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Titel:Narrative Identitätsentwürfe. Erzählen zwischen Vermittlung und Selbstbefragung in Thomas Manns "Joseph und seine Brüder" und "Doktor Faustus"
Autor:Wißmach, Friederike
Weitere Beteiligte: Strobel, Jochen (Apl. Prof. Dr.)
Veröffentlicht:2020
URI:https://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2020/0083
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2020-00833
DOI: https://doi.org/10.17192/z2020.0083
DDC: Deutsche Literatur
Publikationsdatum:2020-03-03
Lizenz:https://rightsstatements.org/vocab/InC-NC/1.0/

Dokument

Schlagwörter:
self-reflection, Postkoloniale Erzähltheorie, self-reference, Mythos, Sinnstiftung, Metanarration, Plurality of interpretations, Moderne, Narration, historical biographical narratives, historisch-biografisches Erzählen, Selbstreflexivität, Myth, Deutungsvielfalt, Metafiktion, Hybridität, Thomas Mann

Zusammenfassung:
Die Untersuchung beleuchtet die erzählerische Gestaltung von kultureller Identität und untersucht Verfahrensweisen der Romane, die am Entwurf von Geschichtsbildern und Identitätsentwürfen teilhaben. Um Formen der Problematisierung von Geschichtserzählungen und damit einhergehende Selbst- und Fremdbeschreibungen freizulegen, nimmt diese Re-lektüre das Verhältnis zwischen erzählerischer Vermittlung und Techniken der Reflexion in den Fokus. Der Theorieteil legt die diskurskritische Perspektivierung der Studie dar, die unter Bezugnahme auf geschichtsphilosophische, narratologische und postkoloniale Ansätze entwickelt wird. Dabei stützt sich die Methodik u.a. auf Paul Ricœur, Homi K. Bhabha, um die Bedingtheit von Sinnstiftung durch Narration und die Geltung von Narrativen für die Identitätsbildung darzulegen. Indem sich beide Werke eines biographischen Erzählgerüsts bedienen, wird das Verhältnis von Identität und Geschichtsentwurf zu einem zentralen Moment der Erzählkomposition. Aus kulturwissenschaftlich-narratologischem Perspektive zeigt sich das Verhältnis von Identität und Geschichte als ein zentrales Thema der Werke. Die Arbeit geht von einem, dem historisch-biographischen Erzählen geschuldeten Repräsentanzproblem aus. Überprüft werden die Engführung von individuellen und kollektiven historischen Sinnzusammenhängen und deren konfligierende Prämissen aufgezeigt. Indem sie den Fokus auf Inkongruenzen und Widersprüchlichkeiten legt, knüpft die Untersuchung an die jüngere Thomas Mann-Forschung an, die den Autor als modern profiliert. Inwieweit die Erzählinstanzen ein poetologisches Programm formulieren, das das historisch-biografische Erzählen im Roman reflektiert, ist eine zentrale Fragestellung der Untersuchung. An beiden Texten werden die spezifischen Formen der Metanarration und Metafiktion auf ihre Wirkung hin untersucht. Das Verhältnis zwischen discours und histoire wird erkennbar als ein hochdynamisches Wechselspiel, das die Ästhetik der Werke entscheidend prägt. Die Analyse legt die Erzählarchitektur der Werke frei, um anschließend den Blick auf die jeweiligen Besonderheiten und Schwachstellen in der erzählerischen Konstruktion zu richten. Kritisch werden Strategien der Deutung, Leserlenkung wie der Legitimation des Erzählens betrachtet. Die Arbeit schließt an Erkenntnisinteressen der postkolonialen Erzähltheorie und ein antiessentialistisches Identitätskonzept an. Die Begriffe der Dezentrierung und Hybridität werden als narratologische Konzepte erprobt, um die in den Werken präsenten Auslegungsmuster und ihre Gleichzeitigkeit zu konturieren.

Summary:
The study focuses on the narrative formation of cultural identity and examines the novels‘ techniques which contribute to the depiction of history and identity. In order to reveal the forms of criticizing historical narratives which go with stories of the Self and the Other, the analysis concentrates on the relation of narrative representation and the story and on strategies of self-reflection. The theoretical part develops a discourse critical perspective taking historiophilosophical, narratological and postcolonial concepts into account. Methodologically it follows Paul Ricour and Homi K. Phabha among others to describe the semantic conditions of conferring meaning by means of narration on the one hand, and the importance of narratives in terms of identity formation on the other. The way both works use a biografic structure makes the relation between identity and history a crucial moment in their narrative composition. From a cultural- narratological point of view the connection of identity and the depiction of history becomes a main theme of "Joseph und seine Brüder" and "Doktor Faustus". The second hypothesis follows the idea of a representation problem resulting from the coexistence of historical and biographical narration. Consequently conflicting strategies which serve to parralel individual and collective narratives are questioned and their divergent premises analyzed. Concentrating on contradiction the approach follows earlier results of the younger Thomas Mann studies that view him as a modernist author. The study sets out to investigate a poetological concept expressed by the self-referencial narrators, which includes the analysis of different kinds of metanarrative and metafictional commentary present and their effects. It can be shown that the highly dynamic interplay of discours and histoire decisively generates the aesthetic qualities of the works in question. The study examines the narrative construction with the intention to highlight the specific qualities and problems. Strategies of interpretation, reader guidance and the narrator’s justification are being criticized. The study follows the anti-essentialist postcolonial view of a concept of identity. Therefor the terms of decentralization and hybridity are employed as narrative concepts to describe the diverging yet concurrent explanatory models and interpretations.


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