Leonhard Lechners durchkomponierte geistliche Liedmotetten

Leonhard Lechners kompositorische Individualität zeigte sich bezeichnenderweise in mehrstimmigen deutschen Liedern, und zwar in geistlichen Liedern. Vor allem seine meist mehrteilig durchkomponierten geistlichen Liedmotetten, die wohl allesamt dem Gebrauch im lutherischen Raum zuzurechnen sind, stel...

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Main Author: Jang, Dong-Woog
Format: Doctoral Thesis
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2010
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Description
Summary:Leonhard Lechners kompositorische Individualität zeigte sich bezeichnenderweise in mehrstimmigen deutschen Liedern, und zwar in geistlichen Liedern. Vor allem seine meist mehrteilig durchkomponierten geistlichen Liedmotetten, die wohl allesamt dem Gebrauch im lutherischen Raum zuzurechnen sind, stellen einen überragenden Gipfel in der Geschichte der Liedmotette um 1600 dar. Die vorliegende Analyse der 25 geistlichen Durchkompositionen gliedert sich in zwei Hauptteile, der erste Teil behandelt die vier Choralbearbeitungen, denen Text und Melodie eines Kirchenliedes zugrunde liegen. Es wird gezeigt, auf wie unterschiedliche Weise Lechner in diesen nur vier Sätzen mit dem Modell "Choralbearbeitung" umgeht. Dabei werden die Einzelanalysen immer wieder durch den Vergleich mit anderen Bearbeitungen der Lieder in den gattungsgeschichtlichen Zusammenhang eingebunden. Der zweite Teil behandelt 21 durchkomponierte geistliche Liedmotetten, die nicht auf eine Melodievorlage zurückgreifen. Die Analyse umfasst für jedes Stück folgende Aspekte: Beschreibung und Gliederung des Textes, formale Anlage der Komposition, satztechnische Merkmale, Verhältnis der Vertonung zum Text, Tonmalereien und Affektausdruck. Wo es möglich ist, treten in den Analysen Blicke auf den gattungsgeschichtlichen Kontext, auf Parallelvertonungen und Kompositionen von ähnlichen Texten hinzu. Durch die analytische Untersuchung der geistlichen 25 Durchkompositionen wird die Bevorzugung madrigalesker Züge als ein Charakteristikum in der Textbehandlung sowie die Vielfalt der Imitationstechnik herausgearbeitet und gezeigt, wie sich Lechner den Techniken der Tonmalerei und des Wechsels von homo- und polyphonen Passagen bedient, wie er durch Chorspaltung klanglich variiert und eng am Text entlang komponiert. Eine Entwicklung im Schaffen Lechners lässt sich vor allem im Blick auf den Umgang mit Imitationen festhalten, von denen Lechner zunehmend sparsamer Gebrauch macht, was auf einen veränderten Anspruch an die Textverständlichkeit zurückgehen dürfte.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2010.0098