Schlafverhalten bei Fibromyalgiepatienten nach Systolischem Extinktionstraining

Das chronische Schmerzsyndrom Fibromyalgie zeichnet sich durch das Vorliegen der Symptomtrias muskuloskelettaler Schmerz, Fatigue und unerholsamer Schlaf aus. Oftmals leiden die Patienten zusätzlich unter vegetativ- funktionellen sowie psychischen Beschwerden. Die Prävalenz in der deutschen Bevölker...

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Main Author: Zeiler, Anna-Lena
Contributors: Thieme, Kati (Prof. Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2019
Medizinische Psychologie
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:Das chronische Schmerzsyndrom Fibromyalgie zeichnet sich durch das Vorliegen der Symptomtrias muskuloskelettaler Schmerz, Fatigue und unerholsamer Schlaf aus. Oftmals leiden die Patienten zusätzlich unter vegetativ- funktionellen sowie psychischen Beschwerden. Die Prävalenz in der deutschen Bevölkerung liegt bei bis zu 4 %. Die Diagnosestellung der FM erfolgt anhand der Klassifikationskriterien des American College of Rheumatology von 1990 oder der modifizierten vorläufigen diagnostischen Kriterien des American College of Rheumatology von 2010 bzw. 2011. Die genaue Ätiologie des Krankheitsbildes ist bislang nicht eindeutig geklärt; insgesamt geht man jedoch von einem Biopsychosozialen Modell aus, in welchem biologische, psychologische und soziale Faktoren eine Rolle spielen. Einen weiteren Ansatz zur Klärung der Ätiologie liefern neuere Studien, in welchen sich eine verringerte Baroreflexsensitivität bei Fibromyalgiepatienten im Vergleich zu Gesunden zeigt. Den Barorezeptoren wird eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit der intrinsischen Schmerzregulation zugeschrieben. Eine dysfunktionale Baroreflexsensitivität im Rahmen der Fibromyalgie führt demnach zu einer verminderten autonomen Regulationsfähigkeit und infolgedessen zu einer unzureichenden intrinsischen Schmerzhemmung. Die Empfehlungen zur Therapie der Fibromyalgie basieren vorrangig auf symptomatischen Behandlungsansätzen, welche Physiotherapie, Psychotherapie und Medikamente beinhalten. Durch all diese Verfahren kann jedoch lediglich eine temporäre Linderung der Beschwerden erzielt werden. Eine etablierte kausale Behandlung steht bisher nicht zur Verfügung. Die erwähnten Befunde hinsichtlich der veränderten Baroreflexsensitivität bei Fibromyalgie liefern jedoch einen neuen Behandlungsansatz. So war es der Arbeitsgruppe um Prof. Thieme möglich, eine Therapie zu entwickeln, mit Hilfe derer bei Fibromyalgiepatienten eine signifikante Steigerung der Baroreflexsensitivität gelingen konnte. Mittels des sogenannten Systolischen Extinktionstrainings sollen die Barorezeptoren durch die Kombination eines Barorezeptortrainings mit einer Operant- Behavioralen Therapie wieder reaktiviert werden. Es konnte bereits gezeigt werden, dass sich das Systolische Extinktionstraining positiv auf den klinischen Schmerz und das Schmerzempfinden auswirkt. Stellt das Systolische Extinktionstraining tatsächlich einen kausalen Behandlungsansatz dar, so muss davon ausgegangen werden, dass sich nach Therapie eine relevante Symptomverbesserung in allen Bereichen zeigt. Um zu überprüfen, ob eine solche Verbesserung auch in Hinblick auf den Schlaf bei FM nachgewiesen werden kann, erfolgte im Rahmen dieser Arbeit die Untersuchung der subjektiven Schlafeinschätzung mittels des Pittsburgher Schlafqualitätsindexes anhand einer kontrolliert- randomisierten Studie mit 84 Probanden. Darüber hinaus erfolgte die Betrachtung objektiver Schlafparameter mittels Polysomnographie und deren Veränderungen nach Systolischem Extinktionstraining im Rahmen einer Pilotstudie an elf Probanden. Durch Anwendung des Systolischen Extinktionstrainings beim Krankheitsbild der Fibromyalgie kam es insgesamt zu einer Verbesserung der subjektiven Schlafeinschätzung. Dies ließ sich vorrangig an einem signifikant verringerten Gesamtscore des Pittsburgher Schlafqualitätsindexes innerhalb der mit Systolischem Extinktionstraining behandelten Gruppe und einem signifikanten Unterschied zwischen der mit Systolischem Extinktionstraining behandelten Gruppe und den beiden anderen Interventionsgruppen nachweisen. Die Kontrollgruppen wurden entweder mit einer Kombination aus Aerobem Training und Baroreflex- Training oder mit einer Kombination aus Operant- Behavioraler Psychotherapie und einer unabhängig vom kardialen Zyklus applizierten elektrischen Stimulation therapiert. Darüber hinaus konnte mittels Systolischem Extinktionstraining eine signifikante Erhöhung der Anzahl guter Schläfer erreicht werden. Auswirkungen des Systolischen Extinktionstrainings ließen sich auch auf objektivierbarer Ebene beobachten: So kam es durch Zunahme des Tiefschlafs und Abnahme der Wachzeit in der ersten Nachthälfte sowie durch die Annäherung an eine physiologische Tiefschlafverteilung nach Systolischem Extinktionstraining insgesamt zu einer Verbesserung der Schlafarchitektur. So liegt der Schluss nahe, dass mittels Systolischem Extinktionstraining nicht nur eine deutliche Schmerzreduktion, sondern auch eine Verbesserung des Schlafes bei Fibromyalgie erreicht werden kann. Ein Ziel zukünftiger Studien sollte es sein, die von uns durchgeführten Untersuchungen anhand einer größeren Studienpopulation zu wiederholen, um eine Reproduzierbarkeit unserer Ergebnisse zu überprüfen und deren klinische Relevanz zu verifizieren.
Physical Description:138 Pages
DOI:https://doi.org/10.17192/z2019.0415