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Titel:Auf der Grenze zwischen Religion und Wissenschaft, Philosophie und Theologie. Untersuchungen zur Position des Denkers bei Karl Jaspers und Paul Tillich
Autor:Salomon, Reinhard
Weitere Beteiligte: Lauster, Jörg (Prof. Dr.)
Veröffentlicht:2016
URI:https://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2017/0076
DOI: https://doi.org/10.17192/z2017.0076
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2017-00765
DDC: Religion, Religionsphilosophie
Titel(trans.):On the boundary between religion and science, philosophy and theology. Studies on the position of the thinking person in the works of Karl Jaspers and Paul Tillich
Publikationsdatum:2017-02-23
Lizenz:https://rightsstatements.org/vocab/InC-NC/1.0/

Dokument

Schlagwörter:
Profanes, Dämonisches, immanence and transcendence, Endlichkeit, Geisteswissensch, Freiheit, Denken, being, Unbedingtes, culture, faith and thinking, Erkenntnis, Chiffre, Autonomie, Essenz, Existenz, boundary, Paul Tillich, Angst, Karl Jaspers, Begrenztheit, Existenzphilosophie

Zusammenfassung:
Grenzen trennen und verbinden, sie können so helfen, die Wirklichkeit zu strukturieren und zu erschließen. Karl Jaspers und Paul Tillich thematisieren mit ihren Werken exemplarisch das Trennende und Verbindende menschlicher Grenzen, mit dem sich insbesondere religiöse und philosophische Traditionen auseinandersetzen. Beide stellen nämlich über das Immanente bzw. Bedingte hinaus die Grenzfrage nach der Transzendenz bzw. dem Unbedingten. Dabei versuchen sie, ihre fragwürdig gewordenen Positionen als Denker auf der Grenze zwischen Religion und Wissenschaft, Philosophie und Theologie zu bestimmen. Wenn sie so beeindruckende Ansätze entwickeln, mit denen sie die Relevanz religiöser Überzeugungen neu begründen wollen, bekommt die Grenze konstituierende Bedeutung für ihr Werk. Die beispielhafte Gegensätzlichkeit, mit der Jaspers und Tillich sich auf diese Grenzfragen einlassen, ist in der Gegensätzlichkeit persönlicher Entstehungsbedingungen begründet, die ihr Denken lebenslang prägen: traumatische ideologische Grenzübergriffe wie im deutschen Nationalismus bzw. Nationalsozialismus bei Jaspers und die unüberwindlich scheinende Aufspaltung der Wirklichkeit in Kultur und Religion, Denken und Glauben bei Tillich. Als Gegenreaktion fokussiert sich Jaspers nämlich auf die Unüberwindlichkeit prinzipieller Grenzen, Tillich dagegen auf grenzübergreifende Zusammenhänge. Gerade der Vergleich von Jaspers und Tillich erweist sich als ergiebig. Indem sie das Trennende und Verbindende der genannten Grenzen, unterschiedlich akzentuieren, stellen sie sich nämlich auch als beispielhafte Antipoden dar. Darum können gerade im Kontrast, wie anhand exemplarischer Werke aller Schaffensphasen herauszuarbeiten ist, die Merkmale, Stärken und Schwächen ihrer Positionen deutlicher hervortreten. Es macht sie zu Lebzeiten zu faszinierenden Alternativen, dass sie sich dabei von verengten philosophischen und theologischen Positionen ihrer Zeit abgrenzen (z.B. des Positivismus oder der Theologie Karl Barths). Dass sie sich stattdessen den „großen“ Grenzfragen abendländischer Metaphysik stellen, macht die Relevanz ihres Werks und dieses Dissertationsprojektes aus.

Summary:
Boundaries connect and disconnect, so they can help to structure and develop reality. In their works Karl Jaspers and Paul Tillich exemplarily broach the connection and disconnectedness of human boundaries, which find expression especially in religious and philosophical traditions. So both also ask for the transcendence and the unconditionality. They attempt to identify their suspect positions as thinkers on the boundary between religion and science, philosophy and theology. Therefore they created such impressive basic approaches to constitute the relevance of religious convictions. Especially the contrast between Jaspers and Tillich proves to be very efficient. By accentuating the connection and disconnectedness of boundaries differently they represent antipodes. In this way the features, strong and weak points of their positions are presented more distinctively.

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