Multifaceted effects of public regional policy measures on regional living conditions. Evidence from German redistribution policies and European Cohesion Policy.

The place a person lives in significantly affects the living standards and life chances of this person. Peripheral and economically weak regions within highly developed countries appear to offer their residents fewer opportunities, due to economic constraints, such as unemployment and lower wages, w...

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Main Author: Wardenburg, Sven
Contributors: Brenner, Thomas (Prof. Dr. Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:English
Published: Philipps-Universität Marburg 2021
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Table of Contents: Der Ort, an dem eine Person lebt, beeinflusst maßgeblich den Lebensstandard und die Lebenschancen dieser Person. Periphere und wirtschaftlich schwache Regionen innerhalb hochentwickelter Länder bieten geringere Möglichkeiten, denn wirtschaftliche Voraussetzungen wie Arbeitslosigkeit und ein geringeres Lohnniveau, sozioökonomische Bedingungen und schwächere sozioökonomische Infrastrukturen beeinflussen die Lebensqualität in diesen Regionen negativ und wirken sich auf das tägliche Leben und die Perspektiven der in diesen Regionen lebenden Menschen aus. Dies betrifft beispielsweise Bildungsmöglichkeiten, Infrastrukturen der Daseinsvorsorge oder soziale Herausforderungen wie erhöhte Risiken für soziale Marginalisierung, Armut und vorzeitige Sterblichkeit in diesen Regionen. So erscheinen periphere und strukturschwache Regionen tendenziell weniger attraktiv und die wirtschaftlichen und sozialen Gegensätze zu sich dynamisch entwickelnden Metropolregionen fördern die ökonomische und soziale Polarisierung. Die theoretischen Überlegungen in dieser Arbeit verdeutlichen, dass der Abbau regionaler Disparitäten und die Förderung räumlich gleichwertiger Lebensverhältnisse aufgrund ihrer vielfältigen Implikationen ein wichtiges Thema innerhalb der Wirtschaftsgeographie ist. Regionale Umverteilungspolitiken wie Strukturfonds und regionale Finanzausgleichssysteme zielen darauf ab, weniger entwickelte Regionen attraktiver zu machen und die wirtschaftlichen und sozialen Lebensbedingungen zu verbessern. Die Grundlage dafür ist das Streben nach gleichwertigen Lebensverhältnissen, die in Deutschland im Grundgesetz und in der Raumordnung verankert sind. Aber wie effektiv sind diese Politiken? Während es eine lange Tradition gibt, die Auswirkungen dieser Politikmaßnahmen auf das Wirtschaftswachstum zu untersuchen, fehlt es an wissenschaftlicher Forschung über Effekte, die nicht unmittelbar mit der regionalen Wirtschaftsleistung zusammenhängen, so wie die empfundene Lebensqualität in der Region. Diese Arbeit zielt darauf ab, einen empirischen Beitrag zur Literatur zu leisten, die sich mit der Wirksamkeit regionalpolitischer Maßnahmen beschäftigt. Es sollen neue empirische Erkenntnisse präsentiert werden, die sich auf Effekte jenseits regionalen Wirtschaftswachstums konzentrieren. Diese kumulative Dissertation enthält neben einer übergreifenden Einleitung und einem abschließenden Kapitel vier eigenständige Forschungspapiere. Der erste Artikel analysiert die Auswirkungen des kommunalen Finanzausgleichs und des Strukturfonds GRW auf der Ebene der deutschen Arbeitsmarktregionen. Das Papier zeigt, dass die Zuwendungen aus dem Finanzausgleich einen signifikant positiven Effekt auf die regionalen Nettowanderungsraten von Personen unter 50 Jahren haben. Dies gilt insbesondere für Regionen mit geringen regionalen Steuereinnahmen, die auf Strukturschwäche und einen begrenzten regionalen Handlungsspielraum hindeuten. Zudem wird herausgearbeitet, dass die dynamische Entwicklung der Nettowanderungsraten als geeigneter Indikator für die Entwicklung der individuell wahrgenommenen Lebensqualität in den Regionen herangezogen werden kann. Daraus kann geschlossen werden, dass der kommunale Finanzausgleich durch die Verhinderung von Abwanderungen aus strukturschwachen Regionen zum Ziel der räumlichen Gerechtigkeit beitragen kann, obwohl keine Anzeichen für eine Förderung des regionalen Wirtschaftswachstums durch den Finanzausgleich gefunden werden können. Für die GRW können keine Effekte auf regionale Wanderungsraten gefunden werden. Der zweite Artikel analysiert die Auswirkungen der Europäischen Struktur- und Investitionsfonds (ESIFs) auf der Ebene der NUTS-2 Regionen. Der Artikel kommt zu dem Ergebnis, dass der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) das regionale Produktivitäts- und Beschäftigungswachstum sowie das Wachstum des verfügbaren Haushaltseinkommens privater Haushalte unterstützen kann, was sich positiv auf den materiellen Lebensstandard der Menschen auswirken sollte. Die Effekte von EFRE-Subventionen sind besonders in weniger entwickelten Regionen sichtbar, während für den Europäischen Sozialfonds (ESF) und den Kohäsionsfonds keine robusten regionalen Reaktionen auf Subventionen gefunden werden. Im Gegensatz zum ersten Artikel werden keine Auswirkungen auf regionale Wanderungsraten gefunden. Der dritte Artikel konzentriert sich auf Effekte der GRW Förderung in deutschen Kreisen und kreisfreien Städten. Es werden dabei die Effekte auf die Lohnentwicklung auf verschiedenen Stufen innerhalb der regionalen Lohnverteilung untersucht, um herauszufinden, inwieweit Beschäftigte von möglichen Produktivitäts- und Einkommenseffekten durch GRW-Subventionen profitieren können. Es zeigt sich, dass Industriesubventionen in Ostdeutschland teilweise positive Effekte auf verschiedenen Ebenen der Lohnverteilung haben, während die Effekte im Westen auf das obere Ende der Lohnverteilung beschränkt sind. Infrastruktursubventionen scheinen eine höhere Wirkung auf Löhne zu haben als Unternehmenssubventionen, sind aber ebenfalls auf Ostdeutschland und dazu vor allem auf den Dienstleistungssektor beschränkt. Die empirischen Ergebnisse legen nahe, dass die in dieser Arbeit untersuchten Politikmaßnahmen unterschiedliche Übertragungswege besitzen. Ob Effekte auftreten und wie stark diese sind, unterscheidet sich zwischen den Politikmaßnahmen. Alle drei empirischen Befunde legen nahe, dass die Effekte in strukturschwachen Regionen höher sind. Regional messbare Effekte scheinen also sowohl von regionalen Voraussetzungen als auch von den politischen Rahmenbedingungen abzuhängen. Im letzten Forschungsartikel wird eine Erweiterung des in dieser Arbeit SpVAR eingesetzten Ansatzes präsentiert, der die Möglichkeit bietet, räumliche Spillover-Effekte korrekt zu analysieren. Der Artikel zielt nicht primär darauf ab, neue empirische Erkenntnisse zu liefern, sondern die räumliche Dimension von SpVAR-Modellen zu erweitern, in dem die vollständigen räumlichen Spillover im Zeitverlauf der geschätzten Impuls-Antwort-Funktionen erfasst werden. Dies ermöglicht die Schätzung von Effekten, die lokale Politikmaßnahmen in benachbarten oder ökonomisch stark verbundenen Regionen auslösen. Die Analysen zeigen, dass ökonomische Schocks positive Reaktionen in der Ursprungsregion und gleichzeitig negative Substitutionseffekte in benachbarten Regionen auslösen können. Die vorgestellten Ergebnisse können insbesondere für politische Entscheidungsträger von Interesse sein, da relevante politische Implikationen abgeleitet werden können. Basierend auf den empirischen Erkenntnissen können räumliche Umverteilungspolitiken die regionale Entwicklung strukturschwacher Regionen, insbesondere die Lebensqualität und den materiellen Lebensstandard in diesen Regionen unter bestimmten Voraussetzungen unterstützen. Erstens scheinen die nicht zweckgebundenen Mittel aus dem Finanzausgleich eine effektivere Maßnahme als strukturelle Investitionsfonds zu sein, um die regionalen Wanderungsraten zu verbessern und damit einhergehend scheinbar die nicht-materiellen Lebensbedingungen zu fördern. Zweitens deutet die hohe Abhängigkeit der Effekte von der geringeren Wirtschaftskraft der Regionen darauf hin, dass die politischen Maßnahmen noch stärker auf eben diese Regionen zugeschnitten sein sollten, damit eine möglichst hohe Effektivität erreicht wird. Schließlich müssen politische Entscheidungsträger und Forscher auch mögliche räumlich indirekte Effekte berücksichtigen, da positive Effekte in geförderten Regionen negative Effekte in benachbarten Regionen nach sich ziehen können.