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Titel:Epilepsiechirurgisches Outcome mit und ohne Medikamentenreduktion
Autor:Schneider, Alexander
Weitere Beteiligte: Menzler, K. (PD Dr.)
Veröffentlicht:2021
URI:https://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2021/0198
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2021-01985
DOI: https://doi.org/10.17192/z2021.0198
DDC:610 Medizin
Publikationsdatum:2021-06-08
Lizenz:https://rightsstatements.org/vocab/InC-NC/1.0/

Dokument

Schlagwörter:
Engel Ia, Epilepsiechirurgie, seizure freedom, Medikamentenreduktion oder -absetzen, epilepsy surgery, Anfallsfreiheit, antiepileptic drug reduction or withdrawal, Engel Ia

Zusammenfassung:
Im Rahmen der vorliegenden Studie wurden 292 Patienten analysiert, bei denen zwischen 1998 und 2015 ein epilepsiechirurgischer Eingriff durchgeführt wurde und Angaben zur postoperativen Anfallsfreiheit mithilfe der Ergebnisse der Follow-Up Untersuchungen nach 6 Monaten, 1 Jahr, 2 Jahren und 5 Jahren möglich waren. Die Patientenakten wurden retrospektiv ausgewertet. Dabei wurde betrachtet, ob die Patienten eine vollkommene Anfallsfreiheit gemäß Engel Ia oder eine mindestens einjährige Anfallsfreiheit im postoperativen Verlauf erzielen konnten. 45,2% der Patienten erreichten mithilfe des epilepsiechirurgischen Eingriffs und einer eventuellen postoperativen medikamentösen Therapie das bestmögliche Outcome nach Engel Ia. Als signifikante Prädiktoren für ein Engel Ia Outcome wurden in der vorliegenden Studie eine bestehende Pharmakoresistenz, regionale Spikes, die Anzahl der direkt vor der Operation eingenommenen Antikonvulsiva sowie die bis zum Absetzen der Medikation vergangenen Jahre identifiziert. Ein Trend war für den Mittelwert der Anfälle pro Monat, das Vorliegen des Risikofaktors Fieberkrämpfe und den Anfallsursprung erkennbar. 67,8% der Patienten blieben postoperativ mindestens ein Jahr anfallsfrei. Einen signifikanten Einfluss darauf hatten das Geschlecht, der monatliche Mittelwert der An-fälle vor der Operation, konkordante Ergebnisse prächirurgischer Diagnostik, die Anzahl präoperativ eingenommener Antikonvulsiva sowie die Jahre, die bis zum Absetzversuch vergingen. Für die Dauer der Epilepsie vor der Operation und den Anfallsursprung wurde ein Trendeffekt identifiziert. 62,7% der Patienten unternahmen einen Reduktionsversuch, welcher bei 58,5% der Patienten mit Reduktionsversuch erfolgreich war. Rezidivanfälle nach einem Reduktionsversuch waren bei kürzer Dauer bis zum postoperativen Absetzen der Antikonvulsiva und dem Vorliegen von Fieberkrämpfen wahrscheinlich. Ein negativer Trend war insbesondere für multiregionale ETPs im präoperativen EEG erkennbar. 23,6% der Patienten unternahmen einen kompletten Absetzversuch, wobei 76,8% von keinen erneuten Anfällen nach Absetzen der antikonvulsiven Einnahme berichteten. Der Erfolg des Absetzversuchs wurde signifikant determiniert durch das Vor-liegen von Fieberkrämpfen. Die Seite der epileptogenen Zone zeigte einen Trend. Die aufgestellten Prognosemodelle können die Wahrscheinlichkeit für ein bestimmtes Outcome von Patienten mit oder ohne Medikamentenreduktion vorhersagen und somit vor dem epilepsiechirurgischen Eingriff evaluieren, wie groß das Erfolgspotential einer Operation für den Patienten ist. Das ermittelte logistische Regressionsmodell prognostiziert für Patienten mit multiregionalen ETPs und steigender Anzahl präoperativ eingenommener Antikonvulsiva eine geringere Wahrscheinlichkeit für ein Engel Ia Outcome. Die Wahrscheinlichkeit für eine mindestens einjährige Anfallsfreiheit nach der Operation lässt sich mithilfe der Anzahl präoperativer Medikamente (negativer Einfluss), der Konkordanz der Ergebnisse von EEG und MRT (positiver Einfluss), und dem Mittelwert der Anfälle pro Monat (negativer Einfluss) vorhersagen. Für die Prognose des Reduktionserfolgs haben die bis zum Absetzen der Medikation vergangenen Jahre sowie der Risikofaktor Fieberkrämpfe eine zentrale Bedeutung. Ein erfolgreicher Reduktionsversuch ist wahrscheinlicher für Patienten ohne Fieberkrämpfe und mit einer längeren Dauer bis zum Absetzen der Antikonvulsiva. Trotz monozentrischer Durchführung wird in der vorliegenden Untersuchung eine hohe Fallzahl und ein heterogenes Patientenkollektiv erreicht, was valide Ergebnisse zu Tage fördert, die für Epilepsiezentren von praktischer Relevanz sind.

Summary:
The present study was based on a retrospective analysis of medical records of 292 patients who underwent resection from 1998 to 2015 at University Medical Center Gießen/Marburg and participated in follow-up examinations 6 months, 1 year, 2 years and 5 years after epilepsy surgery. Engel Class Ia and seizure freedom for at least one year after surgery were considered as outcome parameters. In total 42,5% of patients had an Engel Class Ia outcome after epilepsy surgery. A drug resistant epilepsy, regional spikes, number of preoperative antiepileptic drugs and years until withdrawal of antiepileptic drugs showed a significant effect on Engel Class Ia outcome. A trend was identified for mean of preoperative seizure frequency per month, febrile seizures and region of seizure onset. A higher number (67,8% of patients) remained seizure free for at least one year after resection. Gender, mean of monthly seizure frequency, concordance of presurgical evaluations, number of preoperative antiepileptic drugs and time to discon-tinuation of drug treatment showed a significant relation to one-year seizure freedom of patients. After surgery 62,7% of patients tried to reduce antiepileptic drugs, with 58,5% of them remaining seizure free after drug reduction. Recurrence of seizures depended significantly on years to drug withdrawal and presence of febrile seizures. A negative trend was detected especially for multiregional spikes in preoperative EEG. Of the 23,6% patients who completely discontinued drugs, 76,8% remained seizure free and had a successful reduction attempt. The study identified febrile seizures as a favorable prognostic indicator for postwithdrawal seizure freedom. The side of the epileptic zone showed a trend. The present study is able to predict the likelihood of a specific outcome for patients with or without reduction of antiepileptic drugs, allowing epilepsy centers to individually evaluate the potential for success of epilepsy surgery prior to operation. Logistic regression was performed using Engel Class Ia, one year postsurgical seizure-freedom and success of antiepileptic drug reduction or withdrawal as potential outcomes. The logistic regression model forecasts a lower probability to become Engel Class Ia for patients with multiregional spikes and a high number of preoperative drugs. The likelihood to remain seizure free for at least one year after surgery is lower for patients with a higher number of drugs used prior to surgery, inconsistent results in EEG and MRT and a higher mean of monthly preoperative seizures. To predict the likelihood for a successful drug reduction the time to discontinue drug use and febrile seizures were significant prognostic factors. The probability increased with a longer time until discontinuation and decreased for patients with febrile seizures. Despite the monocentric procedure the study reaches a large sample size and a heterogeneous patient population fostering valid results with high clinical relevance.


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