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Titel: Datenbankbasierte epidemiologische retrospektive Untersuchung zu Risikofaktoren für Frakturen
Autor: Dombrowski, Silvia Isabella
Weitere Beteiligte: Kostev, Karel (Prof. Dr.)
Veröffentlicht: 2017
URI: https://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2017/0613
DOI: https://doi.org/10.17192/z2017.0613
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2017-06135
DDC: Medizin, Gesundheit
Titel(trans.): Database based epidemiological retrospective investigation of fracturerisk factors
Publikationsdatum: 2017-10-29
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0

Dokument

Schlagwörter:
oral contraception, Dipeptidyl peptidase-4 inhibitoren, Diabetes mellitus, Dipeptidyl peptidase-4 inhibitors, orale Kontrazeptiva, Verhütung, Risiko, Knochenbruch

Zusammenfassung:
Das Ziel der vorliegenden Arbeit war es (i) das Risiko von Knochenbrüchen nach einer vorausgegangen Einnahme oraler Kontrazeptiva im Vergleich mit Frauen, die niemals orale Kontrazeptiva eingenommen hatten, zu untersuchen und (ii) den Einfluss von Dipeptidyl Peptidase-4 Inhibitoren (DPP-4i) zusätzlich zu einer initialen Metformin-Therapie auf das Risiko eines Knochenbruchs bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 (T2DM) in Deutschland auszuwerten. Die Dissertation basiert auf zwei Artikeln, die im „Osteoporosis International“ publiziert worden sind. Die orale hormonelle Verhütungsmethode ist die beliebteste und am häufigsten angewandte Verhütungsmethode: 28 % der 16-49 jährigen Frauen in Großbritannien entschieden sich 2015 für diese Methode der Verhütung. Orale Kontrazeptiva (OK) gelten als sicherste, bekannteste und einfach anwendbare Verhütungsmethode, die außer zur Vermeidung einer ungewollten Schwangerschaft auch in anderen Bereichen wie zur Behandlung von Akne oder Endometriose eingesetzt wird. Vorliegende Studien lieferten unterscheidende Ergebnisse hinsichtlich des Einflusses von hormonellen Verhütungsmitteln. Während einige Publikationen eine mögliche positive Auswirkung auf Knochendichte durch orale Kontrazeptiva bezüglich Frakturrisiko aufzeigten, war bei anderen Studien ein erhöhtes Risiko von Osteoporose und Knochenbrüchen in Verbindung mit oralen Kontrazeptiva zu sehen. Diabetes zählt zu den weltweit häufigsten chronischen Erkrankungen. Insgesamt leiden 8 % der globalen Bevölkerung daran. In Deutschland wird die Prävalenz, als Erwachsener an Diabetes zu erkranken, auf 10,6 % geschätzt. Die Anzahl der Todesfälle, die mit Diabetes in Verbindung gebracht werden, liegt bei ungefähr 55.000 und die Kosten pro Person belaufen sich auf $5.300. Aus diesen Gründen ist Diabetes von entscheidender Bedeutung hinsichtlich gesundheitlicher und ökonomischer Aspekte. Bekannterweise haben Diabetes mellitus Typ 2 Patienten ein höheres Risiko, einen Knochenbruch zu erleiden. Dies kann zum einen daran liegen, dass Begleiterkrankungen, die mit Diabetes mellitus einhergehen (z.B. Retinopathie oder Neuropathie), eine erhöhte Sturzgefahr nach sich ziehen, zum anderen aber, dass Hyperglykämien zu Veränderungen des Knochengewebes führen, die wiederum in erhöhter Instabilität der Knochen und erhöhtem Osteoporose-Risiko zum Ausdruck kommen. Existierende Studien zeigen bislang kontroverse Ergebnisse bezüglich des Einflusses von hormonellen Verhütungsmitteln auf ein Frakturrisiko als auch bezüglich des Zusammenhangs zwischen der DPP-4-Therapie und dem Frakturrisiko. Weitere Forschungsarbeit ist notwendig, um diese relevanten Gebiete besser zu verstehen. Beide Analysen wurden basierend auf den Daten des IMS Disease Analyzer (IMS DA®) durchgeführt. Der IMS DA® ist eine longitudinale Datenbank, in der die Arzt- und Patientendaten retrospektiv zur Verfügung stehen. Diagnosen (ICD 10), Verordnungen (Anatomical Therapeutic Chemical Classification (ATC)), Labordaten und demografische Informationen werden direkt aus dem Praxiscomputer in mehrfach anonymisierter Form übermittelt. Die Datenqualität und Validität werden durch zahlreiche Qualitätskriterien sichergestellt. Der Disease Analyzer war bereits Datengrundlage mehrerer Publikationen, unter anderem im Bereich Knochenbrüche. In der ersten Publikation – einer retrospektiven Fall - Kontroll - Studie – wurde bei 6,485 Frauen das Risiko der Knochenbrüche nach einer vorausgegangen Einnahme oraler Kontrazeptiva im Vergleich mit 6,485 Frauen, die niemals orale Kontrazeptiva eingenommen hatten, in Großbritannien in 135 hausärztlichen Praxen untersucht. Frauen, die keinen Knochenbruch erlitten hatten, hatten eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit früher eine Therapie mit oralen Kontrazeptiva eingenommen zu haben (OR 0,81). Das Frakturrisiko war abhängig von Alter der Frauen und Dauer der Einnahme. Ein signifikanter Effekt war am stärksten bei den 18-25 und 26-35-jährigen Frauen zu beobachten, die mindestens ein Jahr lang orale Kontrazeptiva verwendet hatten. Der zweite Artikel fand Hinweise darauf, dass bei Diabetes mellitus Typ 2 Patienten, die in Deutschland in einer Hausarztpraxis behandelt worden sind, eine Therapie mit DPP-4 im Vergleich zu einer reinen Metformin Therapie mit einem erniedrigtem Risiko, einen Knochenbruch zu erleiden, assoziiert worden ist. Innerhalb der ersten fünf Jahre nach initialer Metformin bzw. DPP-4-Verordnung erlitten 6,4 % der DPP-4- vs. 8,3 % der Kontroll-Patienten Knochenbrüche (log-rank p-Wert < 0,001). Abschließend lässt sich festhalten, dass beide Analysen zwei wichtige Einflussfaktoren identifizieren konnten, die mit einem erniedrigten Risiko, einen Knochenbruch zu erleiden, assoziiert worden sind.

Summary:
The aim of this work was (i) to compare the risk of bone fracture in women using hormonal contraception with that in women who have never used hormonal contraception in UK and (ii) to analyze the impact of dipeptidyl peptidase-4 inhibitor (DPP4i) use on the risk of bone fracture in patients diagnosed with type 2 diabetes mellitus (T2DM) in Germany. This dissertation is based upon two articles published in Osteoporosis International. The oral hormonal contraceptive is the most common method of contraception used by women, with 28 % of women aged 16–49 in the UK using it in 1015. Oral contraception (OC) is one of the safest, most easy-to-use contraceptives and is used not only to prevent unwanted pregnancy but also for treating skin disorders such as acne or gynecological diseases such as endometriosis. Existing studies have provided differing results when evaluating the impact of hormonal contraception. These include possible effects on bone mineral density (BMD), including a higher risk of osteoporosis and consequently fracture exposure. Diabetes is one of the most frequently occurring chronic disorders in the world, and more than 8% of the global population is affected by this condition. In Germany, the prevalence of diabetes in adults is estimated at around 10.6%, the number of related deaths at approximately 55,000, and the cost per person at $5,300. Therefore, diabetes has an important impact on both the health and the economy of this European country. Type 2 diabetes mellitus (T2DM) is known to be associated with an increase in the risk of developing bone fractures. This association may be explained by the fact that diabetes related comorbidities (i.e., retinopathy and neuropathy) lead to the occurrence of recurrent falls while hyperglycemia leads to an important alteration of bone tissues, indirectly resulting in increased bone fragility and osteoporosis. Evidence concerning bone changes associated with contraceptive use and the influence of diabetes treatment on fracture risk is still ambiguous. Further research is clearly still needed in this highly interesting and relevant medical area. Both analysis were performed on the IMS Disease Analyzer® database (DA IMS Health), which provides diagnoses, prescribed treatments, laboratory values, and demographic data obtained directly and in anonymous form from the computer systems used daily in the offices of participating doctors. The value of the data is monitored by means of numerous quality criteria that ensure that the database provides valuable information on diagnoses (ICD-10), prescriptions (Anatomical Therapeutic Chemical classification system (ATC)), and other medical records. Finally, this database has already been used in several studies focusing on fractures. The first study - a retrospective case-control analysis – compared 6,485 women with fractures and 6,485 women without fractures from 135 general practitioner offices in the UK. Women without bone fractures were statistically more likely to have been exposed to oral contraception (OR 0.81), depending on their age and therapy duration. This effect was strongest in the age groups 18–25 and 26–35 and in patients with an OC treatment duration of more than 1 year. The second work discovered, that in type 2 diabetes patients treated in German primary care practices, the use of dipeptidyl peptidase-4 inhibitor (DPP4i) in combination with metformin was associated with a significant decrease in the risk of developing bone fractures compared to metformin monotherapy. Within five years of the index date, 6.4% of users and 8.3% of non-users developed bone fractures (log-rank p-value < 0.001). Finally, as a conclusion, this work was able to identify two important impact factors, which are associated with a decrease in the risk of bone fracture.


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