Klinisch funktionelle Nachuntersuchung bei zervikalem Wurzelkompressionssyndrom nach dorsaler Foraminotomie nach Frykholm und Scoville

Hintergrund: Unter einem zervikalen Wurzelkompressionssyndrom wird die Irritation oder Kompression zervikaler Nervenwurzeln verstanden. Ursächlich für die mechanische Kompression der zervikalen Nervenwurzeln beim Austritt aus dem Foramen intervertebrale oder im Spinalkanal ist eine degenerativer Pro...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Bernard, Bernadette
Beteiligte: Wilke, A. (Prof. Dr. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2016
Medizin
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Hintergrund: Unter einem zervikalen Wurzelkompressionssyndrom wird die Irritation oder Kompression zervikaler Nervenwurzeln verstanden. Ursächlich für die mechanische Kompression der zervikalen Nervenwurzeln beim Austritt aus dem Foramen intervertebrale oder im Spinalkanal ist eine degenerativer Prozess mit Austritt des Nucleus pulposus über degenerativ entstandene Risse im Anulus fibrosus oder die knöcherne Einengung des Foramens durch spondylophytäre Anbauten an Grund- bzw. Deckenplatten und Gelenken der Wirbelkörper und degenerative Veränderungen der Wirbelbogengelenke (Spondylarthrose). Das zervikale Wurzelkompressionssyndrom beinhaltet Nacken-, Schulter- und Armschmerzen, eventuell begleitet von Lähmungen und/oder Taubheitsgefühl an den oberen Extremitäten. Damit hat das zervikale Wurzelkompressions-Syndrom bedeutende Auswirkung auf die Lebensqualität der Betroffenen. Die jährliche Inzidenz des zervikalen Wurzelkompressionssyndroms liegt bei 0,083% und die Prävalenz bei 0,35% mit einem Peak im 6. Lebensjahrzehnt. Die Behandlungsempfehlungen für Patienten mit zervikalem Wurzelkompressions-syndrom sind vielfältig. Neben der konservativen Therapie gibt es eine Reihe operativer Verfahren. Bei Vorfällen oder Osteophyten lateral des Durasacks ist eines der operatives Verfahren zur Dekompression von radikulären Nervenschäden die dorsale Foraminotomie nach Frykholm und Scoville. Methoden: Ziel dieser Studie ist die Erhebung der klinisch-funktionellen Ergebnisse nach dorsaler Foraminotomie nach Frykholm/Scoville bei Patienten mit zervikalem Wurzelkompressionssyndrom. Dabei soll besonders die Verbesserung der Lebensqualität der Patienten, konkret die Schmerzbeeinflussung und die Besserung motorischer Defizite sowie Auswirkungen auf berufliche, freizeitbezogene, emotionale, soziale und funktionale Aspekte des täglichen Lebens mitberücksichtigt werden. Die Datenerhebung erfolgte mittels eines Fragebogens zur Patientenzufriedenheit, Erfassung der Schmerzen anhand der Visuellen Analogskala und der Erfassung der Auswirkungen auf das alltägliche Leben mittels Neck Pain and Disability Index. Außerdem wurde eine klinische Untersuchung mit der Frage nach Bewegungseinschränkungen der Halswirbelsäule, Paresen der oberen Extremität und Sensibilitätsstörungen durchgeführt. Als Hinweis auf eine Foramenstenose wurden der HWS-Distraktionstest und der Spurling-Test durchgeführt. Ergebnisse: Es wurden 38 Patienten, die sich in den Jahren 2003-2008 am Wirbelsäulenzentrum Marburg einer dorsalen Foraminotomie nach Frykholm/Scoville unterzogen, im Mittel 67,5 Monate nach der Operation befragt und klinisch nachuntersucht. Dabei zeigte sich eine Verbesserung der Schmerzintensität in der Nachuntersuchung. So ging der Schmerzmittelverbrauch zurück, der Wert auf der VAS sank. Auch motorische Schwächen an der oberen Extremität besserten sich. Allerdings zeigten sich bei der Nachuntersuchung erhebliche Beeinträchtigungen der Patienten hinsichtlich der HWS-Beweglichkeit. Es zeigte sich bei 89,47% der Patienten eine Einschränkung der Beweglichkeit der HWS. Die Abweichungen zu den Normwerten waren signifikant. Der Zufriedenheitswert der Patienten lag im Mittel bei 7,3 von 10 Punkten. Der erzielte Wert beim NPAD-Index und das Ausmaß der Schmerzreduktion zeigten sich als bedeutend für die Patientenzufriedenheit. Zusammenfassung: Insgesamt zeigte sich bei dieser Studie ein schlechteres outcome als in vergleichbaren Studien aus der Literatur. Das Zeitintervall bis zum follow up ist in dieser Studie wesentlich größer als in den meisten anderen Studien. Insgesamt fällt im Literaturvergleich die Tendenz auf, dass Studien mit einem größeren Abstand zwischen Operation und Nachuntersuchung ein schlechteres outcome zeigen. Dies legt die Vermutung nahe, dass ein fortschreitender degenerativer Prozess das Operationsergebnis mit der Zeit wieder verschlechtern könnte. Dennoch ist hinsichtlich der Reduktion der Schmerzen nach im Mittel 67,5 Monaten ein Erfolg zu verzeichnen.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2016.0135