Psychologische Aspekte der Bluthochdruckbehandlung - Einstellungen, Placebo- und Noceboeffekte

Bluthochdruck ist eine weit verbreitete Erkrankung, die häufig eine medikamentöse Kontrolle des Blutdrucks erfordert, um Folgeerkrankungen vorzubeugen (Kearney et al., 2005). Die Adhärenz bei Bluthochdruckmedikamenten, also in wie weit Patienten dem Behandlungsplan folgen, ist niedrig (Naderi, Best...

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Main Author: Wilhelm, Marcel
Contributors: Doering, Bettina K. (Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2017
Psychologie
Subjects:
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Description
Summary:Bluthochdruck ist eine weit verbreitete Erkrankung, die häufig eine medikamentöse Kontrolle des Blutdrucks erfordert, um Folgeerkrankungen vorzubeugen (Kearney et al., 2005). Die Adhärenz bei Bluthochdruckmedikamenten, also in wie weit Patienten dem Behandlungsplan folgen, ist niedrig (Naderi, Bestwick, & Wald, 2012). Zur Verbesserung der Behandlung sollten erwünschte, unspezifische Effekte der Bluthochdruckmedikation, sog. Placeboeffekte, maximiert werden. Gleichzeitig sollten Noceboeffekte (z.B. die Intensivierung von Nebenwirkungen) minimiert werden (Rief, Bingel, Schedlowski, & Enck, 2011). Dabei spielen negative Behandlungserwartungen eine wichtige Rolle, die u.a. als Einstellungen gegenüber Medikamenten operationalisiert werden können und zudem direkt mit Adhärenz assoziiert sind (Foot, La Caze, Gujral, & Cottrell, 2016). Um unspezifische Effekte in der Behandlung von Bluthochdruck zu optimieren, muss zunächst ein möglicher Placeboeffekt nachgewiesen werden. Daher wurde eine Meta-Analyse aller verfügbaren Beta-Blockerstudien mit paralleler Placebokontrollgruppe durchgeführt (23 Studien, 11.067 Patienten mit Bluthochdruck). Dabei zeigten sich robuste, blutdrucksenkende Effekte, die bereits 34% (systolisch) bzw. 47% (diastolisch) des medikamentös bedingten Blutdruckabfalls in den Beta-Blockergruppen erklärten. In der zweiten Studie wurden Noceboeffekte mithilfe einer wahrheitsgemäßen verbalen Informationsgabe adressiert. Dabei wurden 80 gesunde Probanden in eine von zwei Informationsgruppen randomisiert: die Positivbedingung erhielt die wahrheitsgemäße Information, dass Schwindel ein Zeichen ist, dass das Medikament anschlägt. Die Kontrollbedingung erhielt die Standardinformation (Schwindel als bekannte Nebenwirkung). Nach der Einnahme von 100 mg Metoprolol bewertete die Positivbedingung auftretende spezifische Nebenwirkungen als signifikant weniger bedrohlich. Probanden, die Medikamente eher als schädlich einstuften, unterschieden sich auch in Auftretenshäufigkeit und Intensität spezifischer Nebenwirkungen zwischen den Gruppen, zugunsten der Positivbedingung. In der dritten Studie wurde durch eine Onlinebefragung von 273 Bluthochdruckpatienten die zentrale Rolle von Einstellungen gegenüber der verschriebenen Medikation (Notwendigkeit und Sorgen) bzgl. der Adhärenz zu Antihypertensiva in einem Strukturgleichungsmodell mit akzeptablen Fitindizes aufgezeigt. Insgesamt konnten 23% der Varianz in Adhärenz durch Einstellungen zu Medikamenten und verschiedenen Hintergrundvariablen (z.B. emotional unterstützende Arzt-Patient Kommunikation) aufgeklärt werden. Die Ergebnisse der Dissertation zeigen, dass es für die Bluthochdruckbehandlung bedeutsam ist, erwünschte, unspezifische Effekte zu fördern und gleichzeitig personalisiert auf negative Erwartungen einzugehen. Eine Möglichkeit dazu bietet die Verbesserung der verbalen Arzt-Patient Kommunikation.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2017.0407