Kontrastverstärkte Ultraschall-Ventrikulographie bei kritisch kranken neurochirurgischen Intensivpatienten

Während des Entwöhnens von einer EVD gehören wiederholt durchgeführte cCTs und CT-Ventrikulographien zur Routineprozedur. Damit verbunden sind Risiken für die Patienten, einmal bedingt durch den intrahospitalen Transport (Beckmann et al., 2004; Bercault et al., 2005) so...

Ausführliche Beschreibung

Gespeichert in:
1. Verfasser: Helm-Lacourt, geb. Helm, Johanna Luisa
Beteiligte: Nimsky, Christopher (Prof. Dr. med) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2017
Ausgabe:http://dx.doi.org/10.17192/z2017.0408
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Zusammenfassung:Während des Entwöhnens von einer EVD gehören wiederholt durchgeführte cCTs und CT-Ventrikulographien zur Routineprozedur. Damit verbunden sind Risiken für die Patienten, einmal bedingt durch den intrahospitalen Transport (Beckmann et al., 2004; Bercault et al., 2005) sowie durch die Strahlenbelastung der CT-Untersuchung (Moskowitz et al., 2010). Darüber hinaus stellt der Transport eines kritisch kranken Patienten ein zeit- und kostenintensives Geschehen dar (Waydhas, 1999). Von Vorteil erscheint es daher, eine aussagekräftige bettseitige bildgebende Methode zur Hand zu haben. In der Neurochirurgischen Klinik des Universitätsklinikums Marburg wurde die CEUS-Ventrikulographie entwickelt, bei der ein UKV über die einliegende EVD in die Ventrikel appliziert und mittels des Gewebe-Harmonic-Imaging Modus dargestellt wird. Die vorliegende Arbeit beschäftigte sich mit der Fragestellung, ob die Darstellung der Liquorzirkulation durch die CEUS-Ventrikulographie sicher gelingt, jedoch weniger risikobehaftet als die Durchführung einer cCT-Ventrikulographie ist. Ein erfahrener Ultraschall-Untersucher führte bei 13 Patienten in insgesamt 16 Fällen nach einem transkraniellen Ultraschall der Ventrikel die CEUS-Ventrikulographie durch. Die im nativen US gemessenen Ventrikelweiten wurden mit denen aus der cCT-Bildgebung, die nach der CEUS-Ventrikulographie angefertigt wurde, verglichen. In einem Zeitraum von fünf Tagen vor und nach der Applikation des UKV SonoVue® wurde die Zusammensetzung des Liquors und des Serums auf Veränderungen untersucht (Leukozyten, CRP, PCT, LZZ, LPrt, LLak, LGlc/BGlc) und die tägliche maximale Körpertemperatur erfasst. Es konnte gezeigt werden, dass die Weiten der Ventrikel im nativen Ultraschall und der cCT sich nicht signifikant unterscheiden (III.Ventrikel p-Wert: 0,267; IV.Ventrikel p-Wert: 0,075; VH re. p-Wert: 0,256; VH li. p-Wert: 0,716; SV re. p-Wert: 0,481; SV li. p-Wert: 0,603). Es gelang in allen 16 Fällen die Liquorzirkulation nach intraventrikulärer Applikation des UKV darzustellen. In 15 Fällen konnte der Übertritt des UKV gezeigt werden. Es konnte keine klinische Verschlechterung der Patienten in einer 30-minütigen Nachbeobachtungszeit festgestellt werden. Auch in der Labor- und Liquordiagnostik wurden unter Heranziehen der Kasuistiken in einem fünftägigen Nachuntersuchungszeitraum keine Hinweise auf eine Ventrikulitits gefunden. Werden CT-Ventrikulographie und CEUS-Ventrikulographie hinsichtlich des Kosten- und Zeitfaktors miteinander verglichen, so belaufen sich die Kosten für die CT-Ventrikulographie auf 148,39 € bis 156,79 € bei einem Zeitaufwand von ungefähr 40-50 Minuten, während für eine CEUS-Ventrikulographie 93,85 € veranschlagt werden müssen bei ungefähr 6-minütiger Untersuchungsdauer. Die Aussagekraft der Ergebnisse wird durch die geringe Stichprobengröße eingeschränkt. Dennoch liefert die CEUS-Ventrikulographie eindeutige Ergebnisse, die großes Potential im Bereich der Darstellung der Ventrikel bei verschiedenen Krankheitsbildern bergen. Die Labor- und Liquordiagnostik konnte aufgrund von Verlegung oder Entlassung der Patienten und Entfernen der EVD nach Durchführung der CEUS-Ventrikulographie nur bei der Minderheit der Patienten lückenlos durchgeführt werden. Antibiotische Behandlungen, Infekte der Patienten, Wechsel von EVD auf LD und die zur Aufnahme führenden Krankheitsbilder stellen Confounder dar, welche die erfassten Parameter beeinflussen können. Die in der vorliegenden Arbeit dargestellten deskriptiven Verläufe der Labor- und Liquorparameter liefern keine Hinweise dafür, dass die intraventrikuläre Applikation von SonoVue® eine Infektion des Ventrikelsytems hervorruft. Um dies zu beweisen, sind in der Zukunft weitere Untersuchungen mit größeren Patientenkollektiven anzustreben.
DOI:http://dx.doi.org/10.17192/z2017.0408