Publikationsserver der Universitätsbibliothek Marburg

Titel:Cause and Effect in Victim Sensitivity: Analyses of Associated Social-Cognitive Processes
Autor:Buchholz, Merle
Weitere Beteiligte: Gollwitzer, Mario (Prof. Dr.)
Veröffentlicht:2021
URI:https://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2021/0115
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2021-01157
DOI: https://doi.org/10.17192/z2021.0115
DDC:150 Psychologie
Publikationsdatum:2021-04-21
Lizenz:https://rightsstatements.org/vocab/InC-NC/1.0/

Dokument

Schlagwörter:
Opfersensitivität, justice sensitivity, sozial-kognitive Prozesse, Soziale Gerechtigkeitsforschung, social-cognitive processes, Gerechtigkeitssensitivität, victim sensitivity, social justice research

Summary:
Victim sensitivity (VS) – as one facet of justice sensitivity – is conceptualized as a personality disposition reflecting a combination of a strong need to trust others together with a latent expectation that other people are malevolent and untrustworthy. Previous research has linked victim sensitivity to a wide range of emotional and conduct problems that affect the respective individual as well as its social environment. However, there is still a lack of knowledge about how exactly VS shapes information processing and behavior. This thesis adopts a social-cognitive perspective on victim sensitivity in order to gain a more complete understanding of the psychological processes that drive victim-sensitive people’s reactions. To analyze underlying causes and effects, four studies were conducted that used timely and highly state-of-the-art procedures (e.g., eye tracking or virtual reality technology). Two important conclusions can be drawn from this research: first, the results confirm once again that victim sensitivity shapes emotions, cognitions, and behavior in a dysfunctional way. More specifically, the results suggested that VS is associated with hostile information processing (Study II) and contributes to even pathological forms of interpersonal dysfunction (Study I). Second, however, the present research also illustrates that it is possible to alleviate any adverse consequences of victim sensitivity. Study III, for example, found that individuals high in VS are able to overcome their habitual distrust if a sense of control is reestablished. In addition, Study IV demonstrated that persons high in VS allocate preferential attention toward information violating their negative social expectations, which might reduce these expectations in the long run. Taken together, the research described in this thesis extends our knowledge about social-cognitive and motivational processes underlying victim sensitivity and therefore has important implications for research on justice-related personality dispositions.

Zusammenfassung:
Opfersensibilität (OS) – als eine Facette der Gerechtigkeitssensibilität – wird als Persönlichkeitsdisposition konzeptualisiert, welche eine Kombination aus einem starken Vertrauensmotiv sowie einer latenten Erwartung, dass andere Menschen böswillig und vertrauensunwürdig sind, widerspiegelt. Frühere Forschung hat Opfersensibilität mit einer Vielzahl von emotionalen und Verhaltensproblemen in Verbindung gebracht, die sowohl Auswirkungen auf das jeweilige Individuum als auch auf sein soziales Umfeld haben. Bislang mangelt es allerdings noch an Wissen darüber, wie genau OS die Informationsverarbeitung und das Verhalten prägt. In dieser Dissertation wird eine sozial-kognitive Perspektive auf Opfersensibilität eingenommen, um ein umfassenderes Verständnis der psychologischen Prozesse zu erlangen, die die Reaktionen opfersensibler Menschen formen. Um die zugrundeliegenden Ursachen und Wirkungen zu analysieren, wurden vier Studien durchgeführt, die hochmoderne Verfahren (z.B. Eye-Tracking oder Virtual-Reality-Technologie) verwendeten. Zwei wichtige Schlussfolgerungen können aus dieser Forschung gezogen werden: Erstens bestätigen die Ergebnisse, dass Opfersensibilität Emotionen, Kognitionen und Verhalten in einer dysfunktionalen Art und Weise beeinflusst. Insbesondere legen die Ergebnisse nahe, dass OS mit feindseliger Informationsverarbeitung (Studie II) assoziiert ist und sogar zu pathologischen Formen zwischenmenschlicher Dysfunktion beiträgt (Studie I). Zweitens zeigt die vorliegende Untersuchung allerdings auch, dass es möglich ist, die negativen Folgen von Opfersensibilität abzuschwächen. So wurde in Studie III festgestellt, dass Personen mit hoher OS in der Lage sind, ihr habituelles Misstrauen zu überwinden, wenn ein Gefühl der Kontrolle wiederhergestellt wird. Darüber hinaus konnte in Studie IV gezeigt werden, dass Personen mit hoher OS ihre Aufmerksamkeit bevorzugt auf Informationen richten, die ihre negativen sozialen Erwartungen verletzen, was diese Erwartungen langfristig reduzieren könnte. Zusammengenommen erweitert die in dieser Arbeit beschriebene Forschung unser Wissen über sozial-kognitive und motivationale Prozesse, die der Opfersensibilität zugrunde liegen und hat daher wichtige Implikationen für die Forschung zu gerechtigkeitsbezogenen Persönlichkeitsdispositionen.


* Das Dokument ist im Internet frei zugänglich - Hinweise zu den Nutzungsrechten