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Titel:Rüstung
Autor:Wagner, Jürgen
Weitere Beteiligte: Forum Friedenspsychologie e.V.
Veröffentlicht:2022
URI:https://archiv.ub.uni-marburg.de/es/2022/0025
DOI: https://doi.org/10.17192/es2022.0025
URN: urn:nbn:de:hebis:04-es2022-00253
ISBN: 978-3-8185-0565-3
DDC: Psychologie
Publikationsdatum:2022-07-07
Lizenz:https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/

Dokument

Schlagwörter:
Deutschland, Bundeswehr, Germany, Europäische Union, German Armed Forces, NATO, European Union, Rüstung, NATO, armament

Zusammenfassung:
Nach Berechnungen des Stockholm International Peace Research Institute [SIPRI] (2021) wurden 2020 weltweit 1.981 Milliarden US$ im Rüstungsbereich ausgegeben, davon entfallen allein auf die USA 39%, auf die Nato-Staaten über 50% und wenn verbündete Länder wie Israel und Saudi-Arabien einbezogen werden, summiert sich der Anteil sogar auf über 60%. Die Ausgaben der Bundesrepublik sind seit 2011 um 28 Prozent gestiegen, der weltweite Durchschnitt lag bei 9,3% (SPIRI, 2021). Ein großer Teil dieser Ressourcen fließt in die Rüstung, d.h. in die Planung, Herstellung und Anschaffung militärischer Güter, die ein auf politischen Entscheidungen basierender Prozess ist. Nachdem die weltweiten Rüstungsausgaben Jahr für Jahr neue „Spitzenwerte“ erreichen, sollen hier mit der NATO und der gerade in jüngster Zeit in diesem Bereich immer aktiver werdenden Europäischen Union (EU) die beiden wesentlichen westlichen Organisationen in den Blick genommen werden, in denen Rüstungsprozesse organisiert sind. Die Rüstungsplanung der NATO fokussiert dabei auf den Aufbau und Erhalt von Fähigkeiten für Auslandseinsätze sowie neuerdings wieder ganz massiv auf die Aufstellung von Großverbänden gegen Russland (und perspektivisch wohl auch China). Die Europäische Union hat dagegen Strukturen geschaffen, mit denen nicht allein die in der NATO identifizierten Fähigkeitslücken geschlossen werden sollen. Ihr geht es dabei auch darum, möglichst unabhängig einsetzbare Fähigkeiten zu erlangen, weshalb der Stärkung der rüstungsindustriellen Basis große Bedeutung beigemessen wird. Dies wird zudem als wichtiger Bestandteil einer „Strategischen Autonomie“ erachtet, die wiederum als unverzichtbar gilt, um als Großmacht anerkannt zu werden. Besonders die – von den letzten Bundesregierungen voll mitgetragene – Kombination der NATO- und EU-Planziele erzeugt einen immensen Rüstungsdruck, der sich in umfassenden Rüstungs- und Militarisierungsmaßnahmen niederschlägt, von denen einige der wichtigsten abschließend skizziert werden sollen. Am Ende des Kapitels folgen einige kritische Überlegungen zur Frage der Ursachen und Auswirkungen von Rüstung beziehungsweise Aufrüstung.

Summary:
According to calculations by the Stockholm International Peace Research Institute [SIPRI] (2021), US$ 1,981 billion was spent on armaments worldwide in 2020, of which the USA alone accounted for 39%, the NATO states for over 50% and if allied countries such as Israel and Saudi Arabia are included, the share even adds up to over 60%. Germany's spending has increased by 28% since 2011, while the global average was 9.3%. A large part of these resources goes into armament, i.e. the planning, production and acquisition of military goods, which is a process based on political decisions. With global arms spending reaching new ”peaks” year after year, the two main Western organizations in which armament processes are organized are NATO and the European Union (EU), which has recently become increasingly active in this field. NATO's armament planning focuses on building up and maintaining capabilities for foreign missions and, more recently, again massively on the deployment of large units against Russia (and, in the future, probably also China). The European Union, on the other hand, has created structures that are not only intended to close the capability gaps identified in NATO. It is also concerned with acquiring capabilities that can be deployed as independently as possible, which is why great importance is attached to strengthening the defense industrial base. This is also seen as an important component of "strategic autonomy", which in turn is considered indispensable in order to be recognized as a great power. In particular, the combination of NATO and EU planning goals – fully supported by the last federal governments – generates immense arms pressure, which is reflected in comprehensive armament and militarization measures, some of the most important of which will be outlined in conclusion. At the end of the chapter, there are some critical reflections on the question of the causes and effects of armament or rearmament.


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