Einfluss des Vor-Erwärmens auf die Materialeigenschaften dentaler Komposite

Komposite sind heute ein grundlegender Bestandteil der Zahnmedizin und aus dem Praxisalltag nicht mehr wegzudenken. Der häufige Wunsch der Patienten nach einem hochwertigen, ästhetisch und gesundheitlich einwandfreien Füllungs-material und das ständige Streben der Entwickler danach haben u. a. dazu...

Ausführliche Beschreibung

Gespeichert in:
1. Verfasser: Gerlach, Elisabeth
Beteiligte: Frankenberger, Roland (Prof. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2013
Zahn-, Mund- u. Kieferheilkunde
Ausgabe:http://dx.doi.org/10.17192/z2013.0304
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Zusammenfassung:Komposite sind heute ein grundlegender Bestandteil der Zahnmedizin und aus dem Praxisalltag nicht mehr wegzudenken. Der häufige Wunsch der Patienten nach einem hochwertigen, ästhetisch und gesundheitlich einwandfreien Füllungs-material und das ständige Streben der Entwickler danach haben u. a. dazu geführt, dass Komposite heutzutage auch im kaulasttragenden Seitenzahngebiet angewendet werden können. Weitere Verbesserungsmöglichkeiten der Kompositeigenschaften und Handhabung dieser Materialien werden fortlaufend angestrebt, wobei ein potentieller Ansatz in der Erwärmung der Komposite vor der Verarbeitung liegt. Ziel dieser Studie war es, die Wirkung der Erwärmung mittels der Vorerwär-mungsgeräte Calset (AdDent Inc.) und Ease-It (Rønvig Dental Mfg. A/S) auf die Materialeigenschaften von Kompositen verschiedener chemischer Zusammensetzung zu untersuchen. Als Testmaterial dienten die Komposite Charisma® und Venus Diamond® (Heraeus Kulzer GmbH), Kalore® (GC Corporation) und Tetric EvoCeram® (Ivoclar Vivadent GmbH). Die zu untersuchenden Vorerwärmungstemperaturen wurden, neben der Raumtemperatur als Referenzwert, bei den Prüfungen der Materialeigenschaften auf 40 °C, 50 °C und 68 °C festgelegt. Zunächst wurden die Temperaturverläufe innerhalb des jeweiligen Heizgerätes und der Kompositkarpulen von Charisma, Venus Diamond und Tetric Evoceram überprüft, sowie die Temperveränderung innerhalb der Pulpa anhand eines extrahierten und präparierten Zahnes gemessen. Daraufhin wurden die Materialeigenschaften Auspresskraft aus der Karpule, Konsistenz, Initialklebrigkeit, Biegefestigkeit und E-Modul, Schrumpf, Schrumpfspannung, Polymerisationstiefe und Umsatz der Doppelbindungen untersucht. Das Komposit wurde vor der Prüfung jeweils 10 Minuten in dem entsprechenden Vorerwärmungsgerät auf Temperatur gebracht. Insgesamt gab es für jedes der vier Materialien pro zu untersuchender Eigenschaft vier Gruppen, entsprechend den Temperaturen ca. 21 °C, 40 °C, 50 °C und 68 °C. Die Probenanzahl innerhalb einer Gruppe variierte bei den jeweiligen Versuchen. So war die Probenanzahl n = 10 bei Messung der Auspresskraft mit Hilfe der Universalprüfmaschine Z010 (Fa. Zwick). Die Prüfgeschwindigkeit betrug 50 mm/min, die Vorkraft 5 N und der Prüfweg 7 mm bzw. bei Prüfung der Materialien bei 68 °C betrug die Vorkraft 0,5 N und der Prüfweg 6 mm. Die Konsistenz und Initialklebrigkeit (n = 6) wurde mit dem Texture analyser TA.XT.plus (Fa. Winopal) gemessen. Für die Messung der Biegefestigkeit und des E-Moduls (n = 10) nach der DIN EN ISO 4049:2009 wurden die Probekörper auf die Vorrichtung der Universalprüfmaschine Z010 (Fa. Zwick) gebracht und die Werte mit einer Vorlast von 0,4 N und einer Prüfgeschwindigkeit von 0,75 mm/min ermittelt. Der Schrumpf (n = 10) wurde innerhalb des AccuPyc 1340 Helium Pyknometers (Micromeritics GmbH) durch Änderung des Heliumdrucks bestimmt. Für die Prüfung der Schrumpfspannung (n = 3) wurde sich der photoelastischen Methode bedient. Die Probekörper zur Bestimmung der Polymerisationstiefe (n = 3) nach der DIN EN ISO 4049:2009 wurden in einer zylindrischen Form hergestellt und die Schichtdicke dieser Körper gemessen. Zur Bestimmung des Umsatzes der Doppelbindungen (n = 2) wurde die Fourier-Transform-IR-Spektroskopie eingesetzt. Die Pulpensimulation zeigte, dass ein Temperaturanstieg bis zu 12,5 °C zu ver-zeichnen ist. Bei geringerer Präparationstiefe und niedrigeren Vorerwärmungs-temperaturen lag der Temperaturanstieg innerhalb der Pulpa bei bis zu 4,5 °C. Signifikant geringere Auspresskräfte aller getesteten Komposite konnten durch die Vorerwärmung erreicht werden. Bei der Temperatur 50 °C wurden die Kräfte, verglichen mit Raumtemperatur, über 50 % verringert. Auch die Festigkeit konnte mit steigender Vorerwärmungstemperatur reduziert werden, die Prüfung der Initialklebrigkeit wies hingegen keine temperaturabhängige Veränderung auf. Ebenso wurden bei Schrumpf, Polymerisationstiefe, Biegefestigkeit und E-Modul keine Temperaturabhängigkeit festgestellt. Die Anforderungen nach EN ISO 4049 wurden bei den drei letztgenannten Materialeigenschaften erfüllt. Die Schrumpfspannung hingegen zeigte eine leichte Temperaturabhängigkeit. Es konnte festgestellt werden, dass der Umsatz der Doppelbindungen materialspezifisch beeinflusst wurde. Charisma und Kalore zeigten in dieser Studie bei steigender Vorerwärmungstemperatur einen verminderten Doppelbindungsumsatz, während der von Venus Diamond und von Tetric EvoCeram nach einem Abfall bis 50 °C bei 68 °C wieder anstieg. Tendenziell ist das Verhalten der getesteten Materialien bei Temperaturerhöhung ähnlich.
DOI:http://dx.doi.org/10.17192/z2013.0304