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Titel:Destroying Weapons of Coal, Air and Water: A Critical Evaluation of the American Policy of German Industrial Demilitarization 1945-1952
Autor:Haller, Oliver
Weitere Beteiligte: von Bredow, Wilfried (Prof. Dr. Dr.)
Veröffentlicht:2006
URI:https://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2007/0126
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2007-01261
DOI: https://doi.org/10.17192/z2007.0126
DDC: Politik
Titel(trans.):Die Zerstörung von Waffen aus Kohle, Luft und Wasser: Eine kritische Evaluierung der amerikanischen industriellen Entmilitarisierungspolitik in Deutschland 1945-1952
Publikationsdatum:2007-04-16
Lizenz:https://rightsstatements.org/vocab/InC-NC/1.0/

Dokument

Schlagwörter:
Entmilitarisierung, Abrüstung, United States Foreign Relations Germany, Demilitarization, Military Government Germany, Arms Control, Besatzungspolitik, Germany History 1945-1952

Summary:
This dissertation analyses the American development and execution of the industrial demilitarization program in occupied Germany after World War II. Both Roosevelt and Truman administrations tackled the task of more or less permanently removing the basic German potential to produce armaments. A new understanding of industrial processes led policymakers to advocate the elimination of general or civilian manufacturing capacities for reasons of national security. This radical departure from the norms of previous peace settlements took the modern dual-use nature of industrial power into account. But the few contemporary analyses of demilitarization surprisingly disregard the importance of dual-use conceptions. Employing a strict division of civilian from military production that flies in the face of early 20th Century military theorists such as the advocates of strategic bombing, scholars have typically downplayed the problems experienced by the Foreign Economic Administration and Allied Control Council in even pinpointing the sources of military industrial power. It is therefore surprising that the historiography generally takes the success of the demilitarization operation for granted even though other historians have emphasized the relative growth of western German heavy industry after 1945. This examination questions the utility of military industrial control schemes owing to both the complexity and intertwined basis of the entire industrial structure. The paper employs a wide range of diplomatic and military records to critically examine the twisted course of conceptual development and the actual work of Lucius D. Clay’s military government. These records expose the significant constraints that hampered the project. Plans to remove an explosives manufacturing capacity for example failed because fertilizer output depended on many of the same facilities. Tampering with this sector threatened Washington with an humanitarian disaster owing to postwar conditions. Other constraints, such as the questionable benefits of transferring military industrial strength to potential adversaries or the belief generated by the Strategic Bombing Survey that the bombers had already done the job or most importantly the post-1945 American argument for swift German civilian economic rehabilitation to drive European reconstruction, manifested themselves. These constraints ameliorated the original policy direction represented by the Morgenthau Plan and J.C.S. 1067. Successive definitional alterations quickly led Washington to reject any serious attempts at destroying industrial capacities -- as witnessed in the examination of the fate of the Alkett-Berlin tank plant. Assessments of German military power after the Cold War breach in 1947 by the Joint Chiefs of Staff exposed real dual-use potential. Rather than building an epoch of peace, the industrial demilitarization conundrum helped drive the United States and Soviet Union further apart as both jostled for an improved power position in Germany. Seen in this way, the survival of German military industrial capacities contributed to the process split the world in two and ended with the emergence of the Bundeswehr by 1955.

Zusammenfassung:
Diese Dissertation analysiert die Entwicklung und die Ausführung des amerikanischen Programms der industriellen Entmilitarisierung im besetzten Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Sowohl die Roosevelt- als auch Truman-Regierungen beschäftigten sich damit, das deutsche Rüstungspotential dauerhaft zu entfernen. Ein neues Verständnis für industrielle Abläufe stärkte den politischen Willen, nationale Sicherheit durch die Beseitigung der allgemeinen oder zivilen Kapazitäten zu garantieren. Diese radikale Abkehr von internationalen Normen früherer Friedensverhandlungen beachtete eine neue "dual-use" Sichtweise. Die wenigen zeitgenössischen Analysen der Entmilitarisierung Deutschlands vernachlässigen überraschenderweise diese neuen "dual-use" Konzepte. Eine strenge Teilung ziviler von militärischer Produktion, die mit der Strategie des Bombenkriegs nicht im Einklang war und von Nachkriegspolitikern abgelehnt wurde, führte dazu, dass die signifikanten Probleme der Foreign Economic Administration und Allied Control Council, selbst die Quellen militärischer industrieller Macht festzustellen, heruntergespielt oder sogar ignoriert wurden. Es ist deshalb seltsam, dass die Geschichtsschreibung den Erfolg der Entmilitarisungsbemühungen für selbstverständlich hielt, obwohl andere Wissenschaftler die Wiederherstellung der westdeutschen Schwerindustrie nach 1945 betonen. Die vorliegende Arbeit stellt den Nutzen der militärischen Industriekontrollpläne der Nachkriegszeit wegen der komplizierten Verflochtenheit moderner industrieller Strukturen in Frage. Die Dissertation stützt sich auf eine breite Auswahl diplomatischer und militärischer Akten, um den verzweigten Kurs des Entmilitarisierungskonzepts und die darauffolgend in Kraft gesetzte Militärregierung Lucius D. Clays zu untersuchen. Diese Akten legen bedeutungsvolle, das Projekt hemmende Zwänge bloß. Pläne, die Sprengstoffindustrie vollständig zu demontieren oder zu vernichten, versagten, weil die zivile Düngerproduktion von den gleichen Fertigungsprozessen abhing. Wegen der Nachkriegsbedingungen drohte durch Eingriffe Washingtons eine humanitäre Katastrophe. Andere Zwänge, z.B. der fragwürdige Nutzen der Demontage und Abtransport militärischer Industrieanlagen für andere Länder oder der Glauben, die Bomber hätten Deutschlands Industrie schon stark genug getroffen oder das immer bedeutsamer werdende amerikanische Argument für eine schnelle Wiederbelebung der deutschen Wirtschaft als Kern europäischer Rekonstruktionspläne, wurden sichtbar. Diese Zwänge veränderten die im Morgenthau Plan und J.C.S. 1067 dargestellte ursprüngliche Politikrichtung. Aufeinanderfolgende Änderungen führten Washington weit weg von jedem ernsten Entmilitarisierungsversuch -- wie eine Untersuchung des Schicksals der Alkett-Berlin Fabrik, des wichtigsten Panzerherstellers während des Krieges, demonstriert. Die Bemühungen der Joint Chiefs of Staff, nach dem sichtbaren Beginn des Kalten Krieges in 1947 das Militärpotential Deutschlands zu messen, offenbarten ein sehr starkes "Dual-use" Potential. Anstatt eine Epoche des Friedens zu bewirken, half die Verzwicktheit der industriellen Entmilitarisierung bei der weiteren Verfeindung der Großmächte, da beide um eine verbesserte Machtposition in Deutschland rangen. So gesehen, trugen die immer noch existierenden deutschen Militärkapazitäten dazu bei, die Welt zu entzweien.


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