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Titel:Eine Erhebung der Motivation zur studentischen Lehre, des Burnout-Risikos und der Arbeitszufriedenheit bei Hausärzten im ländlichen Raum
Autor:Schwaffertz, Annette
Weitere Beteiligte: Becker, Annette (Prof. Dr. med. )
Veröffentlicht:2021
URI:https://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2021/0039
DOI: https://doi.org/10.17192/z2021.0039
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2021-00393
DDC: Medizin
Publikationsdatum:2021-02-15
Lizenz:https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0

Dokument

Schlagwörter:
Burnout, Hausärztemangel im ländlichen Raum, Ärztemangel, Allgemeinmedizin, teaching, berufliche Perspektive, Burnout-Risiko, Arbeitszufriedenheit, burnout risk, Arbeitszufriedenheit, ländlicher Raum, job perspective, shortage of GPs in rural areas, Survey, studentische Lehre, work satisfaction, Survey, studentische Lehre, questionnaire development, survey, Fragebogenentwicklung

Zusammenfassung:
Hintergrund: Im ländlichen Bereich stellt der Hausärztemangel ein schon heute gravierendes und vor allem progredientes Problem dar. Lösungsansätze schließen die Ausbildung von Medizinstudierenden in ländlichen Regionen ebenso ein, wie eine Stärkung des Faches Allgemeinmedizin im Medizinstudium (Masterplan 2020). Auf Hausärzte in diesen Regionen kommen somit ggf. neue Aufgaben zu, so dass eine Betrachtung der Motivation zur Teilnahme an der studentischen Lehre, des Burnout-Risikos, der Arbeitszufriedenheit, sowie beruflichen Perspektive in einer Musterregion mit entsprechenden Strukturmerkmalen durchgeführt wurde. Methoden: In der Region Siegen-Wittgenstein (Nordrhein-Westfalen, NRW) wurde die Studie HaMedSi („Hausärzte für Medizinerausbildung in Siegen-Wittgenstein“) durchgeführt. Hier wurden alle niedergelassenen Hausärztinnen und Hausärzte des Kreises zur Teilnahme an dem Survey eingeladen, wobei neben demographischen Strukturmerkmalen auch die Arbeitszufriedenheit (WSQ-D), das Burnout-Risiko (MBI-D), die berufliche Perspektive, sowie die Lehrmotivation ermittelt wurden. Zur Bestimmung der letztgenannten wurde ein Fragebogen entwickelt („Motivation of Medical Education Questionnaire, MoME-Q). Ergebnisse: Mit n=85 von158 Hausärztinnen und Hausärzten (53,8%) nahm ein repräsentativer Teil an der Studie teil. Bzgl. der Motivation zur Teilnahme an der studentischen Lehre konnte der Fragebogen von initial 28 auf 24 Fragen reduziert werden. Die zunächst angenommene 4-Faktoren-Struktur stellte sich als Zwei-Faktoren-Modell heraus mit den Faktoren „Commitment“ und „Persönlicher Nutzen“. Es zeigte sich, dass Ärzte mit Nichtärztlichen Praxisassistentinnen (NäPas) und Ärzte mit Vorerfahrung ein höheres Engagement im Hinblick auf die studentische Lehre aufweisen. Bzgl. des Burnout-Risikos wiesen 12% der Studienteilnehmer ein hohes Maß an emotionaler Erschöpfung, 13% ein hohes Maß an Depersonalisation und 26% ein niedriges Maß an persönlicher Leistungsfähigkeit auf. Im Hinblick auf die Arbeitszufriedenheit korrelierte die Wochenarbeitszeit signifikant mit der Subskala „Belastung“. Bzgl. der beruflichen Perspektive und tatsächlichen Versorgungsrealität zeigt sich, dass knapp die Hälfte der Ärzte älter als 55 Jahre ist und in den meisten Fällen keine konkreten Konzepte zur Fortführung der Praxis bestehen bzw. die Bemühungen Nachfolge zu finden oftmals schon aufgegeben wurden. Diskussion: Es konnte eine komplette Population an Hausärzten in einem begrenzten geografischen Gebiet befragt werden. In dem Zusammenhang wurde ein Fragebogen zur Motivation zur Teilnahme an der studentischen Lehre entwickelt, erprobt und modifiziert. Eine Validierung des Instruments an einer weiteren Kohorte ist notwendig und in einem nächsten Schritt geplant. Ebenso gelang es das Burnout-Risiko und die Arbeitszufriedenheit von Hausärzten zu ermitteln und mit demographischen Strukturmerkmalen zu korrelieren. Hierbei zeigten sich bestimmte Risikogruppen und Konstellationen, für die nun bestimmte maßgeschneiderte Interventionen erdacht und durchgeführt werden könnten. Die Befragung nach der beruflichen Perspektive zeigte, dass das System nur noch dadurch funktioniert, dass viele Hausärztinnen und Hausärzte über die Renteneintrittsgrenze hinaus arbeiten. Die demographische Entwicklung wird die präkäre Versorgungslage vermutlich weiter verschärfen.  

Summary:
Background: In rural areas, the shortage of general practitioners (GPs) is a serious and progressive problem nowadays. Solutions include the training of medical students in those rural regions as well as the strengthening of general practice in medical curriculum (Master Plan 2020). GPs in these regions may thus be faced with new tasks, so that the motivation to participate in medical education, the burnout risk, job satisfaction, as well as occupational perspective were investigated in a model region with corresponding structural characteristics. Methods: In the district of Siegen-Wittgenstein (North Rhine-Westphalia) the study HaMedSi ("GPs for Medical Education in Siegen-Wittgenstein) was carried out. All general practitioners were invited to take part in the study. In addition to demographic structural characteristics, work satisfaction (WSQ), burnout risk (MBI-D), occupational perspectives and teaching motivation were investigated. Furthermore, a new questionnaire ("Motivation of Medical Education Questionnaire”, MoME-Q) was developed to determine teaching motivation. Results: With n=85 of 158 GPs (53.8%) a representative proportion took part in the study. With regard to the motivation to participate in student teaching, the questionnaire was reduced from initially 28 to 24 questions. The initially assumed 4-factor structure turned out to be a two-factor model with the factors "commitment" and "personal benefit". It turned out that physicians with practice assistants and physicians with previous experience in teaching showed a higher commitment. Regarding the burnout risk, 12% of the study participants showed a high degree of emotional exhaustion, 13% a high degree of depersonalization and 26% a low degree of personal accomplishment. With regard to job satisfaction, weekly working hours correlated significantly with the subscale "burden". Regarding the occupational perspective and actual care reality, it can be seen that almost half of the physicians are older than 55 years and in many cases there are no concrete concepts for continuing the practice or the efforts to find a successor have often already been stopped. Discussion: It was possible to investigate a complete population of general practitioners in a limited geographical area. In this context, a questionnaire was developed, tested and modified to assess the motivation to participate in medical education. A validation of the instrument at another cohort is planned in a next step. It was also possible to determine the burnout risk and job satisfaction of GPs and to correlate them with demographic structural characteristics. This revealed certain risk groups and constellations for which certain tailor-made interventions now could be developed and carried out. The results regarding the occupational perspective showed that the system only works if many GPs work beyond the retirement age. The demographic change will presumably further aggravate the precarious situation.  


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