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Titel: Kognition, Emotion und Verhaltensaspekte bei Medizinstudenten mit psychopathischen Verhaltensauffälligkeiten
Autor: Suleiman, Dina
Weitere Beteiligte: Thieme, Kati (Prof. Dr. )
Veröffentlicht: 2017
URI: https://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2017/0760
DOI: https://doi.org/10.17192/z2017.0760
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2017-07606
DDC: 610 Medizin, Gesundheit
Titel(trans.): Cognition, emotion and behavioral aspects in medical students with psychopathic tendencies
Publikationsdatum: 2017-12-19
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0

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Zusammenfassung:
Psychopathie unter Studierenden ist ein relevantes Thema für das Miteinander zwischen Studierenden, für die Arzt-Patienten-Beziehung und für die Zusammenarbeit innerhalb eines medizinischen Teams. In Deutschland ist dieses sensible Thema aber weitestgehend unerforscht. In der vorliegenden Studie wurde überprüft, ob es mit Hilfe einer standardisierten Verhaltensbeobachtung möglich ist, Medizinstudierende mit psychopathischen Auffälligkeiten zu detektieren und die Selbsteinschätzung dieser Studierenden anhand eines Fragebogens zu überprüfen. Zudem war von Interesse, ob Studierende mit psychopathischen Auffälligkeiten in der Lage sind, sich nach einem Selbstsicherheitstraining im Gespräch mit einem Patienten empathischer zu verhalten. Zusätzlich war die Frage nach Spezifität und Sensitivität des verwendeten Kodierschemas von großem Interesse, ergänzt durch die Suche nach geeigneten Psychopathie-Kriterien, mit dem Ziel einer sinnvollen Reduktion des Kodierschemas. Es wurden 343 Studierende aus dem ersten und dritten Fachsemester Humanmedizin an der Philipps-Universität Marburg zu zwei Messzeitpunkten untersucht. Die Untersuchung erfolgte mit Hilfe einer acht minütigen standardisierten Verhaltensbeobachtung eines Patienten-Simulationsgespräches. Entsprechend unserer Hypothesen ergab die Untersuchung psychopathische Auffälligkeiten bei Medizinstudierenden (17,2 %, N = 59). Diese Studierenden waren nur eingeschränkt in der Lage, ihr Verhalten nach SST zu verändern. Empathisches Verhalten konnte nicht erlernt werden. In Bezug auf unsere methodische Fragestellung konnte für das Kodierschema eine Sensitivität von 0,49 und eine Spezifität von 0,93 ermittelt werden. Durch die Berechnung der Trennschärfe lässt sich der Kriterienkatalog um drei Kriterien sinnvoll reduzieren: Manipulation, aufbrausende Impulsivität und Dominanz. Der durch die Studie erbrachte Nachweis von psychopathischen Auffälligkeiten bei Studierenden der Medizin kann die Entwicklung von „Codes of business/medical Ethics“ fördern. Zukünftige Studien könnten Kriterien zur gezielten Auswahl von Bewerbern für den Studiengang der Humanmedizin erarbeiten. Unser Kriterienkatalog könnte dazu einen wertvollen Beitrag leisten.

Summary:
Psychopathy in medical students and doctors strongly effects medical school success, the doctor-patient relationship, and the quality of collaboration in medical teams. However in Germany, this sensitive topic is rarely investigated. The present study compared standardized behavioral observations of medical students for psychopathic tendencies (PT) to self-assessment through a questionnaire. It further was investigated if PT students, after self-assertiveness training (SST), increased their empathy in a patient conversation. Medical school students (n = 343) at the Philipps-University Marburg were assessed in the 1st and 3rd semester. An 8-minute standardized behavioral observation of conversation with a patient-actor was made. A coding scheme which both specificity and sensitivity as well as PT criteria was developed. The study revealed PT in medical students (17.2 %, N = 59). SST had only a limited impact and empathic behavior could not be learned. Importantly, a sensitivity of 0.49 and a specificity of 0.93 resulted from the coding scheme allowed a high empathy categorization. Through the selectivity calculation, a reduction to 3 PT criteria was possible, namely manipulation, quick-tempered impulsivity, and dominance. This study showed medical student PT and the need for “Codes of business/medical Ethics“. Future studies should determine if these PT criteria can be developed to help select medical school applicants.


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