Interkontinentale Repatriierung von Intensivpatienten im Linienflugverkehr – eine deskriptive Analyse einer einzigartigen Transportmodalität

Aufgrund der stetig steigenden Anzahl von Flugreisenden nimmt auch die Zahl Reisender mit chronischen Erkrankungen zu. Exacerbationen von Grunderkrankungen aber auch Unfälle und schwere Erkrankungen fern der Heimat können eine intensivmedizinische Behandlung im Ausland erforderlich machen. Die Durch...

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Main Author: Lindert, Benjamin
Contributors: Graf, Jürgen (Prof. Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2018
Klinik für Anästhesie und Intensivtherapie
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:Aufgrund der stetig steigenden Anzahl von Flugreisenden nimmt auch die Zahl Reisender mit chronischen Erkrankungen zu. Exacerbationen von Grunderkrankungen aber auch Unfälle und schwere Erkrankungen fern der Heimat können eine intensivmedizinische Behandlung im Ausland erforderlich machen. Die Durchführung von Repatriierungen derart kritisch erkrankter Patienten ist seit 1996 auch unter Verwendung des Patient Transport Compartment (PTC) an Bord von Langstreckenlinienflugzeugen der Deutsche Lufthansa AG (DLH) im Regelflugbetrieb möglich. Diese Möglichkeit ist einzigartig im zivilen Linienflugverkehr. Von insgesamt 650 Transporten in den Jahren 2000 bis 2009 sowie 2011 wurden 583 Protokolle erstmalig mit dem Ziel ausgewertet, die Qualität der Dokumentation interkontinentaler Repatriierungen von Schwerstverletzten bzw. -erkrankten retrospektiv systematisch zu erfassen und hinsichtlich medizinischer, struktureller und qualitativer Aspekte zu analysieren und zu bewerten. In der Folge wurde zudem die Implementierung einer strukturellen V eränderung evaluiert und Handlungsempfehlungen formuliert. Es konnte festgestellt werden, dass die personellen und formalen Voraussetzungen für eine qualitativ hochwertige Dokumentation, deren Daten für Qualitätssicherung, Patientenversorgung und Wissenschaft nutzbar wären, grundsätzlich vorhanden sind. Allerdings wird die Dokumentation selbst nicht auf einem entsprechend hohen qualitativen Standard umgesetzt. Flächendeckend weisen die Daten große Mängel im Hinblick auf Vollständigkeit und Nachvollziehbarkeit auf, was einen relativen Informationsverlust im Verlauf des Transportes vermuten lässt. Zusätzlich wurde deutlich, dass die Bedeutung der dokumentierten 91 medizinischen Parameter ebenso wenig Einfluss auf die Qualität der Dokumentation hat wie der Patientenzustand. Auch die Dokumentation beatmungspflichtig Erkrankter unterscheidet sich nicht wesentlich von der der übrigen Patienten. Anders als erwartet ergaben sich durch die strukturelle Verschiebung der Dokumentationsverantwortlichkeit zu den “konstanten” Mitgliedern der PTC-Medical-Crew und den damit verbundenen Schulungen keine positiven V eränderungen. Trotz dieser Ergebnisse sind Repatriierungen im PTC an Bord ziviler Langstreckenlinienflugzeuge vergleichsweise schnell und medizinisch sicher möglich. Ein Zusammenhang zwischen der nachgewiesen unzureichenden Dokumentation und einer erhöhten Sterblichkeit der transportierten Patienten lässt sich aus den Daten nicht ableiten. Weitere Schulungsmaßnahmen der PTC-Medical-Crew im Hinblick auf die Relevanz einer suffizienten Dokumentation für den Patienten erscheinen sinnvoll. Ebenso sind die Einführung elektronischer Dokumentationssysteme sowie die Entwicklung eines englischsprachiges DIVI Intensivtransportprotokoll zu erwägen, um den Informationsverlust durch unzureichende Dokumentation auszugleichen. Regelmäßige stichprobenartige Überprüfungen der eingeleiteten Maßnahmen sind notwendig um eine kontinuierliche Qualitätsverbesserung zu erreichen und somit die Patientensicherheit nachhaltig zu erhöhen.
Physical Description:122 Pages
DOI:https://doi.org/10.17192/z2018.0459