Teaching to Clients: Quality Assurance in Higher Education and the Construction of the Invisible Student at Philipps-Universität Marburg and Universidad Centroamericana in Managua

The widespread applicability of quality assurance processes has induced a re-labeling of clients as students (see, for example: OECD, 1998), as well as an imposition of compatible evaluation and training processes for teachers. Quality assurance, a now globalised practice in higher education institu...

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Main Author: Bellanger, Wendi
Contributors: Oettler, Anika (Prof. Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:English
Published: Philipps-Universität Marburg 2016
Soziologie
Subjects:
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Table of Contents: Rund um die Welt haben sich Universitäten auf Reformen eingelassen, die das Ziel verfolgen, sich an den Markt anzuschließen. Dieser Trend ist als „akademischer Kapitalismus“ beschrieben worden. Ein Element, das in engem Zusammenhang hierzu steht, ist die Qualitätssicherung. Beiden Trends gemeinsam sind dieselben Diskurse, Ziele und Prozesse. Sie basieren auf den gleichen Schlüssel-Konzepten und rechtfertigen sich mit denselben Argumenten. Qualitätssicherung stellt eine Technologie bereit, die die Ideale von Wettbewerb, Effizienz, kontinuierlicher Verbesserung und Transparenz unterstützt, alles fundamentale Werte des akademischen Kapitalismus. Ich untersuche Qualitätssicherung als einen spezifischen Ausdruck der „Bilanzierungskultur“, die von Organisationen verlangt, Prozesse zur „Kontrolle der Kontrolle“ zu implementieren um den Wert "Vertrauen" abzulösen. Sie sollen den Zweck erfüllen, durch „Rituale der Verfizierung“ Rechenschaft ablegen zu können und garantieren, dass die Kontrollmechanismen in einer Organisation überall funktionieren. Im akademischen Kontext wird Qualitätssicherung auf zwei Weisen eingeführt, die in der Praxis eng miteinander verflochten sind: auf der einen Seite handelt es sich um einen sorgfältig definierten und standardisierten Prozess, auf der anderen Seite findet sich eine endlose, alles umschließende Kultur zur Beschreibung eines geeigneten Gesinnungsstatus für Akademiker. Zwei „Rituale der Verifizierung“ aus dem Qualitätssicherungs-System stellen sich als sehr wichtig für die Entwicklung von „Subjektivierung“ bei Lehrenden an Universitäten heraus: Lehrerbewertung und Lehrerausbildung. Beide generieren "Wahrheiten" die aus einer Klassifikation von Studierendenmeinungen hergeleitet werden, wobei bereits etablierte Kategorien aus den Feldern von Wirtschaft und Pädagogik genutzt werden. Die bestehende Kritik an der „Bilanzierungskultur“ und dem „akademischen Kapitalismus“ hat an Kraft verloren, weil in der Einschätzung aus Sicht der Qualitätssicherung heutige Studierende ein gesteigertes „Konsumentenbewusstsein“ entwickelt haben, das kritische Analysen der Reformen des höheren Bildungswesens verhindert, weil Schlüssel-Annahmen der Qualitätssicherung nicht hinterfragt werden. In Anerkennung der Notwendigkeit empirischer Untersuchungen an Studenten in Qualitätssicherungs-Systemen verfolgt diese Arbeit das Ziel eine Forschungslücke zu schließen, indem eine Studie an der Basis zur Qualitässicherung an zwei Universitäten durchgeführt wurde. Die Universidad Centroamericana in Managua, Nicaragua und die Philipps-Universität Marburg in Deutschland. Trotz der vielfältigen Unterschiede dieser beiden Hochschulen konnten erhebliche Gemeinsamkeiten bei den Qualitätssicherungs-Strukturen und ein nahezu identisches „Sprechen von Qualität“ herausgestellt werden. Während eine zentrale Botschaft im „Sprechen von Qualität“ die Behandlung von Studierenden als Kunden darstellt, wird dieser Einschätzung seitens der interviewten Studierenden einhellig widersprochen. Qualitätssicherung stellt sich als effektive „Tyrannei der Transparenz“ dar, indem Verschulung der Lehre zum Fetisch erhoben wird und die Studierenden mit ihrem Lern- und Lehrenden-Management, Schlüsselstrategien um universitäre Vorgaben ihren eigenen Bedürfnissen anzupassen, aus der Wahrnehmung gelöscht werden.