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Titel: Frühkontinenz nach radikaler Prostatektomie unter Berücksichtigung des Zeitpunktes der postoperativen Entfernung des transurethralen Dauerkatheters
Autor: Simonis, Kathrin
Weitere Beteiligte: Olbert, Peter (Dr.)
Veröffentlicht: 2012
URI: https://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2012/0343
DOI: https://doi.org/10.17192/z2012.0343
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2012-03431
DDC: Medizin
Titel(trans.): Early continence after radical prostatectomy in patients with early or delayed catheter removal
Publikationsdatum: 2012-05-14
Lizenz: https://rightsstatements.org/vocab/InC-NC/1.0/

Dokument

Schlagwörter:
Radikale Prostatektomie, Inkontinenz, Prostatectomy, Incontinence

Zusammenfassung:
In der vorliegenden Arbeit wurde an 139 konsekutiven Patienten, die im Jahr 2008 radikal prostatektomiert wurden, prospektiv untersucht, ob sich die verzögerte Katheterentfernung bei Anastomoseninsuffizienz nachteilig auf die Frühkontinenz auswirkt. Das mittlere Alter betrug in beiden Gruppen 65 Jahre. Routinemäßig wird in unserer Klinik am 5. postoperativen Tag ein Zystogramm durchgeführt. Bei Dichtigkeit der Anastomose wird der Dauerkatheter bis zum einschließlich 7. postoperativen Tag entfernt (Gruppe I); dies war bei n=96 (69,1 %) Patienten der Fall. Die mittlere DK-Liegedauer betrug 6,0 Tage (5-7). Bei n=43 (30,9 %) Patienten lag der Dauerkatheter wegen Anastomoseninsuffizienz einschließlich 8 Tage oder länger (Gruppe II); die mittlere DK-Liegedauer betrug 15,2 Tage (8-41). Der Kontinenzstatus wurde mittels Pad-Test vor Entlassung und nach drei Monaten, der Dokumentation des Vorlagenverbrauchs/24 Stunden vor Entlassung und der Erhebung eines standardisierten validierten Fragebogens (ICIQ-SF, International Consultation of Incontinence Questionnaire-Short Form 4) präoperativ, postoperativ und nach drei Monaten erhoben. Die Menge des Harnverlusts im Pad-Test wurde nach den Kriterien der International Continence Society (ICS) objektiviert und in vier Kategorien eingeteilt (kontinent: Urinverlust < 2 g). Außerdem wurde untersucht, inwieweit Alter, BMI und die nervschonende Operationsweise einen Einfluss auf die Frühkontinenz haben. Die Ergebnisse des ICIQ-SF wurden graphisch durch Histogramme sowie durch die Berechnung des Medians dargestellt. Für die normalverteilten metrischen Variablen wendeten wir den T-Test für unverbundene Stichproben an. Für die Häufigkeitsvergleiche der nominalen Variablen wurde der Chi-Quadrat Test angewandt. Zur Auswertung des Pad-Tests und des Vorlagenverbrauchs/24 h verwendeten wir den Mann-Whitney¬ U-Test als nicht-parametrischen Test für zwei unverbundene Stichproben. Es wurde die statistische einseitige und zweiseitige Überschreitungswahrscheinlichkeit berechnet. Zur Berechnung der Korrelation zwischen Urinverlust im Pad-Test und Alter sowie BMI wurde die Korrelationsanalyse nach Pearson herangezogen. Um die zentralen Tendenzen hinsichtlich des Urinverlusts im Pad-Test und der nervschonenden Operationsweise der Teilgruppen zu vergleichen und den Unterschied auf Signifikanz zu prüfen, wurde der U-Test verwendet. Das Signifikanzniveau wurde bei p < 0,05 festgelegt. In der deskriptiven Auswertung des ICIQ-SF zeigte sich in Gruppe I vor Entlassung zunächst ein schlechteres subjektives Kontinenzempfinden als in der Gruppe II. Nach 3 Monaten zeigte sich ein vergleichbares Ergebnis: 91,2 % (Gruppe I) vs. 93,3 % (Gruppe II) gaben an, keinen Harnverlust zu haben bzw. lediglich eine kleine Menge Harn zu verlieren. Statistisch signifikante Unterschiede liegen jeweils nicht vor. Im Pad-Test vor Entlassung waren 68,1 % aus Gruppe I kontinent/leicht inkontinent vs. 60,6 % aus Gruppe II. Nach drei Monaten waren in beiden Gruppen 71 % der Patienten völlig kontinent. Statistisch lag zu keinem Zeitpunkt ein signifikanter Unterschied vor. 93,1 % (Gruppe I) vs. 90,4 % (Gruppe II) waren kontinent oder leicht inkontinent (Urinverlust < 9 g). Der mittlere Vorlagenverbrauch/24 h vor Entlassung war vergleichbar 3,2 (Gruppe I) vs. 3,3 (Gruppe II). Die Patienten mit zeitgerechter Katheterentfernung hatten einen signifikant niedrigeren BMI als diejenigen Patienten mit Anastomoseninsuffizienz. In der Korrelationsanalyse zeigte sich allerdings kein statistisch signifikanter Zusammenhang. Am vorliegenden Patientenkollektiv konnte somit gezeigt werden, dass sich die verzögerte Katheterentfernung bei Anastomoseninsuffizienz vor Entlassung noch scheinbar negativ auf die Frühkontinenz auswirkt, nach 3 Monaten allerdings ein vergleichbares Ergebnis vorliegt (ICIQ-SF, Pad-Test). Statistisch lag zu keinem Zeitpunkt ein signifikanter Unterschied vor. Mit einer Kontinenzrate von 71 % in beiden Gruppen ist nach 3 Monaten ein zufriedenstellendes Ergebnis erreicht.

Summary:
The purpose of this study was to examine if early catheter removal after radical retropubic prostatectomy adversely affects urinary continence. A total of 139 consecutive patients undergoing radical retropubic prostatectomy in 2008 was evaluated. Mean patient age was 65 years. A cystogram was performed routinely on POD 5. In case of a watertight anastomosis the catheter was removed before the 7th postoperative day (group I, 69,1 %, n=96). The remaining 30,9 % (group II, n=43) showed urine extravasation. In this group the catheter was left in situ for another 8 days or longer if indicated (mean 15,2 days). Continence was examined by a standardized pad test, the International Consultation of Incontinence Questionnaire-Short Form (ICIQ-SF) and the use of pads/24h preoperative, before discharge the patient from the hospital and at 3 months later. The weight of lost urine (pad-test) was reported and subdivided into 4 groups defined according to the weight of lost urine (continent: urine loss < 2 g). Besides, we investigated if age, body mass index and nerve-sparing technique have an impact on urinary continence. The results of ICIQ-SF we evaluated descriptively by histograms and median. For statistical analysis of pad test we used the Mann-Whitney U-test as non-parametric test for two independent samples. Pearson´s correlation was used to calculate the correlation between urine loss in pad test with age and body mass index. We applied the Mann-Whitney U-test to analyse if there is a statistically significant difference between the urine loss in pad test and nerve-sparing surgery. The significance level was defined as p < 0,05. In the interpretation of ICIQ-SF the group with delayed catheter removal (group II) experienced more severe incontinence before discharge home than group I. After 3 months the results in both groups were comparable: 91,2 % (group I) vs. 93,3 % (group II) had no or mild urine loss. Postoperatively 68,1 % (group I) vs. 60,6 % (group II) experienced continence in pad test or fit in the minimal incontinence category (urine loss in pad test < 9 g). At 3 months 71 % of patients in both groups showed continence. Statistically there was no significant difference. 93,1 % (group I) vs. 90,4 % (group II) experienced continence or mild incontinence (urine loss in pad test < 9 g). Postoperatively mean use of pads/24h was comparable: 3,2 (group I) vs. 3,3 (group II). In summary, in our patient cohort we could show that delayed catheter removal in patients with anastomotic urine leak may affect continence postoperatively but 3 months later the outcomes are comparable (pad test, ICIQ-SF).


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