Zusammenfassung:
Ziel dieser Dissertation war es, zum einen das evidenzbasierte Risiko für andere Krebsarten bei Frauen mit Brustkrebs im Vergleich zu einem gesunden Kollektiv zu verstehen und zum anderen die Therapieadhärenz von Frauen unter Tamoxifen (TAM) oder Aromatasehemmern (AIs) in Deutschland zu analysieren und mögliche Determinanten der Nichtpersistenz zu untersuchen.
Die Arbeit stütze sich auf zwei Studien, die in PubMed-gelisteten Fachzeitschriften veröffentlicht wurden.
Die erste Studie basierte auf Daten aus der IMS Disease Analyzer Datenbank und die zweite aus der Longitudinal Prescription (LRx) Datenbank.
Der erste Artikel untersuchte die Assoziation zwischen Brustkrebs und der Inzidenz anderer Krebsdiagnosen und wurde am 12. Juli 2022 in Breast Cancer Research and Treatment veröffentlicht.
Methodisch handelt es sich um eine retrospektive Kohortenstudie mit 42.248 Patientinnen. Die stärkste Assoziation wurde für Krebs der Atemwege beobachtet, gefolgt von Krebs der weiblichen Geschlechtsorgane und Krebs des lymphatischen und hämatologischen Gewebes.
Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse dieser ersten Studie, dass Brustkrebspatientinnen im Vergleich zu gesunden Frauen ein erhöhtes Risiko haben, an einer anderen Krebsart zu erkranken.
Der zweite Artikel zeigte, dass die Persistenzraten sowohl für die TAM- als auch für die AI-Behandlung in allen Altersgruppen niedrig waren und identifizierte mehrere Faktoren (z. B. Facharzt, jüngeres Alter und Art der endokrinen Therapie), die mit einem erhöhten Risiko für eine Nichtpersistenz assoziiert waren. Dieser Artikel wurde am 23. September 2022 im Journal of Cancer Research and Clinical
Oncology veröffentlicht. Methodisch handelt es sich um eine retrospektive Kohortenstudie mit 284.383 Patientinnen.
Viele Frauen überleben die Diagnose Brustkrebs. Die Kenntnis ihres Risikos, an einem weiteren Primärkarzinom zu erkranken, ist nicht nur im Hinblick auf mögliche Nebenwirkungen ihrer Krebstherapie von Bedeutung, sondern auch im Hinblick auf die Möglichkeit einer gemeinsamen Ätiologie mit anderen Krebsarten.
Dieses höhere Risiko einer zweiten Krebserkrankung bei Frauen, bei denen als maligne Ersterkrankung ein primärer Brustkrebs diagnostiziert wurde, unterstreicht die Bedeutung von Präventionsmaßnahmen zur Verringerung der Häufigkeit und Früherkennungsmaßnahmen zur Diagnose von zweiten Krebserkrankungen.
Die zweite Studie unterstreicht die Notwendigkeit einer guten Betreuung der Patientinnen unter antihormoneller Therapie, zum Beispiel im Rahmen eines DMP.
Jedoch müssen die Ergebnisse der beiden Studien mit Vorsicht betrachtet werden, da die Datenbanken mehrere Limitationen haben, die Kodierungsqualität der Hausärzte ungenau ist und aufgrund des Studiendesigns keine kausalen Effekte ermittelt werden können.