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Titel:Der NSU und ich? Eine Narrativanalyse zur Konstruktion polizeilicher Identität angesichts des NSU-Komplexes
Autor:Schmalen, Barbara
Veröffentlicht:2021
URI:https://archiv.ub.uni-marburg.de/es/2021/0016
DOI: https://doi.org/10.17192/es2021.0016
URN: urn:nbn:de:hebis:04-es2021-00168
ISSN: 1862-4596
DDC:320 Politik
Publikationsdatum:2021-08-09
Lizenz:https://creativecommons.org/licenses/by/4.0

Dokument

Schlagwörter:
Police, Identität, Identity, NSU, Polizei, NSU

Zusammenfassung:
Im Zusammenhang mit dem Umgang mit dem NSU-Komplex wird die Verstrickung der Polizei in rassistische Strukturen immer deutlicher. Die Soziale Identitätstheorie (SIT) postuliert, dass diese Verstrickung den Erhalt einer positiven polizeilichen Identität gefährdet und dass Polizeibeamte als Reaktion darauf Identitätsmanagementstrategien einsetzen, um den Umgang der Strafverfolgungsbehörden mit NSU-Verbrechen mit ihrer Identität zu versöhnen. Die vorliegende Arbeit untersucht, wie diese Versöhnung narrativ umgesetzt wird. Die Analyse von fünf narrativen Interviews zeigt, dass sich die persönlichen Erzählungen der Polizeibeamten primär auf das Masternarrativ der Sicherheitsbehörden zum NSU-Komplex beziehen und ein polizeispezifisches NSU-Narrativ abwesend scheint. Dennoch finden sich auch Fragmente der Gegenerzählungen der Opfer des NSU-Komplexes in der Lebenswirklichkeit der Polizeibeamten wieder. Diese werden jedoch durch narrative Strategien der Entpolitisierung, Individualisierung und des farbenblinden Rassismus integriert, möglicherweise um ein positives und konsistentes Polizeibild aufrechtzuerhalten. Dennoch entsteht durch die Auseinandersetzung mit den Narrativen der Opfer des NSU-Komplexes eine Kultur des Fehlermanagements innerhalb der Polizei.

Summary:
In the context of dealing with the NSU complex, the police's involvement in racist structures is becoming increasingly clear. Social Identity Theory (SIT) posits that this entanglement jeopardizes the preservation of a positive police identity, and that, in response to this, police officers use identity management strategies to reconcile the handling of NSU crimes by law enforcement with their identity. This paper examines how this reconciliation is implemented narratively. The analysis of five narrative interviews shows that the personal stories of police officers primarily rely on the master narrative of the security authorities on the NSU complex and that a police-specific NSU narrative seems absent. Nevertheless, fragments of the counter narratives of the victims of the NSU complex also find their way into the reality of the police officers' lives. However, these are integrated by means of narrative strategies of depoliticization, individualization, and color-blind racism, possibly to keep up a positive and consistent police image. However, a culture of error management within the police nonetheless emerges through engagement with the narratives of the victims of the NSU complex.


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