Der Einfluss von Schüler- und Lehrergeschlecht auf die Benotung in der Sekundarstufe II Marburger Medizinstudenten in den Jahren 2007–2013

Jungen gehen heute als Verlierer aus dem Bildungssystem hervor. Das weib-liche Geschlecht ist ein zunehmender Prognosefaktor für eine positive Schul-laufbahn. Die Genderforschung steht vor der Herausforderung, Gründe für die ungleichen Bildungschancen von Jungen und Mädchen zu finden. Hierbei liegen...

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Main Author: Sontowski, Anna Mary-Jane
Contributors: Mueller, Ulrich (Prof. Dr. Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2017
Medizinische Soziologie und Sozialmedizin
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:Jungen gehen heute als Verlierer aus dem Bildungssystem hervor. Das weib-liche Geschlecht ist ein zunehmender Prognosefaktor für eine positive Schul-laufbahn. Die Genderforschung steht vor der Herausforderung, Gründe für die ungleichen Bildungschancen von Jungen und Mädchen zu finden. Hierbei liegen Stärken und Schwächen in unterschiedlichen Bereichen: Jungen ha-ben die größten Defizite im Lesen, Mädchen in motivationalen Aspekten bzgl. Mathematik und Naturwissenschaften. Der Jungendiskurs legt unabhängig von der Leistungsfähigkeit eine Benachteiligung der Jungen nahe. Weibliche Lehrkräfte gerieten in den Fokus der Ursachensuche für die vergleichsweise schlechteren Schulleistungen von Jungen. Die vorliegende Arbeit untersuch-te, wie sich das Schüler- und Lehrergeschlecht wechselseitig auf Schulnoten auswirken und ob Benotungsungerechtigkeiten seitens männlicher oder weib-licher Lehrer gegenüber männlichen oder weiblichen Schülern bestehen. Im Gegensatz zu vorhergehenden Untersuchungen wurden die Daten am Ende der Sekundarstufe II erhoben. Im Rahmen einer retrospektiven Studie wurden 2614 Medizinstudenten der Universität Marburg im ersten vorklinischen Jahr zwischen 2007 und 2013 mit einem anonymen Fragebogen zu ihren Noten im letzten Jahreszeugnis und dem Geschlecht der jeweils unterrichtenden Lehr-kraft sowie zu demographischen und sozialen Hintergründen und Einstellun-gen befragt. Aufgrund der Zulassungsbeschränkung zum Fach Medizin han-delte es sich überwiegend um überdurchschnittlich gute Abiturienten. Den-noch zeigten sich deutliche geschlechtsspezifische Notenunterschiede in fast allen untersuchten Fächern, zumeist zugunsten der Mädchen. Das Ge-schlecht des Lehrers wies nur vereinzelt einen Zusammenhang mit der Note auf. In all diesen Einzelfächern profitierten Schüler von Lehrerinnen. Diese bewerteten sowohl männliche als auch weibliche Schüler häufig tendenziell, selten signifikant besser als männliche Lehrer. Eine Benachteiligung von Jungen durch Lehrerinnen ließ sich anhand der vorliegenden Daten ebenso wenig belegen wie eine überproportionale Bevorzugung von Mädchen. Das Schülergeschlecht sowie die Belegung als Schwerpunktfach als Hinweis auf Talente des Individuums erwiesen sich als relevanter. Insgesamt ist die Ent-stehung von Schulnoten zu komplex, als dass sie mit wenigen objektivierba-ren Variablen prognostizierbar wäre. Die vorliegende Arbeit dient eher als Grundlage für weitere Untersuchungen, um bedeutende von unbedeutenden Einflussfaktoren zu unterscheiden.
Physical Description:161 Pages
DOI:https://doi.org/10.17192/z2018.0018