Auswirkung fallbasierter Simulationstrainings auf das Atemwegsmanagement bei simulierten pädiatrischen Reanimationen an hessischen Kinderkliniken

In der vorliegenden Studie wird die Auswirkung fallbasierter Simulationstrainings auf das Atemwegsmanagement bei simulierten Kinderreanimationen untersucht. Es handelt sich um eine verblindete, retrospektive Datenanalyse, bei der 113 Videoaufzeichnungen simulierter pädiatrischer Reanimationen von 12...

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Main Author: Donath, Carolin Deirdre
Contributors: Leonhardt, Andreas (PD Dr.) (Thesis advisor)
Format: Doctoral Thesis
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2023
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:In der vorliegenden Studie wird die Auswirkung fallbasierter Simulationstrainings auf das Atemwegsmanagement bei simulierten Kinderreanimationen untersucht. Es handelt sich um eine verblindete, retrospektive Datenanalyse, bei der 113 Videoaufzeichnungen simulierter pädiatrischer Reanimationen von 12 Kinderkliniken in Hessen ausgewertet wurden. Diese wurden vor bzw. nach einem strukturierten pädiatrischen Simulationstraining an den entsprechenden Kinderkliniken erhoben (sog. Prä- und Posttest). Alle geschulten Teams durchliefen dieselben beiden standardisierten Testszenarien, wobei sich das Prä- und das Posttestszenario lediglich in der Patientenanamnese unterschieden, der simulierte Patient präsentierte stets identische Vitalparameter und das Szenario folgte dem gleichen klinischen Verlauf, der immer in einen Herz-Kreislauf-Stillstand mündete. Das Atemwegsmanagement wurde mithilfe einer Performance Evaluationscheckliste (PEC) ausgewertet und hinsichtlich der Einhaltung der Leitlinienempfehlungen geprüft. Zusätzlich wurde untersucht, ob das Vorhandensein einer pädiatrischen Intensivstation (PICU) in der Klinik eine Auswirkung auf das Atemwegsmanagement der Teams hat. Wir analysierten die Daten hinsichtlich einer Veränderung bei der Evaluation des Atemweges des kritisch kranken Patienten, der Zeit bis die Apnoe erkannt und behandelt wurde, dem Atemwegsmanagement unter Reanimation und der Durchführung weiter PALS-Maßnahmen und prüften, ob in diesen Bereichen Veränderungen durch das Training festzustellen waren. Darüber hinaus wurde ausgewertet, ob das Vorhandensein einer PICU in der Klinik das Atemwegsmanagement beeinflusst. Die Analyse der erhobenen Daten zeigte, dass die Beatmung sowohl vor als auch nach dem Training in aller Regel zunächst mit Maske und Beatmungsbeutel begonnen wurde. Hierbei zeigte sich durch das Simulationstraining ein positiver Effekt auf die Equipmentauswahl. Im Posttest wurde signifikant häufiger die passende Größe von Beatmungsbeutel und Maske gewählt. Die Intubationsrate war von 55% auf 40% rückläufig, dies war jedoch nicht signifikant. Die Anzahl der Teams, die mehr als einen Intubationsversuch benötigten, ging von 14 auf 7 zurück, dies war statistisch ebenfalls nicht signifikant. Eine signifikante Verbesserung konnte bei der Zeit, die für die einzelnen Intubationsversuche und den gesamten Intubationsvorgang benötigt wurde, beobachtet werden. Eine signifikante Verbesserung zeigte sich im Posttest auch hinsichtlich der Durchführung anderer lebenserhaltener Maßnahmen, nämlich bei der Weiterführung der Herzdruckmassage während der Intubation und bei der Wiederaufnahme der Herzdruckmassage nach der Intubation. Auch die Anzahl der Teams, die bis zum ersten Intubationsversuch noch keine Herzdruckmassage durchgeführt hatten, sank im Posttest signifikant. Es konnte keine Auswirkung des durchgeführten Trainings auf die Evaluation des kritisch kranken Kindes festgestellt werden. Im Vergleich der Teams aus Kliniken mit und ohne PICU zeigte sich, dass die Apnoe von Teams aus Kliniken mit PICU signifikant schneller erkannt und Beatmung durchschnittlich 10 Sekunden früher begonnen wurde (p=0,066). Die Herzdruckmassage wurde von den Teams aus Kliniken mit PICU signifikant seltener für die Intubation unterbrochen und es war signifikant seltener zum Zeitpunkt des ersten Intubationsversuchs noch nicht mit der Herzdruckmassage begonnen worden. Man kann bei den Teams aus Kliniken mit PICU eine im Vergleich etwas höhere Intubationsrate erkennen. Diese sank im Posttest, wie auch an den Kliniken ohne PICU. Dies war jedoch statistisch nicht signifikant. Allerdings scheint der Einfluss des Simulationstrainings auf die Auswahl des Beatmungsequipments bei den Kliniken ohne PICU ausgeprägter zu sein als bei den Kliniken mit PICU. Bereits vor dem Training wurde hier signifikant häufiger passendes Beatmungsequipment gewählt, die Differenz wurde nach dem Training noch größer. Die gewonnenen Daten zeigen Hinweise darauf, dass Aspekte des Atemwegsmanagement durch das Simulationstraining positiv beeinflusst werden konnten. Die Masken-Beutel-Beatmung wird zwar nicht signifikant häufiger während der gesamten Reanimation beibehalten, aber die Teams wählten öfter passendes Equipment aus, was sich positiv auf die Qualität der durchgeführten Beatmung auswirkt. Die Senkung der Intubationsrate war zwar ebenfalls nicht signifikant, es konnte aber gezeigt werden, dass, wenn die Intubation erfolgte, diese schneller durchgeführt wurde und besser vorbereitet war. Die durchschnittlich pro Intubationsversuch benötigte Zeit sank nach dem Simulationstraining unter die in der Leitlinie empfohlene Maximaldauer von 30 Sekunden pro Versuch. Die Unterbrechungen der Herzdruckmassage zugunsten der Intubation gingen nach dem Simulationstraining signifikant zurück, es bestand also weniger „No-Flow“-Zeit, was die Überlebenswahrscheinlichkeit und das neurologische Outcome beim realen Patienten verbessern würde. Die vorliegende Studie ist ein hypothesengenerierendes Pilotprojekt. Die durchgeführten Trainings waren nicht explizit auf eine Änderung des Atemwegsmanagement ausgelegt, was bedingen könnte, dass sich viele der ausgewerteten Items nicht signifikant veränderten. Da sich aber in der Studie Hinweise auf eine Veränderung finden, kann nun in weiteren, hypothesenprüfenden Studien der tatsächliche Effekt geprüft werden. Zukünftige Simulationstrainings können auf die Zielparameter ausgerichtet werden, die in der vorliegenden Studie durch das Training nicht beeinflusst wurden.
DOI:10.17192/z2023.0456