Placeboeffekte in der pharmakologischen Behandlung von Insomnie

Placeboeffekten wird in neueren Studien ein substantieller Anteil an der Symptomverbesserung in der Pharmakotherapie zugesprochen. Im Bereich der pharmakologischen Behandlung von Insomnie gibt es bisher jedoch kaum Studien, die sich mit der Quantifizierung eines möglichen Placeboeffektes und der Unt...

Ausführliche Beschreibung

Gespeichert in:
1. Verfasser: Winkler, Alexander Jakob
Beteiligte: Rief, Winfried (Prof.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2016
Psychologie
Ausgabe:http://dx.doi.org/10.17192/z2016.0113
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Zusammenfassung:Placeboeffekten wird in neueren Studien ein substantieller Anteil an der Symptomverbesserung in der Pharmakotherapie zugesprochen. Im Bereich der pharmakologischen Behandlung von Insomnie gibt es bisher jedoch kaum Studien, die sich mit der Quantifizierung eines möglichen Placeboeffektes und der Untersuchung seiner zugrunde liegenden Wirkmechanismen befasst haben. Die vorliegende Dissertation verfolgte daher zwei Ziele. Erstens wurde im Rahmen einer Metaanalyse die differentielle Wirksamkeit verschiedener Substanzklassen auf objektive und subjektive Zielgrößen in 31 randomisierten kontrollierten klinischen Studien (RCTs) zur pharmakologischen Behandlung von primärer Insomnie (3820 Patienten) erfasst (Studie 1). Hierbei wurden auch die Symptomverbesserungen innerhalb der Placebo-Kontrollgruppen der klinischen Primärstudien (32 RCTs mit 3969 Patienten) quantifiziert, sowie der Anteil des Placeboeffektes an der Symptomverbesserung in der Medikamentengruppe bestimmt (Studie 2). Dabei zeigte sich sowohl in subjektiven als auch in objektiven Zielgrößen bei einer eher moderaten Wirksamkeit über alle Substanzklassen hinweg, dass im Mittel 63.56% der Symptomverbesserung in der pharmakologischen Behandlung von Insomnie bereits in den Placebo-Kontrollgruppen erreicht wurde. Zweitens wurde Konditionierung - als ein potentiell zugrunde liegender Wirkmechanismus des Placeboeffektes - im Rahmen eines Konditionierungsparadigmas an 39 gesunden Probanden untersucht (Studie 3). In der Machbarkeitsstudie konnte nicht, wie erwartet, demonstriert werden, dass sich in einer Akquisitionsphase gelernte pharmakologisch induzierte Veränderungen der Schlafarchitektur (Amitriptylin induzierte REM-Schlaf Suppression) in einer Evokationsphase durch die Einnahme eines Placebos wieder abrufen (imitieren) lassen. Vielmehr zeigte sich unerwartet ein signifikanter Effekt in die entgegengesetzte Richtung, also signifikant mehr REM-Schlaf in der Experimentalgruppe als in der Placebo-Kontrollgruppe. Die vorliegenden Befunde weisen darauf hin, dass einfache Regeln des assoziativen Lernens nicht ausreichen, um den beobachteten Placeboeffekt zu erklären. Es müssen komplexere Einflüsse, wie eine konditionierte Gegenreaktion oder eine homöostatische Gegenreaktion nach Absetzen der Studienmedikation (Rebound), die mit der Konditionierung interferierte, in Betracht gezogen werden.
Beschreibung:84 pages.
DOI:http://dx.doi.org/10.17192/z2016.0113