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Titel:Aufmerksamkeitsbias bei Personen mit einer Störung durch Spielen von Internetspielen
Autor:Jeromin, Franziska
Weitere Beteiligte: Barke, Antonia (PD Dr.)
Veröffentlicht:2017
URI:https://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2017/0468
DOI: https://doi.org/10.17192/z2017.0468
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2017-04685
DDC:150 Psychologie
Titel(trans.):Attentional bias of persons with Internet Gaming Disorder (IDG)
Publikationsdatum:2018-01-08
Lizenz:https://rightsstatements.org/vocab/InC-NC/1.0/

Dokument

Schlagwörter:
Störung durch Spielen von Internetspielen, Aufmerksamkeitsbias, Internetexperiment

Zusammenfassung:
Die diagnostischen Kriterien für die Störung durch Spielen von Internetspielen (SSIS) basieren auf denen für die Störung durch Glücksspielen und Störungen durch Substanzkonsum. Es stellt sich die Frage, ob den Störungen auch vergleichbare aufrechterhaltende Mechanismen zugrunde liegen wie beispielsweise Entzugssymptome, eine Toleranzentwicklung oder ein Aufmerksamkeitsbias. Ein Aufmerksamkeitsbias manifestiert sich in einer verstärkten Aufmerksamkeitslenkung auf suchtbezogene Stimuli und ist ein robuster Befund bei Personen mit Abhängigkeiten und exzessiven Glücksspielern. In der vorliegenden Dissertation wurde untersucht, ob Personen mit einer SSIS einen Aufmerksamkeitsbias in Bezug auf computerbezogene Stimuli zeigen. In Studie 1 wurden die Gütekriterien eines Fragebogens zur Erfassung der SSIS anhand einer Stichprobe deutschsprachiger Internetspieler überprüft. Der Internet Gaming Disorder Questionnaire wies eine akzeptable interne Konsistenz und eine eindimensionale Faktorenstruktur auf. In Studie 2 wurde bei pathologischen Internetspielern und Nichtspielern der Aufmerksamkeitsbias in Bezug auf Computerstimuli mithilfe eines Suchtstroops und einer Visual Probe untersucht. In beiden Paradigmen wurde mithilfe von Reaktionszeiten indirekt auf einen Aufmerksamkeitsbias geschlossen. Im Suchtstroop sahen die Probanden computerbezogene und neutrale Wörter in randomisierter Wortfolge. Die pathologischen Internetspieler zeigten einen Aufmerksamkeitsbias; sie reagierten langsamer auf die computerbezogenen als auf die neutralen Wörter. In der Visual Probe sahen die Probanden computerbezogene und neutrale Bilder. Es wurde kein Aufmerksamkeitsbias gefunden; die pathologischen Internetspieler reagierten genauso schnell auf die computerbezogenen wie auf die neutralen Bilder. Die Studie wurde im Labor durchgeführt und es nahmen Studierende teil. Die Studien 3A und 3B wurden im Internet durchgeführt, um Studie 2 mit einer größeren und heterogeneren Stichprobe zu replizieren. In beiden Studien wurde bei Internetspielern mit einer SSIS, Internetspielern ohne eine SSIS und Nichtspielern der Aufmerksamkeitsbias in Bezug auf Computerstimuli mithilfe eines Suchtstroops untersucht. In Studie 3A zeigten Personen mit einer SSIS in einem Suchtstroop mit randomisierter Wortfolge keinen Aufmerksamkeitsbias. In Studie 3B wurde in einem Suchtstroop mit Blockdesign ebenfalls kein Bias gefunden. Alle Probanden in Studie 3B zeigten den Interferenzeffekt in einem Farbstroop; sie reagierten langsamer auf Farbwörter in einer inkongruenten Schriftfarbe als auf neutrale Wörter. Um zu überprüfen, ob die unterschiedlichen Ergebnisse in den Studien 2 und 3A sowie B auf die verschiedenen Durchführungsmodalitäten zurückgingen, wurde in Studie 4 die Äquivalenz von Reaktionszeitmessungen im Labor und im Internet mithilfe eines Farbstroops untersucht. Psychologiestudierende der Universität Marburg wurden im psychologischen Institut randomisiert auf zwei Gruppen aufgeteilt. Sie nahmen im Labor (Gruppe 1) oder an einem Ort ihrer Wahl über das Internet teil (Gruppe 2). Studierende anderer Fachrichtungen an unterschiedlichen Universitäten (Gruppe 3) und Personen aus der Allgemeinbevölkerung (Gruppe 4) nahmen ebenfalls an einem Ort ihrer Wahl über das Internet teil. Alle Gruppen zeigten den Stroop-Interferenzeffekt. Die Gruppen 3 und 4 hatten äquivalente Reaktionszeiten zu denen von Gruppe 1. Gruppe 2 reagierte langsamer und ihre Ergebnisse waren nicht äquivalent zu jenen von Gruppe 1. Möglicherweise waren die Probanden weniger motiviert als die in den anderen Gruppen, da sie unbeabsichtigt einen höheren Zeitaufwand hatten. In drei von vier Experimenten wurde keine Evidenz für den Aufmerksamkeitsbias bei Personen mit einer SSIS gefunden. Zwei davon wurden im Internet durchgeführt, was die Ergebnisse beeinflusst haben könnte. In Studie 4 wurden jedoch im Internet weitgehend äquivalente Reaktionszeiten zu denen im Labor gemessen. Die Experimente nutzten Reaktionszeiten als indirektes Maß für den Aufmerksamkeitsbias. Der Aufmerksamkeitsbias sollte in Studien mit direkten Maßen wie Blickbewegungsmessungen oder Elektroenzephalographie weiter untersucht werden.

Summary:
The diagnostic criteria for Internet Gaming Disorder (IGD) are based on those for Gambling Disorder and Substance Use Disorders. The question arises whether these disorders also share features in the maintenance such as an abstinence phenomenon, a development of tolerance or an attentional bias. An attentional bias manifests itself in an increased attention towards stimuli that are associated with a disorder and is a robust finding in people with addictions and excessive gamblers. In this dissertation it was investigated whether persons with an IGD would show an attentional bias towards computer-related stimuli. In study 1, the reliability and validity of a questionnaire that assesses IGD was investigated in a sample of German-speaking Internet gamers. The Internet Gaming Disorder Questionnaire had an acceptable internal consistency and a unidimensional factorial structure. In study 2, it was investigated whether pathological Internet gamers and non-gamers would show an attentional bias towards computer stimuli using an addiction Stroop and a visual probe. In both paradigms, reaction times served as an indirect indicator of an attentional bias. In the addiction Stroop, the participants saw computer-related and neutral words in a randomized word order. The pathological Internet gamers displayed an attentional bias in the addiction Stroop; they reacted more slowly to computer-related compared to neutral words. In the visual probe, the participants saw computer-related and neutral pictures. The visual probe did not result in an attentional bias; the pathological Internet gamers reacted exactly as fast to computer-related as to neutral pictures. The study was conducted in a laboratory and students took part. To replicate study 2 with a bigger and more heterogeneous sample, studies 3A and 3B were carried out on the Internet. In both studies, the attentional bias towards computer stimuli was examined in Internet gamers with an IGD, Internet gamers without an IGD, and non-gamers using an addiction Stroop. In study 3A, the persons with IGD did not display an attentional bias in an addiction Stroop with a randomized word order. In study 3B, they also did not display the bias in an addiction Stroop with a block design. All participants in study 3B showed the interference effect in a colour Stroop task; they reacted more slowly to colour words in an incongruent font colour than to neutral words. To investigate whether the different results in study 2, 3A, and B deemed from the varying implementation modalities, the equivalence of reaction times measured in the laboratory and on the Internet was investigated using a colour Stroop task in study 4. Psychology students of the University of Marburg were randomized into two groups at the psychological institute. They took part in the laboratory (group 1) or at a place of their choice via the Internet (group 2). Persons studying different subjects at other universities (group 3) and people from the general population (group 4) also took part at a place of their choice via the Internet. All groups displayed the Stroop interference effect. The reaction times of group 3 and 4 were equivalent to those of group 1. Group 2 reacted more slowly and their results were not equivalent to those of group 1. Possibly, the participants were less motivated than those in the other groups because they inadvertently had a higher expenditure of time. Three out of four experiments did not provide evidence for an attentional bias in people with an IGD. Two of those were conducted on the Internet which might have influenced the results. However, study 4 showed that the reaction times measured on the Internet were mostly equivalent to those obtained in the laboratory. All experiments used reaction times as an indirect measure for the attentional bias. The attentional bias should be investigated further with more direct measures such as eye tracking or electroencephalography.


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