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Titel:Einfluss einer Sectio caesarea auf die Fertilität und Folgeschwangerschaft - Eine Datenbankanalyse aus gynäkologischen Praxen
Autor:Weber, Katherina
Weitere Beteiligte: Ziller, Volker (PD Dr.)
Veröffentlicht:2022
URI:https://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2022/0198
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2022-01980
DOI: https://doi.org/10.17192/z2022.0198
DDC:610 Medizin
Publikationsdatum:2022-05-25
Lizenz:https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0

Dokument

Schlagwörter:
Folgeschwangerschaft, Infertilität, Kaiserschnitt, Time to pregnancy, Cesarean section, obstetrics, subsequent pregnancy, Subfertilität, subfertility, Sectio caesarea

Zusammenfassung:
Deutsche Zusammenfassung Hintergrund Bei einerseits weltweit steigenden Kaiserschnittraten und andererseits sinkenden Geburtenzahlen steht ein Zusammenhang zwischen ungewollter Kinderlosigkeit und vorangegangener Schnittentbindung im Raum. Studienziel war ein Vergleich zwischen Frauen nach Sectio caesarea und Spontangeburt hinsichtlich möglicher Unterschiede bezüglich einer Infertiltitätsdiagnose und der Wartezeit bis zur nächsten Schwangerschaft. Methoden Wir untersuchten Frauen zwischen 16 und 40 Jahren, die zwischen 2000 und 2013 vaginal oder per Kaiserschnitt entbunden hatten und noch nicht als infertil eingestuft worden waren. Dies erfolgte im Rahmen einer retrospektiven Datenbankanalyse der „IMS-Health-Database“, in die Diagnosecodes aus 227 Frauenarztpraxen in Deutschland eingespeist wurden. Die Endpunkte waren die Erstdiagnose „Sterilität“ und „Eintritt einer zweiten Schwangerschaft“ innerhalb 10 Jahren nach erster Entbindung. Es wurde dabei eine multivariate Analyse mittels Cox-Regressions-Modell durchgeführt und nach Patientencharakteristika adjustiert. Die kumulative Inzidenz einer Sterilitätsdiagnose sowie Zeit nach erster Geburt bis zur Folgeschwangerschaft wurde nach der Kaplan-Maier-Methode beurteilt. Ergebnisse Nach einem Kaiserschnitt hatten Frauen eine höhere Wahrscheinlichkeit, die Diagnose „Sterilität“ zu erhalten und wurden seltener und später schwanger als Frauen nach einer natürlichen Entbindung. Innerhalb 10 Jahren nach Indexdatum waren von jeweils 6 483 Patientinnen 64% nach natürlicher Geburt und 57,9% nach Sectio caesarea wieder schwanger. Die Wahrscheinlichkeit, erneut schwanger zu werden, war auch deutlich geringer bei Zyklusunregelmäßigkeiten und Polyzystischem Ovarialsyndrom. Bei 19,5% der Patientinnen nach Kaiserschnitt die Erstdiagnose „Sterilität“ gestellt, bei den Frauen nach natürlicher Entbindung waren es im gleichen Zeitraum 18,5%. Diskussion Diese Studie zeigt, dass ein Kaiserschnitt in Deutschland mit einem leicht erhöhten Risiko einer Subfertilität und einer geringeren Chance auf eine weitere Schwangerschaft einhergeht. Weitere Untersuchungen zur Identifizierung der möglichen Ursachen und Risikofaktoren auf pathophysiologischer, sozialer und ökonomischer Ebene sowie ein intensives Case-Management zur Vermeidung unnötiger Sectiones und zukünftiger Komplikationen erscheinen erforderlich.

Summary:
English summary Background Due to increasing rates of caesarean sections worldwide on the one hand and the decreasing birth rates on the other hand there have been various attempts to identify relations between caesarean sections and subfertility. Our aim was to compare women after caesarean section and natural birth related to the time to a subsequent pregnancy and beeing diagnosed with „infertility“ for the first time. Methods Using a retrospective database analysis of the „IMS Disease Analyzer Database“ we included women aged between 16 and 40 years with a childbirth between 2000 and 2013 either by natural birth or caesarean section and had no prior diagnosis of infertility. The data had been collected directly from 227 gynaekologist practices and included information about diagnosis-code based on ICD-10. The main outcomes were first-time diagnosis „Infertility“ and „subsequent pregnancy“ within 10 years after the first delivery. We used a multivariate cox regression model and adjusted to patient characteristics. The Kaplan-Maier method was used to estimate the cumulative incidence of diagnosis „infertility“ as well as time period between first delivery and subsequent pregnancy after caesarean section and natural birth. Results Women after caesarean section were more likely to be diagnosed with „Infertilty“, they also had a lower chance for a second pregnancy compared to women after natural birth. Within 10 years from index date of 6483 women in each group 64% after natural birth and 57,9% after caesarean section became pregnant again. The probability of a subsequent pregnancy was also decreased for women with deterioration of the menstrual cycle and polycystic ovary syndrome. During the same period there were 19,5% of the patients after caesarean section diagnosed with „infertility“ compared to 18,5% after natural birth. Conclusion This study indicates a slightly increased risk for infertility and a lower chance of a second pregnancy after a caesarean section in Germany. Further investigations will be needed to identify the causes by pathophysiological, social and economical means. An intense Case-Management seems to be required to prevent unnecessary caesarean sections and future complications.


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