Retrospektive Analyse sinunasaler Erkrankungen bei 104 Patienten nach Laryngektomie

Patienten, die sich aufgrund eines Malignoms des Kehlkopfes oder des Hypopharynx einer totalen Laryngektomie unterziehen müssen, sind im postoperativen Verlauf mit einer Vielzahl physischer und psychischer Herausforderungen konfrontiert. Durch die genannte Operation kommt es zu einer vollständigen T...

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Main Author: Fiedler, Gordon
Contributors: Sesterhenn, Andreas M. (Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2008
Hals- Nasen- und Ohrenheilkunde
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:Patienten, die sich aufgrund eines Malignoms des Kehlkopfes oder des Hypopharynx einer totalen Laryngektomie unterziehen müssen, sind im postoperativen Verlauf mit einer Vielzahl physischer und psychischer Herausforderungen konfrontiert. Durch die genannte Operation kommt es zu einer vollständigen Trennung von Luft- und Speisewegen. Die Luftröhre endet nun im Bereich des Jugulum als sogenanntes Tracheostoma. Hierdurch kommt es zu einem vollständigen Erliegen der Nasenatmung mit subsequenten Veränderungen des Nasennebenhöhlensystems, welche die Lebensqualität der betroffenen Patienten deutlich einschränken. So kommt es insbesondere zu Veränderungen im Bereich der Nasenschleimhäute. Hier wird ursprünglich ortständiges Plattenepithel durch hochprismatisches Flimmerepithel nach und nach ersetzt. Neben makroskopisch erkennbaren farblichen Veränderungen der Mukosa kommt es zu einer Erhöhung der endonasalen Temperatur, der mukoziliaren Clearence, des mukoziliaren Transports und des Nasenzyklus. Aufgrund der nicht mehr vorhandenen aktiven Nasenatmung gelangen somit in deutlich reduziertem Umfang pathogene Keime bzw. allergene Agentien in das Nasennebenhöhlensystem. Wissenschaftlicher Ansatz der Dissertation ist die retrospektive Darstellung sinunasaler Beschwerden und Erkrankungen sowie die Evaluation der Beeinträchtigung durch die veränderte Belüftungssituation der Nase und der Nasennebenhöhlen bei Patienten in der Situation nach Laryngektomie im subjektiven Vergleich mit der präoperativen Situation. Es zeigte sich, dass konventionelle Rhinitiden, akute und chronische Sinusitiden sowie sinusitische Beschwerden nach der Laryngektomie signifikant seltener auftraten als vor der Intervention. Postoperativ zeigte sich ein signifikanter Anstieg der anterioren Rhinorrhoe. Medikamentöse Therapien aufgrund sinunasaler Beschwerden wurden selten verordnet. Chirurgische Interventionen sind speziellen Ausnahmesituationen, wie beispielsweise Mukozelen im Bereich der Nasennebenhöhlen vorbehalten. Die Patienten bewerten die Gesamtsituation bezogen auf das Nasennebenhöhlensystem eher positiv und fühlen sich größtenteils (ca.70%) nur geringfügig durch die nicht mehr vorhandene Nasenatmung beeinträchtigt. Die vorliegenden Ergebnisse stützen die Hypothese von Dixon, dass aufgrund der stark reduzierten Nasenventilation beim Laryngektomierten deutlich weniger pathogen Keime und allergene Agentien in die Nasenhaupt- und Nasennebenhöhlen gelangen, wo potenzielle Infekte ausgelöst werden können.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2008.0308