funktionellen Defizit, sowie verschiedenen Einflussfaktoren, den Prädiktoren, hergestellt werden. Demnach erwies sich ein zunehmendes Alter und das weibliche Geschlecht als signifikant negativer Prädiktor für den weiteren Gesundheitsverlauf. Ebenso verschlechterte das Vorhandensein einer Bewusstseinsstörung bei Aufnahme ins Krankenhaus und eine intrazerebrale Blutung das gemessene Outcome. Signifikant negativ beeinflusst wurde der weitere Verlauf auch durch eine vorliegende Hemiparese, eine Sprach-, Sprech- und/oder Schluckstörung und die Kombination beider Faktoren bei Aufnahme. Patienten mit einem Diabetes mellitus bzw. mehreren kardiovaskulären Risikofaktoren wiesen ein signifikant schwereres Defizit als Personen ohne diese Erkrankung auf. Einen wesentlichen Einfluss auf das spätere Outcome hatte die initiale Schwere des funktionellen und neurologischen Defizits bei Aufnahme ins Krankenhaus, d.h. die Schwere des Schlaganfalls. Je niedriger die gemessenen Skalenwerte waren, desto signifikant höher zeigte sich die Hilfsbedürftigkeit und das neurologische Defizit nach drei und sechs Monaten. Keinen signifikanten Einfluss wies ein Rezidivinfarkt und die Länge des Intervalls zwischen der aufgetretenen Erstsymptomatik und dem Aufnahmezeitpunkt auf. 3. In der hier vorliegenden Arbeit wurde versucht die Lebensqualität und die psychische Situation nach Erleiden eines Schlaganfalles zu beurteilen. Mittels standardisierter Skalen konnte ein deutlicher Einfluss der neuen Lebenssituation auf die eingeschätzte Lebensqualität gemessen werden. Zwei Drittel der Untersuchten erreichten nicht den vor ihrer Erkrankung innegehabten Stand von Lebensqualität. Vor allem die Einschätzung der Körperlichen Rollenfunktion und Funktionsfähigkeit sowie der Vitalität ergab große Unterschiede zu gesunden Normpopulationen. Insgesamt zeigte sich auch ein deutlicher Unterschied zwischen der Einschätzung der Schlaganfallerkrankten und Personen mit chronischen und Krebserkrankungen. Die Erhebung der psychischen Faktoren konnte keine deutlichen Beziehungen eruieren. Diese Konstellation könnte aber ebenso an einer fehlenden Validität des Erhebungsinstrumentes liegen. Auch hier fanden sich gewisse Einflussfaktoren auf den Ausfall der Lebensqualitätseinschätzung. Das weibliche Geschlecht, höheres Alter, eine Bewusstseinsstörung bei Aufnahme, ein früherer Hirninfarkt, das Vorhandensein von Paresen, SSS-Störungen und mehr als drei kardiovaskulären Risikofaktoren erwiesen sich als signifikante negative Faktoren auf das spätere Ergebnis der Lebensqualität. Funktioneller und neurologischer Status bei Aufnahme, d.h. die Schwere des Schlaganfalls hatten ebenso einen signifikanten Einfluss auf die Einschätzung der körperlichen Lebensqualität. Die Prozentrate der depressiven Erkrankungen nach einem erlittenen Schlaganfall lag in dieser Arbeit durchschnittlich unter der in der vergleichenden Literatur gefundenen. Die Schwere korrelierte jedoch signifikant mit der Abnahme der gemessenen Lebensqualität und dem Grad der funktionellen Behinderung und des neurologischen Defizits bei Aufnahme ins Krankenhaus. Erneut erbrachte höheres Alter, weibliches Geschlecht eine Parese, Bewusstseinsstörung oder SSS-Störung signifikante Ergebnisse bezüglich der Entwicklung einer Depression. Diabetes mellitus, andere kardiovaskuläre Risikofaktoren oder ein früherer Hirninfarkt ergaben keinen signifikanten Einfluss auf die gemessenen Werte.