Assoziationen zwischen inflammatorischen Parametern und morphologischen Charakteristika des ZNS bei affektiv erkrankten Patienten – Eine experimentelle Studie im Rahmen der MACS-Kohorte –

Psychiatrische Erkrankungen aus dem affektiven Formenkreis verursachen neben erheblichem individuellem Leid ebenso immense gesamtgesellschaftliche Schäden. Zur weiteren Erforschung dieser multifaktoriell verursachten Störungen werden im Rahmen der DFG geförderten Marburg-Münster Affective Disorder C...

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Main Author: Glandorf, Julian
Contributors: Pfefferle, Petra Ina (Prof. Dr. Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2018
Medizin
Subjects:
MRT
ZNS
IL6
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:Psychiatrische Erkrankungen aus dem affektiven Formenkreis verursachen neben erheblichem individuellem Leid ebenso immense gesamtgesellschaftliche Schäden. Zur weiteren Erforschung dieser multifaktoriell verursachten Störungen werden im Rahmen der DFG geförderten Marburg-Münster Affective Disorder Cohort Studie (MACS) diverse genetische und molekulare Entstehungs- und Aufrechterhaltungsmechanismen untersucht. Zusätzlich zu neuen Behandlungsansätzen verfolgt die Forschungsgemeinschaft die Ziele, messbare Bioparameter als Ansatz für diagnostische Klassifizierungen sowie zur Therapiekontrolle zu entwickeln. Diese Dissertation verfolgt die Ziele, veränderte immunologische Parameter und hirnmorphologische Unterschiede zwischen gesunden und erkrankten Teilnehmern nachzuweisen und diese in einen statistischen Zusammenhang zu bringen. Hierzu wurden bei 609 Teilnehmern der MACS periphervenöse Blutproben mit Lipopolysaccharid (LPS) und anti-CD3/CD28-Antikörpern inkubiert. LPS induziert eine allgemeine proinflammatorische Immunantwort, wohingegen antiCD3/CD28-Antikörper eine T-Zell-spezifische Reaktion hervorrufen. Die ausgeschütteten Zytokine konnten via Durchflusszytometrie (Cytometric Bead Array, CBA) quantifiziert werden und spiegeln die allgemeine Kapazität und Reagibilität des Immunsystems wieder. Zusätzlich wurden Volumendaten diverser Zielstrukturen des zentralen Nervensystems, die mithilfe eines 3-Tesla-Magnetresonanztomographen bestimmt wurden, für diese Dissertation zur Verfügung gestellt. Während gesunde und erkrankte Männer nahezu identische Immunantworten zeigen, exprimieren gesunde Frauen signifikant höhere Konzentrationen der proinflammatorischen Zytokine (IL1-β, TNF-α, IFN-γ, IL17-α und IL12p70) als affektiv erkrankte Frauen. Hirnmorphologische Unterschiede lassen sich in bei den Seitenventrikeln, dem Thalamus und der Amygdala beidseits, dem linken Nucleus caudatus, dem rechten Nucleus accumbens und dem linken Hippocampus berechnen. Bei diesen Regionen stellen sich die Interaktionsfaktoren, die sich aus der Diagnose, dem Alter und/oder dem Geschlecht zusammensetzen, als signifikant dar. Ferner erweisen sich die Zytokine IL10 und TNF-α in der logistischen Regressionsanalyse als signifikante Einflussvariablen im Bezug auf die Zielvolumina: das Putamen beidseits, der linke Nucleus accumbens und der rechte Globus pallidus. Diese Ergebnisse unterstützen die Vermutung einer Schlüsselrolle des Immunsystems in der Ätiopathogenese affektiver Erkrankungen, die von vielen Forschergruppen bereits formuliert wurde. So konnten bereits Ursachen erhöhter Immunparameter, diverse Mechanismen der Interaktion mit dem ZNS und vielseitige Effekte der Zytokine auf die Hirnfunktion und die Hirnstruktur nachgewiesen werden. Diese Arbeit kann bedingt durch ihr Querschnittsdesign zwar keine Kausalbeziehung zwischen Zytokinen und Hirnvolumen nachweisen, liefert durch die signifikanten Assoziationen jedoch deutliche Anhaltspunkte für volumenreduzierende Effekte der Zytokine. Follow-Up-Untersuchungen oder andere longitudinale Studien sollten die immunmodulierenden Effekte der antidepressiven Medikation sowie des Rauchens mitberücksichtigen. Möglicherweise finden die in dieser Arbeit gemessenen Bioparameter zukünftig in Diagnostik und Therapie affektiver Erkrankungen Verwendung. Die heutzutage noch aufwendig zu therapierenden Leiden könnten dadurch effektiver geheilt und somit großer Schaden abgewendet werden.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2019.0157