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Titel:Effizienz verschiedener Aktivierungstechniken zur Entfernung von Guttapercha- und Sealerresten von der Wurzelkanaloberfläche
Autor:Werner, Hanna Angelika
Weitere Beteiligte: Roggendorf, Matthias (Priv.-Doz. Dr.)
Veröffentlicht:2022
URI:https://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2022/0257
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2022-02571
DOI: https://doi.org/10.17192/z2022.0257
DDC:610 Medizin
Publikationsdatum:2022-05-25
Lizenz:https://rightsstatements.org/vocab/InC-NC/1.0/

Dokument

Schlagwörter:
SF65, F360, efficiancy, ultrasonic activation, Eukalyptusöl, Canalbrush, Effizienz, root canal retreatment, Aktivierungstechnik,Wurzelkanalrevision, IRRIS S, Ultraschallaktivierung, sonic activation, Digitalmikroskopie, Schallaktivierung, eukalyptol, digital microscope

Zusammenfassung:
Hintergrund und Ziele Der Erfolg einer Wurzelkanalbehandlung ist nicht immer gewährleistet. Es gibt viele Faktoren, die eine Nachbehandlung notwendig machen. Die orthograde Re-vision ist nach aktuellem Stand der Wissenschaft die erste Wahl bei einem endo-dontischen Misserfolg. Die Entfernung des Wurzelkanalfüllmaterials spielt für die Qualität und nicht zuletzt den Erfolg der nachfolgenden erneuten Obturation eine entscheidende Rolle. Ziel dieser Studie war es, eine minimalinvasive Revisions-methode zu ermitteln, die eine vollständige Entfernung des Wurzelkanalfüllmateri-als möglich macht, ohne die Schwächung der Zahnhartsubstanz durch Vergröße-rung des Kanaldurchmessers notwendig zu machen. Dabei sollte die Verwendung des Aufbereitungssystems F360 als Revisionssystem, der Nutzen von Eukalyptu-söl in einem 2. Revisionsschritt und dessen Aktivierung anhand von 3 verschiede-nen Techniken untersucht werden. Material und Methoden 60 humane Zahnwurzeln mit rundem Kanalquerschnitt kleiner ISO 45 wurden auf 14 mm gekürzt und mit dem F360-System bis .04/#45 auf eine Arbeitslänge von 13 mm aufbereitet. Danach erfolgte die Trennung der Wurzeln in mesio-distaler Richtung und erneute Reposition mit anschließender Obturation eines Gutta-perchastifts #45 und Sealer AH Plus in Einstifttechnik. Die Wurzeln wurden rand-omisiert in 4 Gruppen (n=15) eingeteilt. Nach 3-wöchiger feuchter Lagerung wur-de die Revision mit der F360-Feile Größe 45 durchgeführt und es erfolgte die Ein-teilung jedes Wurzelkanals in einen koronalen, mittleren und apikalen Bereich in 3 mm Abständen. Die Wurzelkanaloberflächen wurden für jede Wurzelhälfte pro Kanalabschnitt mit Hilfe des Digitalmikroskops Keyence VHX 5000 bei 200facher Vergrößerung fotografiert. Nach erneuter Reposition wurden im Rahmen des 2. Revisionsschrittes Eukalyptusöl für 2 min in den Kanal gegeben und es erfolgte eine 1-minütige Aktivierung durch (2) die ultraschallbetriebene IRRI S-Spitze, (3) die mechanisch betriebene CanalBrush, (4) der schallbetriebene SF65-Ansatz oder (1) eine zusätzliche Einwirkzeit von 1 min ohne Aktivierung als Kontrollgrup-pe. Abschließend wurde eine erneute digitalmikroskopische Aufnahme aller Wur-zelhälften, gefolgt von einer quantitativen Erfassung der Wurzekanalfüllmaterial-reste anhand der erfolgten Aufnahmen mit anschließender statistischer Analyse durchgeführt. Ergebnisse Der Revisionsschritt 2 konnte in allen Gruppen zu einer verbesserten Revisionsef-fizienz führen. Ausschließlich im apikalen Kanalabschnitt konnten signifikante Unterschiede unter den Aktivierungstechniken ermittelt werden. Gruppe 4 (SF65) erzielte mit zusätzlicher 25,50 % freier Kanalwandfläche im Vergleich zur Ge-samtkanaloberfläche eine deutlich gesteigerte Revisionseffizienz gegenüber 5,0 % (Mann-Whitney-Test: p=0,001*) in Gruppe 3 (CanalBrush) und 9,50 % (Mann-Whitney-Test: p=0,005*) in Gruppe 1 (ohne Aktivierung). Innerhalb eines Wurzel-kanals konnten nur in Gruppe 4 deutliche Unterschiede festgestellt werden. So konnten im apikalen Bereich mit 25,5 % zusätzlicher freier Kanaloberfläche am meisten Material gelöst werden, im Vergleich zu dem koronalen (14 %) (Wilcoxon p=0,018*) und mittleren (16 %) (Wilcoxon p=0,020*) Abschnitt. Schlussfolgerung Keine der eingesetzten Techniken führte zu einer vollständigen Entfernung des Wurzelkanalfüllmaterials. Die Anwendung des F360-Systems führte bezüglich der Revisionseffizienz zu einem guten Ergebnis im Vergleich zu bereits etablierten Systemen. Eine additive Revisionstechnik wird jedoch empfohlen. Die Verwen-dung von Eukalyptusöl in einem zweiten Revisionsschritt kann klar befürwortet werden. Vor allem die Schallaktivierung des Lösungsmittels konnte eine signifi-kante Reduktion des Wurzelkanalfüllmaterials im apikalen Kanalabschnitt errei-chen. Anhand dieser Studie stellte die zusätzliche Schallaktivierung von Eukalyp-tusöl eine gute, weil minimalinvasive Alternative zur etablierten Kanalvergröße-rung dar. Um diese Revisionstechnik allgemein empfehlen zu können, sind wei-terführende Experimente notwendig.

Summary:
Objectives The success of a root canal treatment is not always guaranteed. There are many factors that require an endodontic retreatment. According to the current state of science, orthograde retreatment is the treat of choice in case of endodontic fail-ure. The removal of the root filling material plays a decisive role in the quality of the subsequent re-obturation. The aim of this study was to find a minimally inva-sive retreatment method that allows for a complete removal of the root filling ma-terial without necessitating weakening the dentin by increasing the canal diameter. Therefore the use of the F360 instrumentation system used as a retreatment sys-tem, the benefits of using eucalyptol in a second retreatment step, and the activa-tion of the oil using 3 different techniques should be investigated. Methods 60 roots of human teeth with a round root canal smaller than ISO 45 were short-ened to 14 mm and processed to a working length of 13 mm using the F360 sys-tem up to .04/# 45. Then the roots were sectioned longitudinally in mesio-distal direction and repositioned, followed by obturation using a gutta-percha cone #45 and sealer AH Plus in a single-cone technique. The roots were divided into 4 groups (n=15) for further investigation. After 3 weeks storage under clinical condi-tions ( 37°C, 100% humidity), the retreatment of the root canal fillings was carried out using the F360 file #45 and the root canal was divided into coronal, middle and apical areas of 3 mm spacing. The residual obturation material was analyzed for each root half per canal section using digital microscope Keyence VHX 5000 at 200-fold magnification. Following renewed reduction, eucalyptol was added as part of the 2nd retreament step to the canal for 2 min and activated for 1 minute using (2) the ultrasound operated IRRI S tip, (3) the mechanically driven Canal-Brush, (4) the sonically activated SF65 or (1) an additional contact time of 1 min without activation as control group. Concluding, a further quantitative assessment of the residual obturation material was performed under the digital microscope with subsequent statistical analysis. Results The second retreatment step resulted in improved cleaning efficiency in all four groups. Significant differences regarding the efficiency of activation techniques could were exclusively within the apical canal section. Group 4 (SF65) achieved a significantly increased retreatment efficiency of additional 25.50% versus 5% (Mann-Whitney test: p=0.001*) in group 3 (CanalBrush) and 9.50% (Mann-Whitney test: p=0.005*) in group 1 (no activation). Significant differences were only found in the root canals of group 4. In the apical section 25.5% of the obtura-tion material could be removed, compared to 14% (Wilcoxon test: p=0.018*) in the coronal and 16% (Wilcoxon test: p=0.020*) in the middle section. Conclusion None of the investigated activation techniques resulted in acomplete removal of the root filling material. Compared to established instrument systems the applica-tion of the F360 system led to satisfactory results in terms of retreatment efficien-cy. However, an additional retreatment technique is recommended. The use of eucalyptol in a 2nd revision step is recommended. Particularly, the sonic activation of the solvent achieved a significant reduction of the root filling material in the api-cal canal section. Based on this study, the additional sonic activation of eucalyptol provided a favorable minimally invasive alternative to the established root canal enlargement. Further studies are required in order to decide which retreatment technique may be universally recommended.


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