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Titel:Kontakt und kontaktbasierte Konfliktinterventionen
Autor:Wagner, Ulrich
Weitere Beteiligte: Forum Friedenspsychologie e.V.
Veröffentlicht:2022
URI:https://archiv.ub.uni-marburg.de/es/2022/0072
DOI: https://doi.org/10.17192/es2022.0072
URN: urn:nbn:de:hebis:04-es2022-00720
ISBN: 978-3-8185-0565-3
DDC: Psychologie
Publikationsdatum:2022-07-15
Lizenz:https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/

Dokument

Schlagwörter:
Contact between members of different groups, negative contact, stellvertretender Kontakt, Intervention, Wirkung von Kontakt, vorgestellter Kontakt, imagined contact, Konta, Kontakt zwischen Gruppen, vicarious contact, effects of contact, contac, Gruppe, starke und schwache Gruppen, strong and week groups, negativer Kontakt, Kontakt

Zusammenfassung:
Kontakt zwischen Mitgliedern unterschiedlicher Gruppen kann helfen, Vorurteile zwischen den Gruppen, Diskriminierung und Gewalt zu reduzieren. Dazu muss der Kontakt auf Augenhöhe stattfinden und die Mitglieder aus den unterschiedlichen Gruppen müssen kooperativ ein gemeinsames Ziel verfolgen. Neben direkten, physischen Begegnungen haben sich vorgestellte Kontakte, das Wissen um die Wahrnehmung von Kontakten durch andere Mitglieder der eigenen Gruppe und Kontakte unter Verwendung elektronischer Medien als effektiv erwiesen. Kontakt wirkt, weil er gegenseitige Ängste reduziert, die Empathie für die andere Gruppe steigert, Informationen über die andere Gruppe vermittelt und ethnozentrische Perspektiven auf die eigene Gruppe und ihre Normen und Verhaltensgewohnheiten relativiert. Damit Kontakte mit einzelnen Mitgliedern der fremden Gruppe auf die Vorurteile über die gesamte Gruppe generalisieren, muss die Gruppenzugehörigkeit der konkreten Interaktionspartner*innen bewusst sein - wenn nötig, nach einer ersten Phase personenbezogener Interaktionen. Menschen versuchen manchmal, Kontakte mit Fremden zu vermeiden. Das gilt vor allem für Menschen mit starken Vorurteilen. Kontakt ist nicht immer positiv. Negative Kontakte verstärken Vorurteile, sie sind allerdings eher seltener als positive Kontakte. Kontakt wirkt auf Mitglieder unterlegener Gruppen weniger stark vorurteilsreduzierend als auf Mitglieder dominanter Gruppen. Auch kann positiver Kontakt mit Mitgliedern dominanter Gruppen bei Mitgliedern unterlegener Gruppen dazu beitragen, deren politische Mobilisierung gegen Ungerechtigkeit zu unterminieren. Kontakt kann erfolgversprechend als Interventionsmechanismus eingesetzt werden, um Vorurteile und die negative Eskalation von Konflikten zwischen Gruppen abzumildern: Geschildert werden Beispiele für Einsatzmöglichkeiten von Kontaktprogrammen in der Schule und in der Ansiedlungspolitik, im Zuge der Förderung gegenseitigen Verständnisses von Polizei und Minderheiten und nach heftigen gewalttätigen Auseinandersetzungen, wie nach Kriegen oder Bürgerkriegen. Kontakt kann helfen, ersetzt aber nicht eine Politik des Ausgleichs von Ungerechtigkeiten.

Summary:
Contact between members of different groups can help to reduce prejudice between groups, discrimination and violence. For this purpose, members of different groups have to meet on the basis of equal status pursuing cooperatively a common goal. In addition to direct physical contact, factors such as imagined contact, the knowledge about vicarious contact of another ingroup member, and contact by using electronic media have shown to be effective. Contact works because it reduces mutual anxieties, increases empathy for the other group, delivers information about the outgroup and reduces ethnocentric views on the ingroup and its norms as well as its behaviour routines. In order to ensure that contact experiences with single members of an outgroup generalize to prejudice about the whole outgroup, group memberships of the interaction partners have to be salient - if needed after a first phase of person-focused interaction. People, especially those with high prejudice, sometimes try to avoid contact. Negative contact increases prejudice, however, it happens less frequently compared to positive contact. Contact reduces prejudice in low-status groups to a lesser extent than in dominant groups. In addition, contact with members of a dominant group can undermine readiness for political mobilization against injustice in the low-status group. Contact can be promising if used as intervention strategy to reduce prejudice and escalation in conflict between groups: The paper presents examples of applications of contact interventions in schools and in housing policy, as a means to improve mutual understandings of the police and of minority groups, as well as after violent conflicts, such as war and civil war. Contact can help; however, it cannot be seen as a substitute for policies focussing on the reduction of injustice.


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