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Titel:Emotionen in Kambodscha in der Vergangenheitsaufarbeitung der Khmer Rouge Zeit
Autor:Suon-Szabo, Stephanie
Weitere Beteiligte: Halbmayer, Ernst (Prof. Dr.), Bonacker, Thorsten (Prof. Dr.)
Veröffentlicht:2020
URI:https://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2021/0097
DOI: https://doi.org/10.17192/z2021.0097
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2021-00978
DDC: Sozialwissenschaften, Soziologie
Publikationsdatum:2021-03-10
Lizenz:https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0

Dokument

Schlagwörter:
ECCC, Cambodia, emotions, participant observation, Ethnologie, Khmer Rouge, Transitional Justice, ECCC, Khmer Rouge, Kambodscha, field research, anthropology, Emotionen, Transitional Justice, Feldforschung,

Zusammenfassung:
Das Ziel der vorliegenden Dissertation ist es Emotionen in Kambodscha in der Vergangenheitsaufarbeitung der Khmer Rouge Zeit (1975-1979) zu untersuchen. Dafür wurden in zwei Feldaufenthalten in Kambodscha (2016, 2018) Interviews mit Überlebenden der Khmer Rouge Zeit in dem ländlich gelegenen Dorf Phum aufgenommen, deren thematischer Schwerpunkt auf den Erlebnissen der Interviewpartner*innen zur Zeit der Khmer Rouge lag. Durch die Methode der teilnehmenden Beobachtung konnte nicht nur eine Vertrauensbasis zu dem Forschungsfeld aufgebaut werden, sondern auch Mimik und Gestik, welche in Zusammenhang mit Emotionen steht, beobachtet werden. Die aufgenommen Interviews wurden nach der Transkription in Hinblick auf Emotionen analysiert. Die während der Forschung festgestellten Emotionen werden in dieser Arbeit beschrieben, kontextualisiert und analysiert, wodurch ein Beitrag zu der Forschung in Kambodscha und insbesondere zu Emotionen geliefert wurde. Die Forschungsergebnisse zeigen den Charakter und die Dimensionen von Emotionen in Kambodscha in Zusammenhang mit der Khmer Rouge Zeit. Außerdem geben sie Aufschluss darüber, wie weit die Khmer Rouge Zeit von den Forschungsteilnehmer*innen emotional aufgearbeitet wurde. Drittens stellen sie heraus wie wichtig die Temporalität von Emotionen in dem Forschungskontext ist und zeigen, dass die gesellschaftliche Aufarbeitung der Khmer Rouge Vergangenheit in starkem Gegensatz zu der rechtlichen Aufarbeitung in den Extraordinary Chambers in the Courts of Cambodia (ECCC) steht. Des Weiteren heben sie die Wichtigkeit der Einbeziehung von buddhistischen (u.a. Karma) und kambodschanischen (u.a. mien muk, mien moat; sangsoek) Konzepten für die Analyse von Emotionen hervor. Die Ergebnisse liefern somit einen Beitrag zu der international geprägten Debatte rund um die Institution der ECCC, welche kambodschanische Normen, Werte und Konzepte der Vergangenheitsaufarbeitung nicht mit einbezieht. Schließlich werden neue Ansätze zum Umgang mit Überlebenden der Khmer Rouge Zeit ebenso vorgeschlagen, wie die Optimierung bestehender Therapieformen von lokalen Anbietern von psychischer Gesundheit.

Summary:
The aim of this dissertation is to investigate emotions in Cambodia using participants’ reflections of the Khmer Rouge period (1975-1979). For this purpose, interviews with survivors of the Khmer Rouge period in the rural village of Phum2 were recorded in two field visits to Cambodia (2016, 2018). The participant observation method was used to build a basis of trust, which also made available the observation of facial expressions and gestures for analysis. The recorded interviews were transcribed and analyzed for emotional content. The emotions identified during the research are described, contextualized and analyzed in this work, which contributes to research on Cambodia – particularly to the emic expression of emotions. The research results show the character and dimensions of emotions by Cambodians against the backdrop of the Khmer Rouge period. Next, the results provide information about how far the Khmer Rouge period has been emotionally processed by the research participants. Third, the results highlight the temporality of emotions in the research context and demonstrate that the incidence of personal and social recollection of the Khmer Rouge period contrasts sharply with the investigation of legal recollection by the Extraordinary Chambers in the Courts of Cambodia (ECCC). The results also highlight the importance of Buddhist (i.a. karma) and Cambodian (e.g. mien muk, mien moat; sangsoek) concepts for the analysis of emotions. In conclusion, the results thus contribute to the internationally framed debate surrounding the institution of the ECCC, which is often criticized for excluding Cambodian norms and values for dealing with the past. Finally, novel approaches to treating survivors of the Khmer Rouge are presented as well as suggestions for the optimization of existing forms of therapy by local mental health providers.


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