B-Zellmonoklonalität in Gastritiden mit Lymphfollikelbildung und deren Bedeutung in der Differenzialdiagnose des MALT-Lymphom des Magens

Non Hodgkin Lymphome (NHL) gehören in den Industrienationen zu den Tumorerkrankungen mit stark steigender Prevalenz. 20% stammen aus primär extranodalem Gewebe. Der Magen ist der häufigste Manifestationsort der extranodalen Lymphome. Seit der Arbeit von Isaacson 1984 geht man davon aus, dass ein g...

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Main Author: Steiff, Johannes Niklas
Contributors: Neubauer, A. (Prof. Dr.) (Thesis advisor)
Format: Doctoral Thesis
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2007
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:Non Hodgkin Lymphome (NHL) gehören in den Industrienationen zu den Tumorerkrankungen mit stark steigender Prevalenz. 20% stammen aus primär extranodalem Gewebe. Der Magen ist der häufigste Manifestationsort der extranodalen Lymphome. Seit der Arbeit von Isaacson 1984 geht man davon aus, dass ein großer Anteil der Lymphome des gastrointestinalen Traktes aus Mucosa assoziiertem lymphatischen Gewebe (engl.: Mucosa associated lymphoid tissue, MALT) hervorgeht. Sie werden als Marginalzonen-B-Zell-Lymphome vom MALT-Typ (MZBL-MT) bezeichnet. Nach der modifizierten WHO-Klassifizierung werden unter diesen Lymphomen die niedrigmalignen MALT-Lymphome des Magens verstanden (die so genannten gastralen MALT-Lymphome). In der Diagnostik des gastralen MALT-Lymphom ist die Histologie mit dem Nachweis lymphoepithelialer Destruktionen der Goldstandard. In histologisch unklaren Fällen, in denen nur der Verdacht auf ein Lymphom geäußert werden kann, empfiehlt die WHO in ihrer Tumorklassifikation den molekularbiologischen Nachweis monoklonaler B-Zellpopulationen zur Bestätigung der Diagnose. Verschiedene Arbeitsgruppen beschrieben allerdings auch monoklonale B-Zellpopulationen bezüglich des Immunglobulin-Schwerketten-Genes in Magenbiopsien ohne Verdacht auf ein malignes Lymphom. Der Nachweis von monoklonalen B- Zellen in Gastritiden war stark assoziiert mit dem histologischen Nachweis von Lymphfollikeln. In den meisten dieser Arbeiten wurden klonale B-Zellen mit einer PCR-basierten Amplifikation des Immunglobulin-Schwerketten-Genes nachgewiesen. Die Auswertung erfolgte hierbei mit einer konventionellen Agarosegelelektrophorese. In dieser Arbeit sollten mittels GeneScan-Technik und Schmelzkurvenanalyse, zweier Methoden mit hoher Auflösung und Sensitivität, die Prevalenz von monoklonalen B-Zellpopulationen in einem 150 Proben starken, randomisierten Kollektiv von Magenbiopsien mit Lymphfollikeln ermittelt werden. Beide Methoden wurden im Vergleich untereinander und im Vergleich mit der Agarosegelelektrophorese und den bisherigen Veröffentlichungen beurteilt. Nach der Auswertung zeigen die Daten, dass eine B-Zellmonoklonalität je nach PCR-Auswertungsmethode in 6,2 – 13,8% aller Proben von randomisiert gesammelten Gastritiden mit Lymphfollikelbildung nachgewiesen werden konnten. GeneScan (Nachweis von 7,69% monoklonaler) und Syber Green basierende Schmelzkurvenanalyse (Nachweis von 7% monoklonaler) erzielten bis auf eine Probe identische Ergebnisse. Durch die Agarosegelelektrophorese wurde die Anzahl an monoklonalen Proben überschätzt. Wie schon in zahlreichen anderen Publikationen gezeigt, konnten also auch in dieser Arbeit unter standardisierten Bedingungen und an einem großen randomisierten Patientenkollektiv monoklonale B-Zellpopulationen nachgewiesen werden. Es wurde ersichtlich, dass bei der Methode des GeneScans mit einer hohen Sensitivität monoklonale Gastritiden mit Lymphfollikeln zu finden sind, auch wenn dieser Anteil relativ niedrig liegt verglichen mit der Prevalenz in gastralen MALT-Lymphomen. Die Routineverfahren sind abhängig in ihrer Aussage von zahlreichen noch unbekannten Variablen, die bis ins Letzte nie komplett kontrolliert werden können. So ist der Monoklonalitätsnachweis auch keine Sicherung der Diagnose eines Lymphoms in einem histologisch unklaren Fall. Die Empfehlung der WHO ist in der aktuell postulierten Form somit abzulehnen. Der Goldstandard bleibt die Histologie mit Nachweis der entscheidenden lymphoepithelialen Destruktionen, ohne den kein molekularer Monoklonalitätsnachweis zu der Diagnose Lymphom führen darf. Der in der Arbeit durchgeführte Vergleich zwischen der Schmelzkurvenanalyse und dem GeneScan hat gezeigt, dass sie vor allem in der Spezifität als gleichwertig anzusehen sind. Kann bei der Schmelzkurvenanalyse eine hohe Standardisierung erreicht werden und wird sie noch an großen Kollektiven positiv getestet, kann sie eine verlässliche Routinemethode werden, weil es auch nach hier erlangten Erfahrungen ein schnell durchzuführendes und auch reproduzierbares, kostengünstiges Verfahren ist. Allerdings wird der Einsatz eher in der molekularen Analyse von Monoklonalität bei Lymphomen als in der Differenzialdiagnose von unklaren Histologien bei Gastrititden liegen.
DOI:10.17192/z2007.0322