Zur Sensitivität und Spezifität der digitalen Fluoreszenzkamera VistaProof für die Detektion der okklusalen Karies

Problemstellung: Die adäquate und frühzeitige Diagnose der Zahnkaries stellt eine Herausforderung im zahnärztlichen Alltag dar. Wegen des allgemeinen Trends zum Kariesrückgang sind zunehmend subtilere Diagnoseverfahren nötig, mit denen sich zum Beispiel auch Initialläsionen erfassen lassen. Außer de...

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Main Author: Schipper, Helge Marten
Contributors: Jablonski-Momeni, Anahita (Prof. Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2012
Zahn-, Mund- u. Kieferheilkunde
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:Problemstellung: Die adäquate und frühzeitige Diagnose der Zahnkaries stellt eine Herausforderung im zahnärztlichen Alltag dar. Wegen des allgemeinen Trends zum Kariesrückgang sind zunehmend subtilere Diagnoseverfahren nötig, mit denen sich zum Beispiel auch Initialläsionen erfassen lassen. Außer der visuellen Untersuchung stehen weitere apparative Verfahren für die Detektion der Zahnkaries zur Verfügung. Ziel: Die vorliegende Studie zielte darauf ab, Sensitivität und Spezifität des Fluoreszenzkamerasystems VistaProof bei der Detektion der okklusalen Karies zu ermitteln. Als Goldstandard wurde die histologische Untersuchung von Hartschnittpräparaten gewählt. Material und Methode: 53 extrahierte Zähne (47 Molaren und 6 Prämolaren) standen für die Studie zur Verfügung. Vor der Extraktion war die Zustimmung der Patienten zur Nutzung der Zähne für Forschungszwecke eingeholt worden. Nach dem Reinigen der Zähne wurden digitale Fotos der Okklusalflächen angefertigt, auf denen jeweils 1-3 Messpunkte markiert wurden (n=99). Alle Messpunkte wurden von zwei Untersuchern visuell nach dem ICDAS-II-Verfahren befundet. Anschließend wurden die Zähne mit dem Fluoreszenzkamerasystem VistaProof von beiden Untersuchern unabhängig voneinander untersucht. Hierbei wurden digitale Aufnahmen der Okklusal-flächen erstellt und durch die dazu gehörige Software analysiert. Für die histologische Untersuchung wurden die Zahnkronen in vestibulo-oraler Richtung in Scheiben geschnitten. Dabei entstanden je Zahn 9-12 Hartschnitte mit einer Dicke von 300µm (± 30 µm). Die Läsionstiefe wurde von beiden Untersuchern mikroskopisch unter Auflicht beurteilt. Die statistische Auswertung wurde mit SPSS, Version 14.0, durchgeführt. Die Korrelation zwischen den Fluoreszenzmessungen und den histologischen Befunden wurde mit Spearmans Korrelationskoeffizienten ermittelt. Sensitivität und Spezifität wurden auf dem D1- (Schmelz- und Dentinkaries) und dem D3-Niveau (Dentinkaries) berechnet und Receiver Operating Characteristic (ROC)-Kurven gebildet. Ergebnisse: Der Spearman-Korrelationskoeffizient lag für beide Untersucher im moderaten Bereich (rs = 0,55 bzw. 0,47). Es bestand eine signifikant positive Korrelation (p < 0,01). Entsprechend der jeweils höchsten Summe aus Sensitivität und Spezifität wurden die Cut-off-Punkte für das D1-Niveau auf 0,9/1,0 und für das D3-Niveau auf 1,3/1,4 festgelegt. Auf D1-Niveau lag die Sensitivität für Untersucher A bei 0,71 und für Untersucher B bei 0,77. Die Spezifität betrug 0,76 (A) bzw. 0,68 (B). Auf D3-Niveau wurden Sensitivitätswerte von 0,87 (A) bzw. 0,91 (B) und Spezifitätswerte von 0,67 (A) bzw. 0,56 (B) ermittelt. Die Fläche unter der ROC-Kurve betrug auf D1-Niveau 0,77 (A) bzw. 0,75 (B) und auf D3-Niveau 0,81 (A) bzw. 0,77 (B). Diskussion und Schlussfolgerung: Zwischen den Messergebnissen der VistaProof-Fluoreszenzkamera und der histologischen Untersuchung zeigt sich eine moderate Korrelation. Hinsichtlich der Sensitivität und Spezifität wird die diagnostische Aussagekraft deutlich erhöht, wenn die Schwellenwerte entsprechend der jeweils höchsten Summe aus Sensitivität und Spezifität definiert werden. Das VistaProof-Fluoreszenzkamerasystem scheint ein wertvolles Hilfsmittel bei der objektiven Karieserfassung und der Verlaufs-kontrolle zu sein, ebenso wie bei der Kommunikation mit dem Patienten und dessen Motivation. Dabei ist das Gerät für erfahrene Untersucher sowie in der studentischen Ausbildung gleichermaßen anwendbar. In weiterführenden In-vivo-Studien sollten die vom Hersteller angegebenen Schwellenwerte für die Läsionstiefen überprüft und gegebenenfalls neu definiert werden. Es empfiehlt sich dabei, die Anzahl der Messpunkte sowie der Untersucher zu erhöhen, um die Datenmenge zu erweitern.
ISBN:978-3-8439-0652-4
DOI:https://doi.org/10.17192/z2012.1006